1. Startseite
  2. Politik

Milliardengewinne durch Corona-Impfstoff: Kritik an „Pandemie-Gewinnwirtschaft“ von Biontech/Pfizer

Erstellt:

Von: Karolin Schäfer

Kommentare

Der US-Konzern Pfizer wird aufgrund des enormen Profits mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty kritisiert. (Symbolbild)
Der US-Konzern Pfizer wird aufgrund des enormen Profits mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty kritisiert. (Symbolbild) © Josefiel Rivera/imago

Aufgrund der milliardenschweren Gewinne steht der Pfizer-Konzern in der Kritik. Für Menschen in ärmeren Ländern bleibe kaum Corona-Impfstoff übrig.

Frankfurt – In der Corona-Pandemie kommen den in Rekordzeit entwickelten Impfstoffen eine entscheidende Bedeutung zu. Darunter auch dem Präparat von Biontech/Pfizer.

Allerdings stehen die Hersteller des Ende Dezember 2020 zugelassenen mRNA-Impfstoffs in der Kritik. Allein Pfizer erzielte im vergangenen Jahr 37 Milliarden US-Dollar mit seinem Covid-19-Impfstoff. Das berichtete die britische Tageszeitung The Guardian. Das macht den Impfstoff zu einem besonders lukrativen Produkt. Im Jahr 2021 erzielte der Konzern insgesamt 81,3 Milliarden US-Dollar.

Pfizer
SitzNew York City (USA)
LeitungAlbert Bourla
Gründung1849

Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer: Aktivist:innen kritisieren US-Konzern

Auch für das Jahr 2022 wurden laut The Gurardian Rekordumsätze in Höhe von 98 bis 102 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Davon würde Comirnaty allein 32 Milliarden US-Dollar beitragen. Dahinter steckt unter anderem auch das erst kürzlich von der EU-Arzneimittelbehörde zugelassene Corona-Medikament Paxlovid. Wie gut die Medikamente auch gegen die Omikron-Variante schützen, zeigen aktuelle Studien.

Die Milliarden-Gewinne sorgten allerdings für Anschuldigen von zahlreichen Aktivist:innen. Die Corona-Krise sei für Pfizer eine „Pandemie-Gewinnwirtschaft“. Global Justice Now zufolge – eine Gruppe, die sich für globale Gerechtigkeit einsetzt – sei der Jahresumsatz von 81 Milliarden Dollar höher als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der meisten Länder. Die Aktivist:innen werfen dem Konzern vor, „die öffentlichen Gesundheitssysteme abzuzocken“.

„Konzerne wie Pfizer hätten niemals mit der weltweiten Einführung von Impfungen betraut werden dürfen“, mahnte Nick Dearden, Leiter der Organisation Global Justice Now, im Interview mit The Guardian. Der Pharmakonzern treffe „Entscheidungen über Leben und Tod auf der Grundlage der kurzfristigen Interessen ihrer Aktionäre“, so Dearden weiter.

Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer: Vorsitzender des US-Konzerns nimmt Stellung

Albert Bourla, Vorsitzender und Geschäftsführer von Pfizer, erklärte im Gespräch mit The Guardian, dass sich das Unternehmen zu Beginn der Corona-Pandemie „verpflichtet habe, alle uns zur Verfügung stehenden Ressourcen und Fachkenntnisse einzusetzen, um die Bevölkerung weltweit vor diesem tödlichen Virus zu schützen“. Weniger als zwei Jahre später hatte der Konzern „sowohl den ersten von der FDA zugelassenen Impfstoff gegen Covid-19 (mit unserem Partner Biontech) als auch die erste von der FDA zugelassene orale Behandlung für Covid geliefert“, so Bourla. Diese Erfolge hätte nicht nur die Welt positiv verändert, sondern dem Pfizer-Chef zufolge auch das Unternehmen selbst.

Aktivist:innen fordern vor allem eine faire Verteilung der Corona-Impfstoffe. So setzte sich die Initiative Covid-19 Vaccines Global Access (Covax) für einen weltweit gleichmäßigen und gerechten Zugang zu den Impfstoffen ein. Denn: Pharmaunternehmen wird vorgeworfen, ihr „Rezept“ für die Impfstoffherstellung nicht zu teilen. So haben sich vor allem reiche Länder wie Deutschland viele Dosen gesichert. Für Menschen in ärmeren Ländern bleibt dagegen kaum etwas übrig. Die US-amerikanische Duke University geht in einer Studie etwa davon aus, dass es sogar bis ins Jahr 2024  dauern könnte, bis die Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern ausreichend geimpft sind.

Corona-Pandemie: Aktivist:innen formulieren schweren Vorwurf gegenüber Pfizer

Global Justice Now wies darauf hin, dass die Entwicklung des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer von der Europäischen Investitionsbank mit 100 Millionen Euro sowie von der deutschen Regierung mit 375 Millionen Euro bezuschusst wurde. „Wir haben Pfizer diese wichtige medizinische Innovation einem Großteil der Welt vorenthalten lassen, während wir gleichzeitig die öffentlichen Gesundheitssysteme mit einem atemberaubenden Preisaufschlag über den Tisch gezogen haben“, kritisierte Tim Bierley, Aktivist der Gruppe. Damit deutete Bierley an, dass Pfizer offenbar Impfdosen mit einem hohen Preisaufschlag etwa in afrikanische Länder verkauft hat, während die Herstellungskosten deutlich darunter lagen.

„Länder mit hohem und mittlerem Einkommen zahlen mehr als Länder mit niedrigem Einkommen“, reagierte der US-Konzern auf den Vorwurf. „Covid-Impfstoffe sind komplexe biologische Produkte und ihre Herstellung erfordert spezielle Erfahrung, Fachwissen und Ausrüstung“, so der Konzern weiter. Es sei nicht so einfach, das „Rezept“ zu teilen. Das US-amerikanische Unternehmen Moderna hingegen habe laut The Guardian angekündigt, keinen Patentschutz für seinen Covid-19-Impfstoff durchzusetzen.

Im vergangenen Jahr haben Biontech und Pfizer nach eigenen Angaben weltweit etwa drei Milliarden Impfdosen produziert. Für Dezember 2021 wurde der Marktanteil auf 80 Prozent in Europa und 74 Prozent in den USA geschätzt. Der Mainzer Konzern Biontech rechnet für das Jahr 2022 mit einem Umsatz von 13 bis 17 Milliarden Euro – allein durch den Corona-Impfstoff. (kas)

Auch interessant

Kommentare