Die Clintons - oder: Zwei für eine

Wahlkampf der US-Demokraten wird härter / Obama-Lager erzürnt

Von DIETMAR OSTERMANN

Der Name Bill Clinton steht auf keinem Stimmzettel, wenn die US-Demokraten am heutigen Samstag im US-Bundesstaat South Carolina ihre nächste Vorwahl abhalten. Gleichwohl dreht sich vor dem ersten Stimmungstest im Süden alles um Bill: Der linke Senatslöwe Edward Kennedy hat ihn gebeten, seinen "Ton zu ändern". Er solle sich mal "abkühlen", erhitzte sich der schwarze Abgeordnete James Clyburn. "Billige Schüsse" auf Barack Obama seien "unter der Würde eines früheren Präsidenten", bemerkte Senator Patrick Leahy: "Ich weiß manchmal nicht, gegen wen ich antrete", beschwerte sich Hillary-Rivale Barack Obama.

Das zumindest ist beantwortet: "Die Clintons haben den Kreis geschlossen", schreibt die New York Times, "in diesem Präsidentschaftsrennen sind sie wahrhaft zwei für den Preis von einem." Wahlkämpfe sind in den USA immer Familienangelegenheiten. Nicht nur Ehegatten, ganze Clans mischen mit. Meist menscheln sie, um ihren Kandidaten sympathischer erscheinen zu lassen.

Hauptrolle für Nebendarsteller

Bill Clinton aber spielt eine andere Rolle: Er gibt den "attack dog", greift Obama frontal an, feuert gezielt Giftpfeile ab - und definiert so immer wieder Thema und Debatte in einem Wahlkampf, in dem er nur Nebendarsteller ist. In South Carolina überließ Kandidatin Hillary Ersatzmann Bill tagelang den Wahlkampf, während sie mit Blick auf den "Super-Dienstag" am 5. Februar schon durch andere US-Staaten tourte.

Was das Obama-Lager erzürnt, ist nicht nur Bill Clintons prominente Rolle. Wohl nicht zu Unrecht wird er hinter einem strategischen Schwenk im Clinton-Camp vermutet: Als der schwarze Senator nach seinem überraschenden Auftaktsieg in Iowa von einer mächtigen Begeisterungswelle getragen wurde, war es Bill Clinton, der die Entzauberung des jungen Hoffnungsträgers mit der Bemerkung begann, dessen Gegnerschaft zum Irakkrieg sei das größte "Märchen", das er je gehört habe. Der Vorwurf löst Proteste aus, wirkte aber wie gewünscht. Seither jedenfalls wecken die Clintons immer neue Zweifel an Obama, verwickeln ihn in Abwehrgefechte - und neben ihm so den Glanz des frischen Optimisten.

Was im Clinton-Camp intern "psychologische Kriegführung" heißt, nennt Obama-Ehefrau Michelle "hinterlistige Angriffe und Schmierentaktik". Meist ist nicht viel dran: Obamas Gegnerschaft zum Irakkrieg ist dokumentiert; ein angebliches Lob für den bei Demokraten verhassten Ronald Reagan entpuppt sich als sachliche Analyse. Dass auch Obama zuweilen haltlose Vorwürfe erhob und der Wahlkampf erbittert geführt wird, sieht in der Partei mancher mit Sorge. "Wir müssen geschlossen bleiben" mahnte Senatorin Mary Landrieu beide Lager, "das ist das Wichtigste für November."

Die Geschlossenheit der Demokraten aber könnte in South Carolina einen weiteren Schlag erleiden. Umfragen sehen Obama in dem Südstaat vorn: Schwarze Wähler scharen sich hinter ihm, seit eine Bemerkung von Hillary Clinton über ihre Ikone Martin Luther King auch die sensiblen Rassenbeziehungen zum Wahlthema gemacht hat.

Ein Obama-Sieg aber, den er allein dem "black vote" verdankt, könnte ihn von einem Hoffnungsträger, dessen Hautfarbe keine Rolle mehr zu spielen scheint, zum "schwarzen Kandidaten" schrumpfen, wie es die Bürgerrechtler Jesse Jackson und Al Sharpton waren. Außerhalb des "schwarzen Südens", so die Sorge im Obama-Lager, hätte Hillary Clinton dann leichtes Spiel.

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