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Bill Gates über Kampf gegen Corona-Pandemie: „Wem wollen wir etwas vormachen?“

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Von: Nail Akkoyun

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Bill Gates spricht bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2022.
Bill Gates spricht bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2022. © Sven Hoppe/dpa

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz äußert sich Bill Gates zu Corona und der Vorbereitung auf künftige Pandemien.

München – Geht es nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO), soll bis Mitte des Jahres 70 Prozent der Weltbevölkerung gegen Corona geimpft sein. Ein probates Mittel gegen Covid-19, in den Augen von Bill Gates aber zu kurz gedacht. Denn wie der Unternehmer auf einer Podiumsdiskussion der Münchner Sicherheitskonferenz erklärte, sei es dafür bereits zu spät.

„Wir werden niemals 70 Prozent erreichen. Wem wollen wir hier etwas vormachen? Wir leben in einer Welt, in der es Länder gibt, die jährlich 12.000 Dollar pro Person für Medikamente ausgeben, und Länder, die jährlich 200 Dollar pro Person ausgeben“, sagte Gates, dessen Stiftung seit Jahren erfolgreiche Polio-Impfkampagnen durchführt. „Wenn man das 200-Dollar-Spiel pro Person spielt, kann man nur Dinge tun, die große Auswirkungen haben.“

Kampf gegen Corona-Pandemie: Anpassung auf verschiedene Bedürfnisse laut Bill Gates nötig

Aufgrund von Fehlinformationen haben sich Bill Gates zufolge viele Menschen erst spät oder gar nicht für eine Corona-Impfung entschieden, daher habe „die Omikron-Variante die Welt schneller erreicht als die Impfstoffe.“ Dabei stelle auch die Optimierung der Impfstoffverteilung ein Problem dar. Die Initiative Covax, die sich der weltweiten Distribution von Covid-19-Vakzinen widmet, hat nach wie vor Schwierigkeiten, die Mittel schnell zu verteilen – insbesondere in Ländern mit geringen Einkommen und schwachen Gesundheitssystemen.

Die Verteilung müsse sich an die Präferenzen der Länder anpassen, erklärte Gates im Gespräch mit der US-amerikanischen Zeitung Politico. So sei es möglich, dass einige der Länder mit sehr niedrigen Impfquoten eventuell nur besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen impfen wollen. „Es liegt an den Ländern. Was will Äthiopien? Was will Nigeria? Wenn es eine Covid-Impfung gibt, ist der wirkliche Nutzen dort, wo man pro gerettetem Leben einen anständigen Dollar pro Jahr bekommen kann“, sagte der Milliardär. „Das sind die Menschen, die alt sind oder andere Krankheiten haben, die ernsthaft gefährdet sind.“

Weiter, so Gates, sei die Stärkung der Gesundheitssystem in ärmeren Ländern der Schlüssel für einen erfolgreichen Kampf gegen Pandemien. Es brauche mehr geschulte Impfärzt:innen und mehr Ressourcen, um zögerliche Impfkampagnen voranzubringen.

Stiftung von Bill Gates und Ex-Frau: Milliarden von Dollar fließen in die Corona-Forschung

Die Gates-Stiftung ist einer der größten Geldgeber im Kampf gegen Covid-19. Mehrere Milliarden von Dollar soll sie bereits für die Verteilung von Impfstoffen sowie für diagnostische und therapeutische Maßnahmen bereitgestellt haben. Darüber hinaus hatte die im Jahr 2000 von Bill Gates und Ex-Frau Melinda gegründete Stiftung circa 120 Millionen Dollar für regionale Corona-Maßnahmen in Afrika und in Südasien gespendet.

Doch jetzt, wo die Omikron-Fälle weltweit zurückgehen und immer mehr Impfstoffe zur Verfügung stehen, besteht die Möglichkeit, sich umfassender mit Themen wie Impfstoffverteilung und künftigen Reaktionen im Falle einer neuen Pandemie zu beschäftigen. Dutzende von führenden Vertreter:innen des globalen Gesundheitswesens sprachen darüber auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

Was kommt nach Corona? Bill Gates berichtet von Impfung ganz ohne Nadel

„Im Jahr 2015 haben viele Menschen darüber gesprochen, was nötig wäre, um eine Pandemie zu stoppen. Die Formel hat sich nicht geändert“, sagte Gates. „Wir müssen die globale Überwachung finanzieren, um den nächsten Erreger frühzeitig zu erkennen. Wir müssen die Forschung und Entwicklung für bessere Diagnostika [und] Therapeutika finanzieren. In Anbetracht der Todesfälle, des wirtschaftlichen Schadens und allerlei anderer negativer Dinge, die diese Pandemie mit sich gebracht hat, sind die Kosten für die Finanzierung der neuen Instrumente ... fast umsonst.“

Eine dieser „besseren“ Methode könnte eines Tages sein, für eine Immunisierung keine Spritzen mehr nutzen zu müssen. Vielleicht könnte man „die erste Dosis als Mikropflaster und die zweite Dosis als Inhalation“ einnehmen, sagte Bill Gates. Daran werde derzeit geforscht. „Denn um eine Infektion zu blockieren, braucht man sekretorische Antikörper in der Nase. Und das haben wir noch nie gut hinbekommen“, so der Microsoft-Gründer. Dies sei „teilweise“ der Grund, warum aktuelle Impfstoffe Corona-Infektionen nicht blockieren.

Sollten Infektionen künftig gänzlich blockiert werden können, „könnte man sogar über eine Ausrottung“ des Virus nachdenken, erklärte Gates. „Aber davon sind wir noch weit entfernt.“ Bis dahin bereitet sich die Welt weiter auf künftige Pandemien vor und versucht, nötige Prozesse zu optimieren. Bill Gates selbst plant im Mai, ein Buch über Pandemievorsorge zu veröffentlichen. (nak)

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