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Winfried Stöcker
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Winfried Stöcker: Mediziner, Flughafen-Geschäftsführer, Merkel-Kritiker.

Pandemie

Mediziner erforscht Corona-Antigen: Virologe warnt vor Folgeschäden

  • Tobias Utz
    VonTobias Utz
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  • Mirko Schmid
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Der Mediziner Winfried Stöcker entwickelt ein Antigen für das Coronavirus. Er testet es ohne Genehmigung. Die Kritik aus der Fachwelt kommt geballt.

  • Ein Mediziner aus Norddeutschland hat ein Corona-Antigen* entwickelt und erforscht.
  • Damit konfrontierte er offenbar die Virologen Christian Drosten und Hendrik Streeck.
  • Doch nun droht ihm ein juristisches Nachspiel.

Update vom Dienstag, 09.03.2021, 16:00 Uhr: Während sich Pharmahersteller bei der Entwicklung ihrer Corona-Vakzine durch aufwendige präklinische Testphasen arbeiten, bevor es zu einer Zulassung für eine Studie am Menschen kommen kann, testete Winfried Stöcker sein Antigen ohne die nötige Genehmigung durch das in Deutschland zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI). So jedenfalls die Einschätzung von Professor Johannes Friedemann Weber, dem Leiter des Instituts für Virologie an der Universität Gießen.

Professor Weber sagt gegenüber „Focus Online“: „Der größte Teil der Impfstoffforschung ist Sicherheitsforschung“. Dies sei nötig, damit eventuelle unerwünschte Nebenwirkungen entdeckt werden könnten“ Die Arbeit Stöckers sieht der Virologe deshalb sehr kritisch. Auf die gängigen und unverzichtbaren Vortests zur Toxizität eines Stoffes, wie sie beispielsweise im Rahmen von Tierversuchen durchgeführt werden, sei einfach verzichtet worden.

„Erst nach solchen Untersuchungen ist eine von den Zulassungsbehörden eng begleitete klinische Phase-1-Studie für eine Impfstoffzulassung überhaupt möglich. Mögliche Folgeschäden für den Menschen sind bei Herrn Stöckers Vorgehen überhaupt nicht abzuschätzen.“ Natürlich, so Friedemann Weber, könne das Antigen wirksam sein. Doch die Arbeitsmethoden Stöckers ordnet er als „unzulässige Menschenversuche“ ein.

Corona-Antigen von Winfried Stöcker in der Kritik: „Schlicht Quacksalberei und Körperverletzung“

Update von Sonntag, 07.03.2021, 16:30 Uhr: Winfried Stöcker steht aufgrund illegaler Versuche mit einem selbst hergestellten Corona-Antigen in der Kritik. Der Mediziner, der in der Vergangenheit damit aufgefallen war, geschlechtsneutrale Bezeichnungen zu verteufeln, den in rechten Kreisen beliebten Ausdruck „Klimahysterie“ zu verteidigen sowie einen „Aufruf zum Sturz von Angela Merkel“ ob der Geflüchtetenpolitik der Kanzlerin zu veröffentlichen, sieht sich als Opfer einer juristischen Kampagne gegen ihn – und sein Werk.

Der Forscher entwickelte ein Antigen und erforschte es. Der Staat zeigte ihn dafür an. (Archivfoto)

Winfried Stöcker, der aus der FDP ausgetreten ist und der AfD „heute in vielen Sachfragen die besten Argumente“ bescheinigt, behauptet, auf sein selbst hergestelltes und wirksames Corona-Antigen von Virologen wie Christian Drosten und Hedrik Streeck positive Reaktionen erhalten zu haben. Weder Drosten noch Streeck wollten dies bislang bestätigen. Stattdessen kritisieren nun Fachleute wie der Verschwörungstheorien-Kritiker Holm Gero Hümmler und Petra Falb, Gutachterin in der Zulassung für Impfstoffe, den Lübecker Mediziner.

Corona-Antigen von Winfried Stöcker – Experte: „schlicht Quacksalberei und Körperverletzung“

Petra Falb schreibt beispielsweise auf ihrem Blog: „Hier wird die gesetzwidrige Verabreichung eines völlig ungeprüften, potenziell verunreinigten Produktes bejubelt.“ Winfried Stöcker habe jede Möglichkeit gehabt, sein Antigen auf medizinisch übliche Weise testen zu lassen, so Falb: „Niemand hat ihn, wie im Bericht erwähnt, ‚ausgebremst‘.“ Damit bezieht sie sich auf die Bericherstattung des Nachrichtenmagazins „Spiegel“.

