Corona-Krise

Steuerfreie Corona-Sonder­zah­lun­gen: Wen die neue Regelung betrifft

  • Luisa Ebbrecht
    vonLuisa Ebbrecht
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Ab jetzt sollen Corona-Bonuszahlungen steuerfrei gezahlt werden können. Aber wen betrifft die neue Regelung und was gibt es für Einschränkungen?

  • Mit Sonderzahlungen soll Mitarbeitern in der Corona-Krise gedankt werden.
  • Bis zu einem Betrag von 1.500 Euro sind die Beträge steuer- und sozialversicherungsfrei.
  • Es gibt allerdings einige Einschränkungen bei den Bonuszahlungen.

Berlin - Überfüllte Intensivstationen wie in Italien oder England gab es in Deutschland bisher glücklicherweise nicht, doch die Zahl der intensivmedizinisch behandelten Patient:innen mit Covid-19 nimmt erneut zu. Die Pflegekräfte in Deutschland sind aufgrund der Corona-Pandemie zunehmend ausgelastet. Auch die Angestellten im Einzelhandel haben durch Hamsterkäufe und Hygiene-Vorschriften alle Hände voll zu tun.

Zu Beginn der Corona-Krise wurden diese Berufsgruppen noch von den Balkonen beklatscht. Viele Firmen wollen ihren Angestellten nun durch finanzielle Hilfe Anerkennung zollen. Zuletzt hatte auch Gesundheitsminister Jens Spahn eine Corona-Sonderzahlung für Pflegekräfte angekündigt. Zudem soll es einen Corona-Bonus für Soldaten und Beamte geben. Damit diese Sonderzahlungen steuerfrei erfolgen können, hat das Bundesfinanzministerium neue Regelungen für 2020 beschlossen.

Scholz: Balkon-Beifall als Dank für die schwere Arbeit in der Corona-Krise reiche nicht aus

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) stellt klar, dass der Balkon-Beifall als Dank für die schwere Arbeit nicht ausreicht: „100-prozentigen Einsatz in dieser Zeit wollen wir 100-prozentig belohnen.“ Laut Angaben des Finanzministeriums können Arbeitgeber:innen ihren Beschäftigten nun Beihilfen und Sonderzahlungen bis zu einem Betrag von 1.500 Euro steuerfrei und sozialversicherungsfrei auszahlen. Ebenfalls können Sachleistungen, wie beispielsweise Einkaufsgutscheine, gewährt werden.

Erfasst werden alle Bonusleistungen, die die Beschäftigten zwischen dem 01.03.2020 und dem 31.12.2020 erhalten haben beziehungsweise noch erhalten werden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Beihilfen und Unterstützungen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden. Die steuerfreien Leistungen sind im Lohnkonto aufzuzeichnen. Andere Steuerbefreiungen und Bewertungserleichterungen bleiben von dieser Regelung unberührt. Auch in der Sozialversicherung bleiben die Beihilfen und Unterstützungen beitragsfrei.

An wen werden die steuerfreien Corona-Sonderzahlungen gezahlt?

Die Sonderzahlungen können an Mitarbeiter:innen aller Branchen gezahlt werden. Steuerfrei ist dabei eine Sonderzahlung von bis zu 1500 Euro pro Arbeitnehmer, Teilzahlungen sind möglich. Wichtig ist, dass es sich dabei nicht um eine Umwandlung von Gehalt oder bereits vertraglich vereinbarten Provisionen handelt, dies sollte nachprüfbar dokumentiert werden. Einmalzahlungen wie Urlaubsgeld oder Überstundenzuschläge sind ebenfalls nicht betroffen.

Anwendbar ist die Regelung für alle Mitarbeiter:innen. Egal ob diese in Vollzeit, Teilzeit oder nur befristet oder kurzfristig in dem Unternehmen beschäftigt sind. So gilt die Regelung für Sonderzahlungen wegen Corona auch für Minijobber:innen. Bis zu einem Gesamtbetrag von 1500 Euro kann der Bonus ausgezahlt werden. Auch hier ist die Aushändigung von Gutscheinen möglich. Die 450-Euro-Regel pro Monat wird mit dieser Sonderzahlung nicht überschritten, die Zahlung ist somit zusätzlich möglich. Allerdings muss auch hier die Bonuszahlung zusätzlich zum Verdienst gezahlt werden.

Die Politik hat einen steuerfreien Corona-Bonus beschlossen. (Symbolfoto)

Die Praxis sieht anders aus: Corona-Sonderzahlung für viele nur ein Traum

So weit in der Theorie - die Praxis der Corona-Sonderzahlungen sieht allerdings anders aus. Schon im Laufe des Jahres hatten Pflegekräfte aufgrund einer besonderen Belastung durch das Virus eine solche Sonderleistung erhalten. Beschäftigte in Kliniken gingen bislang leer aus. Jetzt stellen auch die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) 100 Millionen Euro bereit, um einmalige Prämien für bis zu 100.000 Klinik-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu zahlen. Das teilten der GKV-Spitzenverband und die Deutsche Krankenhausgesellschaft mit.

Nach Angaben von Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler, werde die Lösung viele Beschäftigte unzufrieden machen. Durch die 100 Millionen Euro solle nur ein kleiner Teil der 440.000 Pflegekräfte in Krankenhäusern vom Corona-Bonus profitieren - und das auch nur in bestimmten Kliniken. „Ausgerechnet bei der Anerkennung der Leistungen in der Pandemie zeigen sich Kliniken und Krankenkassen knauserig. Das ist beschämend.

Ebenfalls müsse Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dafür sorgen, dass auch der Einsatz anderer Beschäftigter honoriert werde, sagte sie im Hinblick auf Reinigungskräfte und Labor-Angestellte. Auch für Beschäftigte aus anderen Branchen wie dem Einzelhandel sind Corona-Sonderzahlungen nicht in Sicht. Es bleibt also abzuwarten, für wie viele Beschäftigte die steuerfreie Bonuszahlung überhaupt ein Thema wird. (Luisa Ebbrecht)

Rubriklistenbild: © Monika Skolimowska/dpa

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