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Chronik eines Anschlags

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Von: Peter Rutkowski

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Blumen für die Opfer des Anschlags.
Blumen für die Opfer des Anschlags. © Justin Lane/dpa

Was geschah in den Tagen unmittelbar vor dem 11. September 2001?

9/6 Richard A. Clarke hat die Faxen dicke. Vier Wochen noch, dann kann er aufatmen. Dann ist er nicht mehr Abteilungschef Antiterror des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus. Seit 1973 kümmert er sich für die Regierung um Sicherheitsfragen. Seine Lagebeurteilungen konnte er den jeweiligen Präsidenten direkt unterbreiten. Nicht, dass das immer absolut nötig gewesen wäre ... Aber jetzt ist es eine Frage von Leben und Tod. Doch George W. Bushs Nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hat ihn kaltgestellt. Bushs Team versucht sich einzureden, das mit dem Islamismus sei alles halb so wild.

Schon seit Anfang 2001 ist sich Clarke sicher, dass muslimische Terroristen etwas in den USA unternehmen werden. Wer? Wann? Wo? Die erste Frage kann er beantworten: Al-Kaida, das Netzwerk von Osama bin Laden. Clarke hat von allen Seiten diesbezüglich Informationen erhalten, Frankreich, Deutschland, Italien - der Mossad, Israels Auslandsgeheimdienst, hat ihm am 23. August eine ganze Liste von Terrorverdächtigen übermittelt. Bekannte Al-Kaida-Leute werden abgehört, ihre E-Mails abgefangen – da ist etwas im Gange. Aber Clarke kommt nicht durch; Rice, Vizepräsident Dick Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld schirmen den leicht beeinflussbaren Bush perfekt ab. Warum auch immer.

Der 25-jährige Nawaf al-Hazmi zahlt unterdessen irgendwo in den Vereinigten Staaten 1900 Dollar an Traveller-Schecks auf sein US-Konto ein. Nachdem er sie just in bar abgehoben hat. Warum? Man wird das nie wissen. Al-Hazmi wollte 1995 in Bosnien kämpfen, er hatte auch mal bei den Taliban angeheuert.

Bin Laden will , dass der junge Saudi in den USA, wo er sich seit dem 15. Januar 2000 aufhält, eine Pilotenausbildung macht. Doch Al-Hazmis Englisch reicht nicht dafür. So jobbt er, wartet auf Order und erzählt, er werde bald berühmt. Niemand nimmt ihn ernst. Nun, Anfang September 2001, hat Al-Hazmi seinen Marschbefehl. Ruhm und das Paradies sind ihm sicher, mag er wohl glauben.

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