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Corona-Pandemie

Virologe Streeck überrascht erneut – und verteidigt #allesdichtmachen

#allesdichtmachen spaltet die Nation. Ein Intensivpfleger äußert Kritik, die AfD applaudiert – und Virologe Streeck ergreift das Wort.

Update vom Dienstag, 27.04.2021, 09.15 Uhr: Der Virologe Hendrik Streeck hat sich zu der umstrittenen Video-Aktion von mehr als 50 Schauspieler:innen geäußert. Unter dem Hashtag #allesdichtmachen hatten die Kulturschaffenden die Corona-Politik der Bundesregierung kritisiert und damit für große Aufrregung gesorgt.

 „In meinen Augen hat die Politik es nicht geschafft, alle Menschen mitzunehmen“, äußerte sich Streeck nun in einem Facebook-Video für „Alarmstufe Rot – Initiativen & Verbände der Veranstaltungswirtschaft“. Und weiter hieße es auf der einen Seite „Rechtsradikale oder AfD-Unterstützer. Und auf der anderen Seite haben ja die Schauspieler, die das gemacht haben, auch einen Punkt. Sie sagen ja auch mit den vielleicht etwas zynischen Aussagen etwas zu ihrer Situation.“

Corona in Deutschland: Virologe Streeck stellt sich hinter #allesdichtmachen

Viele Bevölkerungsgruppen fühlten sich von der Politik nicht wahrgenommen, in der Politik sehe er momentan niemanden, der die Menschen zusammenbringe, so Virologe Streeck.  

Virologe Hendrik Streeck auf dem Podium bei einer Diskussion. (Archivfoto)

#allesdichtmachen: „Was ist mit diesen Leuten los?“ - Heftige Kritik von Intensivpfleger

Update von Sonntag, 25. 04.2021, 9.05 Uhr: Die Aktion #allesdichtmachen sorgt weiter für Kritik. Diesmal formuliert sie ein Intensivpfleger auf einer Covid-19 Station. „Was ist mit diesen Leuten los? Haben diese Privilegierten nicht mitbekommen, was in der Welt passiert?“ fragt Ricardo Lange aus Berlin in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel.

Besonders stört sich der Intensivpfleger auch an der Reaktion von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der den teilnehmenden Schauspieler:innen ein Gesprächsangebot gemacht hatte. Man müsse also nur „prominent sein und schreien“, um die Aufmerksamkeit der Bundesregierung zu bekommen, so Lange.

Die Videoclips von #allesdichtmachen sorgen in Deutschland weiter für Furore

Die Reaktionen auf die Aktion #allesdichtmachen fallen nach wie vor eher negativ aus. Applaus bekamen die Schauspieler:innen vor allem von der AfD, Kritik kam von zahlreichen Journalist:innen. Armin Laschet und Spahn äußerten dagegen Verständnis für die Kritik.

#allesdichtmachen: Günther Jauch verteidigt Aktion

+++ 15.45 Uhr: Trotz der Kritik auf die Aktion #allesdichtmachen nimmt TV-Moderator Günther Jauch die prominenten Teilnehmer:innen wie Jan Josef Liefers, Ulrich Tukur, Nadja Uhl oder Ulrike Folkerts gegen Anfeindungen in Schutz. Er glaube nicht, dass man sich Querdenker:innen und Coronaleugner:innen anbiedern wolle, sagte Jauch der „Jüdischen Allgemeinen“ am Freitag (23.04.2021). „Ich kann mir das nicht vorstellen. Einige der Künstler kenne ich seit Langem persönlich. Die sind jetzt todunglücklich über die Instrumentalisierung durch Coronaleugner und die AfD“, so Jauch.

Pasquale AleardiTina Maria AignerJosé BarrosGianna Valentina BauerPeri Baumeister
Meret BeckerMartin BrambachVolker BruchDietrich BrüggemannJörg Bundschuh
Joseph BundschuhSamia DauenhauerNadine DuboisRoland DüringerKen Duken
Christian EhrichWerner EngUlrike FolkertsInka FriedrichMarkus Gläser
Bernd GnannCem Ali GültekinNina GummichFelix KlareKea Könneker
Vicky KriepsJan Josef LiefersHeike MakatschAlexandra MarinescuMaxim Mehmet
Thorsten MertenWotan Wilke MöhringBen MünchowRichy MüllerNicholas Ofczarek
Kathrin OsterodeJeana ParaschivaNina ProllTrystan PütterClaudia Rippe
Manuel RubeyKatharina SchlothauerChristine SommerMiriam SteinKaroline Teska
Ulrich TukurNadja UhlKostja UllmannJens WawrczeckMonika Anna Wojtyllo
Ramin YazdaniHanns Zischler

