Kommentar

Claus steht für eine Trendwende in der hessischen CDU

  • schließen

Die hessische CDU ist nicht mehr die konservative Altherrenpartei, die sie einmal war. Ein Exempel dafür ist die neue Fraktionsvorsitzende Ines Claus. Ein Kommentar.

Es ist noch nicht lange her, da hatte sich die hessische CDU den Ruf einer Stahlhelm-Partei redlich verdient. Erzkonservative Positionen waren hier zu Hause, das Personal entsprechend. Selbstverständlich hatten ältere Männer das Sagen.

Wie ungewöhnlich die Wahl einer frischen Pragmatikerin wie Ines Claus ist, lässt sich beim Blick zurück erkennen. Damals hieß der Fraktionsvorsitzende Christean Wagner – jener Wagner, der mit seinem „Berliner Kreis“ von rechts gegen Angela Merkel mobil machte und sich Kruzifixe in Amtsstuben und Klassenzimmern wünschte. Das ist, man glaubt es kaum, gerade einmal sechs Jahre her.

Damals begann die Koalition der CDU mit den Grünen. Sie hat die Christdemokraten verändert und verknöcherte Parteistrukturen aufbrechen lassen. Es wäre früher undenkbar gewesen, dass ein Parlamentsneuling wie Ines Claus, eine Frau aus der vierten Reihe, an die Spitze der Fraktion gewählt wird. Viele ältere Parteifreunde können dadurch verprellt werden. Und das in einer Koalition mit knappster Mehrheit, in der jede einzelne Stimme zählt.

Der Schritt ist ungewöhnlich mutig für die CDU. Er birgt damit aber natürlich Risiken. Ines Claus muss jetzt beweisen, dass sie unterschiedliche Charaktere und Positionen zusammenhalten kann.

Ohne die Corona-Krise hätte die Union diesen Mut wahrscheinlich nicht gefasst. Aber was ist in diesen Zeiten schon normal?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion