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Die Emissionsbilanz wird auch davon abhängen, wie die Präsidentschaftswahlen in den USA ausgehen - Donald Trump gilt als Freund fossiler Energien.

Klima

CO2-Ausstoß: Stagnation in Sicht

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Der CO2-Ausstoß könnte einer Studie zufolge bald wenigstens nicht mehr steigen.

Der globale Treibhausgasausstoß steigt weiter an – auch über ein Vierteljahrhundert nach dem UN-Erdgipfel von Rio de Janeiro, auf dem die Weltklimakonvention verabschiedet wurde. Doch es gibt Hoffnung auf eine Trendwende. Mehr als die Hälfte der 57 größten CO2-Emittenten unter den Ländern der Erde verzeichnen, über mehrere Jahre betrachtet, sinkende Emissionstrends, der globale Kohleverbrauch geht deutlich zurück und der weltweite Boom bei den erneuerbaren Energien ist ungebrochen. Das zeigt der neue „Klimaschutz-Index“, den die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch am Dienstag auf dem Klimagipfel in Madrid vorgestellt hat.

Es gebe „Anzeichen für eine globale Wende bei den Emissionen“, sagte Ursula Hagen, eine der Autorinnen des Index. Zumindest eine Stagnation sei in Sicht. „Allerdings gibt es noch einige große Staaten, die sich diesem Trend zu widersetzen versuchen – vor allem die USA.“ Viel werde von der weiteren Entwicklung in China und den Präsidentschaftswahlen in den USA abhängen, wo Donald Trump als Freund fossiler Energien 2020 seine Wiederwahl anstrebt. Beide Länder sind weltweit die CO2-Obereinheizer. Der Index bringt ein Ranking der 57 größten Emittenten plus Gesamt-EU, auf die zusammen gut 90 Prozent der weltweiten energiebedingten Emissionen entfallen. Um das Paris-Limit von 1,5 bis zwei Grad globaler Erwärmung zu halten, müssten der CO2-Ausstoß bereits ab 2020 deutlich sinken.

Die ersten drei Plätze des Index wurden nicht vergeben. Der Grund, so Germanwatch: Bisher befinde sich keines der 57 untersuchten Länder auf einem mit den Pariser Klimazielen zu vereinbarenden Pfad. Allerdings zeigten einige EU-Staaten wie Schweden (Platz 4) und Dänemark (5) gute bis sehr gute Ergebnisse vor allem beim Ausbau der Ökoenergien. Der frühere Vorreiter Deutschland hingegen kommt nur auf Platz 23. Die Bundesrepublik erhalte weiterhin nur mäßige Noten für die nationale Klimapolitik und schneide schlecht ab bei Emissionen und Energieverbrauch pro Kopf, erläuterte Professor Niklas Höhne vom New-Climate-Institute, das den Index zusammen mit Germanwatch erarbeitet hat. „Zwar ist das Klimapaket ein Schritt in die richtige Richtung, doch dieser ist mutlos und zu klein.“ Gleichwohl präsentierte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) Deutschland in ihrer Rede vor Delegierten aus fast 200 Ländern als Klimavorreiter. Deutschland habe „2019 zum Jahr des Handelns im Klimaschutz gemacht“.

China als Land mit den höchsten Emissionen hat sich leicht auf Rang 30 verbessert, kassiert aber weiter ein „mäßig“. Es punktet laut der NGO mit einem sehr guten Abschneiden im Fünfjahrestrend beim Anteil der Erneuerbaren am Energiemix und relativ guten Bewertungen für Klimapolitik, schwer wiege allerdings weiterhin das schlechte Abschneiden bei Emissionen und Energieeffizienz. „Sollte China seine umfangreichen Planungen für neue Kohlekraftwerke umsetzen, droht ein herber Rückfall in den Keller des Rankings“, warnt Germanwatch. Der Pekinger Klimaplan sieht bisher vor, dass der CO2-Ausstoß noch bis 2030 steigen und erst dann sinken soll.

Nur zwei der G20-Staaten finden sich in der Kategorie „gut“, nämlich Großbritannien (Platz 7) und Indien (9), acht davon hingegen in der schlechtesten Kategorie. Besonders negativ fallen Australien, Saudi-Arabien und die USA auf, die erstmals Saudi-Arabien als Schlusslicht ablösen. Experte Höhne dazu: „Die Ergebnisse der in der G20 versammelten 19 stärksten Wirtschaftsnationen plus EU sind in großen Teilen alarmierend.“

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