„Ein Jan Josef Liefers hat mit der AfD, Reichsbürgern, Verschwörungstheoretikern, Corona-Ignoranten und Aluhüten erklärtermaßen nichts am Hut“, betonte der TV-Star weiter. „Dass die ihm jetzt zujubeln, ist tragisch. Die wollen ihn einfach auch missverstehen.“

Einige der Beteiligten hätten „besonders künstlerisch erscheinen“ wollen, ergänzte Jauch. „Die haben dann in ihren Wortmeldungen zweite und dritte Ebenen eingezogen, die viele nicht verstanden haben. Und wenn dann auch noch der Beifall von der falschen Seite kommt, wird es noch mal schwieriger.“

#allesdichtmachen: Günther Jauch springt Künstler:innen zur Seite

Viele hätten wohl einfach nur auf die verzweifelte Situation von Künstler:innen hinweisen wollen, doch „was die einen vielleicht satirisch meinen, nehmen Teile des Publikums für bare Münze, halten es für zynisch oder kapieren einfach nicht mehr, was eigentlich gemeint ist“, sagte Jauch. Das müssten Künstler:innen aber aushalten. Wenn sie das nicht könnten, müssten sie zurückrudern oder sich erklären.

Günther Jauch ist selbst mit dem Coronavirus infiziert und ist noch immer wegen einer hoher Viruslast in Quarantäne. Auch musste Jauch seine Auftritte als TV-Moderator absagen.

#allesdichtmachen: Jan-Josef Liefers verteidigt Aktion und legt mit Kritik an Regierung nach

Update vom Samstag, den 24.04.2021, 8.00 Uhr: Die Videoclip-Aktion #allesdichtmachen wurde in Deutschland heftig kritisiert. Schauspieler Jan-Josef Liefers (56) hat sich am Freitagabend (23.04.2021) in der Radio Bremen-Talkshow „3nach9“ erneut zu der umstrittenen Aktion geäußert. Darin verteidigte der Schauspieler die Aktion und legte nach: „Es gibt nicht nur auf der Seite der Erkrankten Trauer und Leid, sondern auch auf der Seite derer, die unter diesen Maßnahmen inzwischen nun wirklich anfangen zu leiden, die sehe ich nicht so richtig vertreten.“

Jan-Josef Liefers, Schauspieler und Musiker, verteidigt die Aktion #allesdichtmachen und übt erneut Kritik an der Bundesregierung. (Archivbild)

Liefers kritisierte erneut die Bundesregierung. Für ihn sei in der Corona-Krise nicht ersichtlich, wie Entscheidungen zustande kämen. „Mir fehlt im Moment die Transparenz. Wie kommt eine Bundesregierung nach so vielen im Grunde halben, Viertel, ganzen, Dreiviertel-Lockdowns auf die Idee, es immer wieder zu machen?“

Nachdenklich hat sich Jan-Josef Liefers allerdings über das gewählte Mittel der Kritik geäußert. „Ich finde auch den Punkt interessant, dass vielleicht Ironie wirklich ein ungeeignetes Mittel ist“, so der „Tatort“-Schauspieler.

Jan-Josef Liefers verteidigt die Aktion #allesdichtmachen und fordert Transparenz

„Wenn man dann was sagt, passiert das eben durch so framingartige Situationen, dass man sofort ziemlich radikal in so Ecken gepusht wird, in die man gar nicht reingehört“, sagte Liefers außerdem. Es gebe Menschen, die man gerade verliere, weil es für sie keine Stimme gebe. Liefers war per Video ins Studio zugeschaltet.

In der „Aktuellen Stunde“ des WDR hatte Jan-Josef Liefers zuvor erklärt, aus seiner Sicht kämen in den Medien zu wenig Regierungskritiker zu Wort. „Es gibt weltweit umfassende Studien von Leuten, die ihre Hausaufgaben auch gemacht haben und auch studiert haben, die zum Beispiel über einen Lockdown zu ganz anderen Erkenntnissen kommen als wir.“ Liefers hatte in seinem Video einer Aktion mit 50 Schauspieler:innen unter anderem gesagt: „Schließlich wissen nur ganz wenige Spezialisten, was wirklich gut für uns ist.“