Die Virologin kommt zu dem Schluss: „Er hätte sich lediglich einen Partner suchen müssen, der Erfahrung im Zulassungsbereich und entsprechende Produktionskapazitäten hat und hätte damit den gleichen Pfad beschreiten können wie alle anderen. Wer aber das Pferd von hinten aufzäumt, wird zu Recht in die Schranken gewiesen, vor allem bei einem derart groben Gesetzesverstoß, der Menschenleben gefährden kann.“

Holm Gero Hümmler pflichtet Petra Falb auf seinem Blog bei: „Wenn man bis dahin das Stöcker-Zeugs außerhalb einer genehmigten, medizinisch überwachten Studie irgendwem spritzt, dann ist das keine Impfung, sondern schlicht Quacksalberei und Körperverletzung.“ Zudem bezeichnet er Stöcker als „Selbstdarsteller“, der die Öffentlichkeit und die Medien in den vergangenen Monaten an der Nase herumgeführt habe.

Mediziner erforscht Corona-Antigen – und bekommt Probleme mit der Justiz

Erstmeldung von Samstag, 06.03.2021, 14:36 Uhr: Frankfurt/Lübeck – Ein Forscher aus Schleswig-Holstein hat offenbar ein Antigen gegen das Coronavirus entwickelt, das eine hohe Wirksamkeit aufweisen soll. Winfried Stöcker heißt der Mediziner. Er behauptet sein Antigen bereits an Freiwilligen getestet zu haben.

Bei 97 Prozent der Testpersonen habe er Antikörper festgestellt, so Stöcker. Das berichtet der „Spiegel“. Laut Stöcker habe seine Entwicklung zahlreiche Vorteile. Das Antigen könne im Kühlschrank gelagert werden, sei schnell lieferbar und müsse im Vergleich zu mRNA-Vakzinen, wie der Impfstoff von Biontech/Pfizer, nicht körpereigen gebildet werden. Zudem sei es im Kampf gegen Corona-Mutante geeignet: „Diesen Teil kann man jetzt auch noch ein kleines bisschen modifizieren, um die Mutanten mitzuerfassen“, so Stöcker gegenüber dem „Spiegel“.

Corona-Forscher entwickelt Antigen – und wird vom Staat angezeigt

Nachdem der Mediziner das Antigen entwickelt hatte, schickte er Informationen zu seinem Wirkstoff an die Charité in Berlin – Adressat: Christian Drosten. Der bekannte Virologe antwortete rasch – und bestätigte die Wirkung des Mittels. Er könne den Selbstversuch gut nachvollziehen, habe jedoch Bedenken bezüglich der Qualitätskriterien bei der Massenproduktion. „Ich habe Serum von mir hingeschickt und bei Untersuchungen hat man herausgefunden, dass der von mir gebildete Antikörper in der Lage ist, das Virus zu neutralisieren“, so Stöcker im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin. Neben Drosten habe auch ein Test von Virologe Hendrik Streeck ein positives Ergebnis gezeigt, so der Mediziner weiter.

Anschließend schickte Stöcker offenbar sein Anliegen samt Proben an das Paul-Ehrlich-Institut. Das PEI ist in Deutschland dafür zuständig, Impfstoffe zuzulassen. Doch statt weiterer Fachmeinungen erhielt Stöcker eine Anzeige. Das Institut meldete Stöckers Vorgehen dem Landesamt für Soziale Dienste von Schleswig-Holstein. Das Landesamt selbst hatte offenbar ebenfalls Anzeige erstattet. „Eile“ sei geboten, „da nicht ausgeschlossen werden kann, dass weitere Herstellungen und Impfungen, die evtl. die Gesundheit der Probanden schwer gefährden können, durchgeführt werden“, berichtet der „Spiegel“. Das Zitat stammt demnach aus der Anzeige des Landesamtes.

Mediziner Winfried Stöcker (r.) mit seiner Ehefrau. (Archivfoto)

Stöcker will sich juristisch dagegen wehren. Der Rechtsanwalt und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) vertritt den Mediziner in diesem Fall. Seitens der Staatsanwaltschaft Lübeck heißt es laut Angaben des „Spiegel“: „Er soll ohne die erforderliche Erlaubnis ein Sars-CoV-2-Antigen* hergestellt und in der Folgezeit sich selbst und anderen Personen verabreicht haben, ohne dass er über die dafür erforderlichen Genehmigungen verfügte.“

Wie der Fall ausgeht, ist derweil völlig offen.* Abseits des juristischen Verfahrens hofft Mediziner Stöcker, dass nun Pharmakonzerne sein Konzept aufgreifen. (Tobias Utz, Mirko Schmid) *fr.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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