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CHRONIK DEUTSCHER HERBST

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SONNTAG, 25.9. 1977

SONNTAG, 25.9. 1977

Der Krisenstab tagt in Bonn, um darüber zu beraten, inwieweit das Auftauchen deutscher RAF-Terroristen in den Niederlanden mit der Schleyer-Entführung zusammenhängt. Noch haben die Behörden keinen konkreten Anhaltspunkt dafür, dass zwischen dem festgenommenen RAF-Mitglied Knut Folkerts und den Geiselnehmern eine Verbindung besteht.

Das niederländische Fernsehen zeigt die Fahndungsfotos der RAF-Terroristinnen Angelika Speitel und Sigrid Sternebeck.

Die Schleyer-Entführer schicken ein neues Lebenszeichen ihrer Geisel, die nun bereits 20 Tage in der Gewalt der RAF ist.

Der Utrechter Rechtsanwalt Pieter Herman Bakker-Schut hat die Verteidigung des festgenommenen Knut Folkerts übernommen. Nach einem ersten Besuch bei seinem Mandanten beschwert sich der Jurist über dessen Behandlung durch die Polizei. Der Häftling sei die ganze Nacht hindurch ohne Schlaf, mit gefesselten Füßen und nur in Unterwäsche verhört worden. Man habe ihm außerdem eine Million Mark und einen neuen Pass angeboten, wenn er Informationen zum Verbleib Schleyers preisgebe, so der Anwalt. Bakker-Schut vertritt bereits den in Hannover inhaftierten niederländischen RAF-Terroristen Ronald Augustin. Jahre später schürt er mit seinem Stammheim-Buch maßgeblich die Zweifel an der offiziellen Lesart, Baader, Ensslin und Raspe hätten Selbstmord begangen.

Das Bundeskriminalamt reagiert auf die Anschuldigungen Bakker-Schuts. Die Ermittler werfen dem Anwalt vor, jahrelang "konspirative Verbindungen zu deutschen Terroristen" unterhalten zu haben. Bakker-Schut spiele eine ähnliche Rolle wie der nach Frankreich geflüchtete Stuttgarter Rechtsanwalt Klaus Croissant, so das BKA.

Was sonst geschah:

Die Schweizer stimmen in einem Referendum zur Abtreibung knapp gegen die so genannte Fristenlösung. Sie sieht vor, den Schwangerschaftsabbruch durch einen Arzt in den ersten drei Monaten zu gestatten. erb

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