#allesdichtmachen: Website wieder online – „4 Blocks“-Star wettert: „Das ist keine Kunstaktion“

+++ 22.30 Uhr: Der Schauspieler Jan Josef Liefers hat sich bereits von Verschwörungstheorien und der Querdenker-Bewegung distanziert, doch die Aktion #allesdichtmachen verteidigt er weiter: „Das ist eine satirisch gemeinte, ironische und auch überspitzte Protest-Aktion“, so Liefers im Interview mit der WDR-Sendung „Aktuelle Stunde“. Den Vorwurf, dass er mit seinem Video rechte Positionen bediene, ließ er nicht gelten: „Wir haben nichts bedient, wir haben unsere Sache gemacht.“ 

Schauspieler Jan Josef Liefers sagt zu #allesdichtmachen: „Wir haben nichts bedient, wir haben unsere Sache gemacht“. (Archivbild)

#allesdichtmachen: Schauspieler Kida Ramadan: „Wo ist euer fucking Problem?“

+++ 18.43 Uhr: Auch der „4 Blocks“-Schauspieler Kida Ramadan wurde für die Aktion #allesdichtmachen angefragt, berichtet er in einem Video auf Instagram. Er habe „immer ein schlechtes Gefühl“ gehabt und sei „nie richtig aufgeklärt“ worden, weshalb er irgendwann „nicht mehr darauf reagiert“ habe. „Ich bin sehr glücklich, dass ich das Video nicht gemacht habe“, sagt Ramadan in dem Video und findet klare Worte gegenüber seinen Kolleg:innen, die sich an der Aktion beteiligt haben: „Wo ist euer fucking Problem?“ Er habe ein Statement vermisst, als in Hanau Menschen starben oder als Menschen Hilfe brauchten.

„Macht euch genau Gedanken, was ihr da gemacht habt!“, fordert Ramadan und fährt fort: „Es sterben Menschen wegen dieser Krankheit.“ Er mache dieses Video, weil er fast dabei gewesen wäre bei der kritisierten Aktion und weil „ich nicht richtig aufgeklärt wurde“. Kida Ramadan kommt zu dem Schluss: „Das ist keine Kunstaktion“.

#allesdichtmachen: Website wieder online – mit neuem Inhalt

+++ 15.56 Uhr: Inzwischen wurde die Website allesdichtmachen.com womöglich gehackt. Während User:innen zuvor laut RND auf den jeweils eigenen Server umgeleitet worden waren, landen sie nun auf einer öffentlich-rechtlichen Doku-Serie des RBB. In der verlinkten Folge geht es um die Corona-Intensivstation der Berliner Charité. Wer hinter der Aktion steckt oder ob die Betreiber selbst die Umleitung eingerichtet haben, war zunächst unklar.

+++ 15.25 Uhr: Die Website allesdichtmachen.com ist nach weniger als 24 Stunden wieder offline, wie RND berichtet. Am Freitagmorgen hatten diverse Schauspieler wie Nora Tschirner und Christian Ulmen die Bewegung kritisiert, hinter der die Münchner Produktionsfirma Wunder am Werk stecken soll. Nun ist die URL der Website nicht mehr abrufbar, was es nun viel schwieriger macht, den Urheber nachzuverfolgen. Das Youtube-Konto #allesdichtmachen und die entsprechenden Videos der Promis, die satirisch fordern, alle Geschäfte zu schließen, sind noch online.

#allesdichtmachen: Erst Künstler:innen distanzieren sich von der Aktion

+++ 13.10 Uhr: Die ersten Künstler:innen distanzieren sich von der Aktion #allesdichtmachen. So sagte die Schauspielerin Meret Becker am Freitag laut in einem Beitrag auf Instagram, Kunst müsse Fragen stellen können. „Aber diese Aktion ist nach hinten losgegangen.“ Sie werde das Video runternehmen lassen. „Und ich entschuldige mich dafür, dass das falsch verstanden werden konnte.“ Dass die Aktion instrumentalisiert werde von der rechten Seite, sei das Letzte, was sie gewollt habe. „Ich möchte auch nicht mit Aluhütchen oder dergleichen verglichen werden.“ Sie selbst habe vor der Aktion Bedenken geäußert und gezweifelt. Die Kunstfreiheit oder das Infragestellen von Dingen hätten sie dann doch überzeugt mitzumachen. „Jetzt gibt‘s auf die Nase.“

