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Chronik deutscher Herbst

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MONTAG, 17.10.1977

MONTAG, 17.10.1977

Die Frankfurter Rundschau veröffentlicht das Phantombild der Frau, die einem Stuttgarter Taxifahrer einen Brief an Schleyers Familie mit dem Ultimatum der RAF übergeben hatte. Daneben wird ein Bild der wegen des Mordes an Jürgen Ponto gesuchten Adelheid Schulz abgedruckt, die nach Angaben der Polizei "eine gewisse Ähnlichkeit" mit dem Phantombild aufweisen soll.

Mehrere Angehörige von Landshut-Geiseln werden im Bonner Kanzleramt empfangen. Unter ihnen ist auch ein Junge, der Helmut Schmidt mit dem Transparent "Herr Bundeskanzler! Ich will meine Mutti wiederhaben!" um Hilfe bittet.

Die entführte Maschine ist um 4.34 Uhr Ortszeit in Somalias Hauptstadt Mogadischu gelandet. Stunden später wird die Leiche des ermordeten Kapitäns Schumann über eine Notrutsche aus dem Flugzeug geworfen. Die Entführer stellen ein letztes Ultimatum für den Gefangenenaustausch: 17 Uhr Ortszeit. Wenn bis dahin nichts geschieht, kündigt Anführer Captain Mahmud an, werde er die Landshut in die Luft sprengen. Die Entführer fesseln alle Passagiere, schütten Spirituosen und Parfüm aus dem Duty-Free-Angebot über ihnen aus, damit sie besser brennen. Stewardess Gaby Dillmann bittet Mahmud, eine Botschaft an die Bundesregierung über Funk weitergeben zu können. "Ich möchte der deutschen Regierung sagen, dass es ihr Fehler ist; wir werden sterben", sagt die 23-Jährige.

Zu diesem Zeitpunkt ist Kanzleramtsminister Hans-Jürgen Wischnewski bereits in Mogadischu gelandet und verhandelt mit den Somalis über einen Einsatz der GSG 9 zur Stürmung der Landshut. Um 19.30 Uhr Ortszeit landet das Flugzeug mit 60 Beamten der Spezialeinheit an Bord.

Der deutsche Vertreter in Somalia, Michal Libal, kündet Captain Mahmud an, dass die Bundesregierung eingelenkt habe und die RAF-Gefangenen auf dem Weg nach Mogadischu seien. Sie bräuchten jedoch acht Stunden für den Flug. Die Deutschen wollen Zeit gewinnen für die GSG 9. Der Plan geht auf, die Entführer verlängern das Ultimatum.

Was sonst geschah:

Der Prozess gegen den Dramatiker und Mitbegründer der Bürgerrechtsorganisation Charta 77, Václav Havel, beginnt in Prag. Neben Havel müssen sich der Autor Franti?ek Pavlicek, der Theaterdirektor Ota Ornest, Ex-Außenminister Jiri Hajek und Journalist Jiri Lederer wegen "Subversion und Schädigung der Staatsinteressen" verantworten. Ihnen drohen bis zu zehn Jahren Haft.

In Kapstadt stirbt ein Patient, nachdem ihm der bekannte Chirurg Christiaan Barnard ein Schimpansenherz eingepflanzt hatte.

Die Geschichte der RAF im Internet: www.fr-online.de/deutscherherbst

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