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Von cleveren Weißwäschern und sozial engagierten Unternehmen

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Die Initiativen von vielen Konzernen werden hierzulande oft kontrovers diskutiert: Soll das Image aufpoliert werden, oder sind es Taten von Gutmenschen? Von Joachim Wille

Drei Millionen Euro für das Städel-Museum in Frankfurt, ein Klima-Lehrstuhl für die Uni Aachen, Computer und Software für Kindertagesstätten - Konzerne in Deutschland engagieren sich zunehmend für die Gesellschaft. Doch Beispiele wie diese - sie kommen vom Frankfurter Bankhaus Metzler, dem Stromkonzern Eon und dem Software-Riesen Microsoft - werden kontrovers diskutiert: Betreiben die Konzerne nur "Weißwäscherei"? Oder können sie ein Partner sein, der Defizite in Bereichen wie Bildung, Sozialwesen und Kultur ausgleicht?

Deutsche Firmen engagieren sich seit langem und quer durch alle Branchen außerhalb ihres Kerngeschäfts in Produktion oder Dienstleistung. Eine neue Umfrage, die der FR vorliegt, ergab: Rund 96 Prozent der Firmen - vom Handwerksbetrieb bis zum Konzern - geben als Sponsoren Geld oder Sachspenden oder stellen Mitarbeiter für gemeinnützige Arbeiten frei. "Das geht vom 200-Euro-Scheck für den Turnverein bis zum Millionenbetrag für eine Hochschule", sagt Professor Sebastian Braun von der Universität Paderborn. Das dortige Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement hat die repräsentative Studie durchgeführt; befragt wurden Firmen mit einem Jahresumsatz von mindestens einer Million Euro und mindestens zehn Beschäftigten. Diese decken rund 80 Prozent der Wirtschaftsleistung in Deutschland ab.

Besonders die Konzerne gehen über das klassische Sponsoring hinaus, bei dem die Firmen meist auf Anfrage von Vereinen oder Initiativen vor Ort Geld springen lassen. Die Paderborner Forscher ermittelten: Drei Viertel der Firmen engagieren sich im Umfeld ihres Sitzes oder Betriebsstandorts, oft geht es dabei um Sport und andere Freizeit-Aktivitäten. Aber bereits 14,5 Prozent zielen auf nationale Wirkung und 13,6 Prozent sogar auf die internationale Ebene.

Für die Mehrheit der Firmen gilt, wie Forscher Braun sagt: "Das freiwillige Engagement entspringt selten einer übergeordneten unternehmerischen Strategie." Es sei meist spontan. Kurz: "Man tut Gutes, redet aber nicht darüber." Zunehmend aber verstünden besonders die Konzerne ihr Engagement als Voraussetzung für ein gutes Image und damit "als Teil einer Strategie für den dauerhaften Erfolg am Markt, zu Deutsch: der Profitmaximierung".

Wichtig oder Weißwäscherei - die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Der Stromversorger RWE zum Beispiel gründet eine Jugendstiftung, um Kinder und Jugendliche etwa durch einen "Kreative Zauberei"-Kurs "für das Leben stark" zu machen - wer kann etwas dagegen haben. Er finanziert fünf Jahre eine Professorenstelle für Energieeffizienz - lobenswerte Erweiterung des Bildungsangebots oder ein Feigenblatt für Europas größten CO2-Produzenten? Solche Aktivitäten, in den USA oder Großbritannien weit verbreitet und kaum umstritten, treffen hierzulande auf Skepsis.

Die Globalisierungskritiker von Attac zum Beispiel nennen das Ökosponsoring, das die deutschen Stromkonzerne betreiben, "Greenwashing". Auch Gewerkschaften, die Linkspartei sowie Umweltverbände wie Greenpeace und BUND sind kritisch. Vereinzelt gibt es aber auch skeptische Stimmen im Unternehmerlager selber: "Da sich bisher in erster Linie international aufgestellte Konzerne mit dem Thema befassen, wird es häufig als bloßes Mittel gesehen, das eigene Image zu verbessern", urteilen die Wirtschaftsjunioren, die zum Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zählen. Es sei "also ein Marketinginstrument, bei dem eher als Nebenprodukt Projekte entstehen oder nachhaltiger gewirtschaftet wird".

Defizite ausgleichen

Forscher Braun betont eher die Chancen: "Der Staat hat aus Geldmangel viele Kernaufgaben preisgegeben - zum Beispiel im Bildungssektor." Die Schulen schlecht ausgestattet, die Universitäten unterfinanziert, Fortbildung unterentwickelt. Schnelle Verbesserungen seien zwar wünschenswert, aber nicht in Sicht. "Wenn die Firmen hier Defizite ausgleichen - warum nicht", so Braun. Das Engagement müsse aber verlässlich sein - und vor allem unabhängig von der konjunkturellen Lage. Das kann ein Problem werden. "Wenn ein Konzern Leute entlässt, um zu sparen, gleichzeitig aber weiter Millionen ins Sponsoring steckt - das versteht in Deutschland niemand."

Brauns Professorenkollege Thomas Olk von der Universität Halle-Wittenberg warnt: Das Engagement der Wirtschaft sei "kein Allheilmittel". Aber ebenso unklug sei es, die Chancen zu missachten, die darin lägen. Olk, auch Vorsitzender des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE), sagt: Die "neuen Netzwerke", die sich zwischen Unternehmen, NGOs, Vereinen und Einzelpersonen bilden, könnten zwar nicht alles, aber vieles erreichen. Das habe auch Rückwirkungen auf die Ernsthaftigkeit der Unternehmen selbst. "Nur Sonntagsreden will doch keiner mehr hören."

Ein Kongress zum Thema findet am 25. und 26. September in Paderborn statt: engagement-von-unternehmen.de.

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