Auch Schauspielkollege Ken Duken schrieb bei Instagram, er distanziere sich von rechtem Gedankengut und rechten Ideologien. Die Gefahr, die von der Corona-Pandemie ausgehe, sei ihm mehr als bewusst. Er habe sich auch nicht über die Opfer oder ihre Angehörigen lustig machen wollen. „Ich befürworte sinnvolle Maßnahmen und eine Impfstrategie. Diese Aktion ist gründlich in die Hose gegangen. Ich entschuldige mich für jegliche Missverständnisse.“

Meret Becker, hier mit Schauspielerkollege Mark Waschke. (Archivbild)

#allesdichtmachen: Jens Spahn zeigt Verständnis und bietet Gespräche an

+++ 12.35 Uhr: Den Künstlern der Internet-Aktion gegen die Corona-Politik der Bundesregierung hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) jetzt ein Angebot gemacht. Er könne sich gut vorstellen, das Gespräch miteinander zu führen, sagte Spahn in Berlin. „Dass es Kritik und Fragen gibt an den Maßnahmen und den Hintergründen, das finde ich nicht nur normal, das finde ich in einer freiheitlichen Demokratie wünschenswert.“

Er habe sich noch nicht selbst alles anschauen können, sagte der Minister. Er fände es aber schade, „wenn der Eindruck da wäre, dass es nicht auch kontroverse, abwägende Diskussionen gibt“. Dies habe im Bundestag stattgefunden. „Es waren ja sehr kontroverse Diskussionen, gesellschaftlich, politisch, in ganz vielen Bereichen.“ Es sei auch nötig, das Vorgehen zu rechtfertigen, zu erläutern und abzuwägen.

Spahn äußerte Verständnis dafür, dass Künstler:innen auf Härten der Krise aufmerksam machten. „Man ist Schauspieler geworden, weil man es liebt, weil man es gerne macht.“ Er könne gut verstehen, dass es wehtue, dies über Monate nicht ausüben zu können. Zugleich sei die Pandemie etwas, das sich alle nicht ausgesucht hätten.

#allesdichtmachen: Corona-Videos sorgen für Kritik, Maaßen klatscht Beifall

Update, 07.45 Uhr: Mit ihrer Kritik an der Corona-Politik unter dem Hashtag #allesdichtmachen haben Dutzende prominente Schauspieler Zustimmung, aber auch viel Kritik erfahren. Als einer der Beteiligten distanzierte sich „Tatort“-Star Jan Josef Liefers nun klar von Verschwörungstheorien und der Querdenker-Bewegung. „Eine da hinein orakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern u.ä. weise ich glasklar zurück“, schrieb der 56-Jährige auf Twitter. „Es gibt im aktuellen Spektrum des Bundestages auch keine Partei, der ich ferner stehe als der AfD. Weil wir gerade dabei sind, das gilt auch für Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Corona-Ignoranten und Aluhüte. Punkt.“

#allesdichtmachen: Künstler:innen sorgen mit Corona-Videos für Aufsehen

Erstmeldung vom Freitag, 23.04.2021: Berlin – Rund 50 prominente Film- und Fernsehschauspieler:innen sorgen mit einer großangelegten Internetaktion unter dem Motto #allesdichtmachen für Aufsehen. Künstler:innen wie Ulrich Tukur, Volker Bruch, Meret Becker, Ulrike Folkerts, Richy Müller, Heike Makatsch, Jan Josef Liefers und viele weitere verbreiteten am Donnerstag bei Instagram und auf der Videoplattform Youtube gleichzeitig ironisch-satirische Clips mit persönlichen Statements zur Corona-Politik der Bundesregierung. Andere prominente Schauspielkollegen reagierten entsetzt.

Wie die Aktion koordiniert wurde, war zunächst nicht bekannt. Die Hashtags #allesdichtmachen, #niewiederaufmachen und #lockdownfürimmer wurden am Abend binnen kurzer Zeit zu den am meisten verwendeten bei Twitter in Deutschland.

