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Coronavirus

Booster-Impfung schon nach vier Wochen? NRW rudert zurück

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Das Gesundheitsministerium von NRW korrigiert einen Erlass, der die Booster-Impfung bereits nach vier Wochen ermöglicht hätte.

Düsseldorf – Erst hieß es, dass sich Impfwillige bereits nach vier Wochen boostern lassen können. Doch nur einen Tag später rudert die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen zurück. Die Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus soll es nun doch erst nach vier oder fünf Monaten geben.

„Der Mindestabstand zur Grundimmunisierung soll im Regelfall mindestens fünf Monate betragen, vier Wochen Mindestabstand ist nur in Einzelfällen möglich“, erklärte das Gesundheitsministerium um Karl-Josef Laumann (CDU) und besserte beim eigenen Erlass nach. Der Mindestabstand von vier Wochen, der im Impferlass vom 13. Dezember 2021 thematisiert wurde, „stellt demnach ausdrücklich keine Empfehlung, sondern eine absolute Untergrenze für Einzelfallentscheidungen dar“.

Corona: NRW rudert bei Booster-Impfung zurück

Die Kommunen in NRW hatten den Erlass noch ganz anders interpretiert, wie die Rheinische Post berichtet. Verbände von Ärzt:innen und Immunolog:innen übten scharfe Kritik am Ministerium und vermeintlichen Alleingang des bevölkerungsreichsten Bundeslandes. Eine Booster-Impfung nach lediglich vier Wochen sei bei den allermeisten Menschen überhaupt nicht zielführend.

Der neue Ministerpräsident Hendrik Wüst, ebenfalls von der CDU, hatte den umstrittenen Erlass von Laumann zunächst noch verteidigt – und selbst bestätigt, dass Booster-Impfungen nach vier Wochen grundsätzlich möglich seien. Das sei allerdings nicht als Empfehlung zu verstehen gewesen. Nur wenn medizinische Gründe eine frühe Auffrischungsimpfung nötig machen, soll man sich bereits nach vier Wochen boostern können. Ist ein Mindestabstand von vier Monaten erreicht, sind impfwillige Personen zudem „nicht zurückzuweisen“, zitiert der WDR aus dem überarbeiteten Erlass.

Chaos um die Booster-Impfung in NRW: Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) übernimmt die Verantwortung. (Archivfoto)

Kritik gab es auch von der Opposition im Landtag von NRW. Thomas Kutschaty, Fraktionsvorsitzender der SPD, sprach wegen des Hin und Hers bei den Booster-Impfungen von einem „kommunikativen Desaster“. Er befürchtete „Vordrängler“, „Ellenbogen“ und einen „Run auf Impfeinrichtungen und Ärzte“. Sich gegen Corona boostern zu lassen, wenn es medizinisch nicht notwendig ist, sei im Übrigen nicht angebracht.

Booster-Impfung nach vier Wochen nicht sinnvoll: NRW korrigiert Corona-Erlass

Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie erklärte, dass bestimmte immunologische Prozesse vier Wochen nach der Zweitimpfung noch nicht abgeschlossen seien. Eine Auffrischungsimpfung zu diesem Zeitpunkt sei daher nicht sinnvoll. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission, manche Menschen schon nach vier Wochen zu boostern, beziehe sich nur auf Menschen mit einem geschwächtem Immunsystem, die auf die ersten beiden Impfungen nicht oder nur kaum reagiert hätten, sagte Generalsekretär Carsten Watzl der Deutschen Presse-Agentur.

„Hier ist ganz schlicht und ergreifend im Erlass ein Fehler passiert“, erklärte Laumann die Verwirrung am Mittwoch (15.12.2021) in einer Fragestunde im Düsseldorfer Landtag. Er trage die politische Verantwortung dafür. Man habe eine „pragmatische Lösung“ anbieten wollen, „die leider missverständlich war“. Zur Bekämpfung der Omikron-Variante des Coronavirus sei man „sehr daran interessiert, dass sich viele Menschen so schnell boostern lassen, wie dieses nach den aktuellen Erkenntnissen sinnvoll ist“.

Corona-Impfstoff laut Karl Lauterbach knapp – NRW-Gesundheitsminister gelassen

Zugleich sorgten Warnungen aus Berlin für Ärger. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte am Dienstag infolge einer Inventur mitgeteilt, dass Deutschland zu wenig Corona-Impfstoff habe. „Das hat viele überrascht, mich auch“, sagte er in den Tagesthemen der ARD. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) reagierte entsetzt auf Lauterbachs Äußerungen: „Wir haben in Deutschland gerade ein Rekordtempo beim Impfen in den Praxen erreicht. Diese Nachricht, dass wir einen Impfstoffmangel haben, ist ein fatales Signal an alle, die gerade mit vollem Einsatz diese Pandemie bekämpfen“, sagte KBV-Chef Andreas Gassen.

Karl-Josef Laumann sieht die Sache von Düsseldorf aus hingegen gelassen. „In Nordrhein-Westfalen haben wir auf jeden Fall in dem absehbaren Zeitraum Impfstoff da. Die Hausarztpraxen sind sehr gut beliefert worden“, sagte er im WDR. Zudem sei er davon überzeugt, dass der Bund schnell zusätzlichen Corona-Impfstoff kaufen könne. Die Impfkampagne dürfe nun nicht ins Stocken geraten. „Am Ende des Tages ist der Bund für die Impfstoffbeschaffung zuständig“, stellte Laumann klar. Lauterbach hatte bereits in einer Schalte mit den Gesundheitsminister:innen der Länder gesagt, dass er sich in sehr guten Gesprächen mit Biontech und Moderna befinde. (lrg)

Rubriklistenbild: © Noah Wedel/Imago

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