#allesdichtmachen verbreitet Statements zur Corona-Politik

„Schließen Sie ausnahmslos jede menschliche Wirkungsstätte und jeden Handelsplatz“, fordert etwa Tukur die Bundesregierung auf. „Nicht nur Theater, Cafés, Schulen, Fabriken, Buchhandlungen, Knopfläden nein, auch alle Lebensmittelläden, Wochenmärkte und vor allem auch all die Supermärkte.“ Und er fügt hinzu: „Sind wir erst am Leibe und nicht nur an der Seele verhungert und allesamt mausetot, entziehen wir auch dem Virus und seiner hinterhältigen Mutantenbagage die Lebensgrundlage.“

Liefers bedankt sich in seinem Clip mit ironischem Unterton „bei allen Medien unseres Landes, die seit über einem Jahr unermüdlich verantwortungsvoll und mit klarer Haltung dafür sorgen, dass der Alarm genau da bleibt, wo er hingehört, nämlich ganz, ganz oben.“

Richy Müller atmet in seinem Clip abwechselnd in zwei Tüten und kommentiert ironisch: „Wenn jeder die Zwei-Tüten-Atmung benutzen würde, hätten wir schon längst keinen Lockdown mehr. Also bleiben Sie gesund und unterstützen Sie die Corona-Maßnahmen. Ich geh jetzt mal Luft holen.“

Kritik an #allesdichtmachen: Stumpfste Waffe gegen Corona-Pandemie

In den sozialen Medien stieß die Aktion teilweise auf begeisterte Zustimmung, aber vor allem bei Prominenten auch auf sehr heftige Ablehnung. „Die Schauspieler*innen von #allesdichtmachen können sich ihre Ironie gerne mal tief ins Beatmungsgerät schieben“, twitterte Moderator Tobias Schlegl, der auch Notfallsanitäter ist. Schauspieler Marcus Mittermeier kommentierte: „Niemand hat mich gefragt, ob ich bei #allesdichtmachen mitmachen will. Gott sei Dank!“ Der Pianist Igor Levit twitterte: Die stumpfste Waffe gegen die Pandemie sei „schlechter, bornierter Schrumpfsarkasmus, der letztendlich bloß fader Zynismus ist, der niemandem hilft. Nur spaltet.“

Medienjournalist Stefan Niggemeier vom Onlinemagazin „uebermedien.de“ schrieb von „ekliger Ironie“ und einem „Dammbruch“, der zugleich der „größte Erfolg der Querdenkerszene bisher“ sei. Der Grünen-EU-Abgeordnete Erik Marquardt kritisierte, er finde die Aktion schlecht und sehe sie als Ausdruck einer zunehmenden Resignation von eigentlich Vernünftigen.

Coronavirus

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Kritik an #allesdichtmachen in Corona-Pandemie: „Ken Jebsen hätte es nicht schöner sagen können“

Weitere prominente Schauspieler mischten sich via Instagram in die Diskussion ein. Elyas M‘Barek schrieb: „Mit Zynismus ist doch keinem geholfen.“ Jeder wolle zur Normalität zurückkehren, und das werde auch passieren. Hans-Jochen Wagner nannte die Aktion peinlich. Er verstehe sie nicht, schrieb der Schauspieler, der an Liefers gerichtet fragte: „Das kann doch nicht Dein Ernst sein.“ Christian Ulmen fühlte sich sogar an den rechten Verschwörungserzähler Ken Jebsen erinnert: Dieser „hätte es nicht schöner sagen können“. Nora Tschirner warf den Macher:innen der Clips Handeln aus Langeweile und Zynismus vor.

Satiriker Jan Böhmermann hielt der Aktion bei Twitter entgegen, das einzige Video, das man sich ansehen solle, „wenn man Probleme mit Corona-Eindämmungsmaßnahmen hat“, sei die ARD-Doku aus der Berliner Charité mit den Titel „Station 43 - Sterben“. Dazu stellte er den Hashtag #allenichtganzdicht und einen weinenden Smiley.

#allesdichtmachen in Corona-Pandemie: Beifall von AfD und Hans-Georg Maaßen

Beifall gab es dagegen vom früheren Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, der die Aktion auf Twitter „großartig“ nannte. Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sprach von einem „Meisterwerk“, das „uns sehr nachdenklich machen“ sollte. Die AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar twitterte: „Das ist intelligenter Protest.“ Sie feiere Jan Josef Liefers.

Die Kunst- und Kulturszene leidet seit mehr als einem Jahr schwer unter den Corona-Maßnahmen. Laut dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) etwa haben viele der Schauspielerinnen und Schauspieler in Deutschland seit März 2020 kaum Einkommen. Dem Verband zufolge leben zwei Drittel bis drei Viertel aller Schauspielerinnen und Schauspieler von Gastverpflichtungen an Theatern, die aktuell nicht oder kaum arbeiten können. In Deutschland gibt es insgesamt etwa 15.000 bis 20.000 Schauspieler. (FR mit AFP/dpa)

Rubriklistenbild: © Christoph Hardt/Imago Images

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