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CHRONIK DEUTSCHER HERBST

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DONNERSTAG/FREITAG, 22./23.9.1977

DONNERSTAG/FREITAG, 22./23.9.1977

Der RAF-Terrorist Knut Folkerts (Jahrgang 1952) wird am 22. September in Utrecht verhaftet. Bevor ihn die niederländischen Beamten überwältigen, erschießt er den 46-jährigen Polizisten Arie Kranenburg. Dessen Kollege Leendert Pieterse wird durch Bauchschüsse schwer verletzt. Die Ermittler hatten sich bei allen Autovermietungen nach Kunden aus Deutschland erkundigt und deren Identität überprüft. In Utrecht stießen sie auf eine gefälschte Existenz: RAF-Terroristin Sigrid Sternebeck hatte als "Astrid Winter" einen roten Ford Taunus geliehen. Als Folkerts dieses Auto zurückbringen will, wartet bereits ein Polizeikommando in Zivil auf ihn. Folkerts ist seit November 1976 im Untergrund. Er wird unter anderem verdächtigt, am Buback-Mord beteiligt gewesen zu sein. In Utrecht wird Folkerts von einer Frau begleitet - sie kann entkommen.

Um den Staat im Anti-Terrorkampf zu stärken, muss nach Ansicht von CDU-Chef Helmut Kohl notfalls auch das Grundgesetz geändert werden. "Wir brauchen wirksamere Gesetze und wir müssen bereit sein, auch unsere Verfassung dort zu ändern, wo sie ihren Feinden die Möglichkeit bietet, die Rechtsordnung als Ganzes zu bekämpfen", sagt der Oppositionsführer auf einer Versammlung seiner Partei.

Die französische Regierung schickt ihren früheren Innenminister Michel Poniatowski als "persönlichen Botschafter" nach Bonn - ein Zeichen der Unterstützungim Kampf gegen die RAF.

Die FDP droht allen Jungdemokraten mit Parteiausschluss, die an dem geplanten Nachdruck des"Mescalero"-Nachrufs aufBuback beteiligt sind.

Nach zwölf Tagen hebt das Frankfurter Oberlandesgericht die Kontaktsperre für zwei als Terroristen verdächtigte Untersuchungsgefangene auf.

Von seiner Reise nach Algerien, Irak, Libyen und Südjemen kehrt Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski am 23. September mit der Nachricht an die Schleyer-Entführer zurück, keines der Länder wolle freigepresste RAF-Häftlinge aufnehmen. Über den Genfer Anwalt Payot wird die Botschaft weitergegeben.

Der erste Entwurf eines Kontaktsperregesetzes für (mutmaßliche) Terroristen wird den drei Bundestagsfraktionen vorgelegt. Regierung und Opposition sind sich einig: das Gesetz soll im Eilverfahren verabschiedet werden.

Was sonst geschah:

Im niederländischen Assen werden am 22. September sieben südmolukkische Terroristen wegen zweier Geiselnahmen zu sechs bis neun Jahren Haft verurteilt.

USA und Sowjetunion kündigen am 23. September an, das Abkommen zur Rüstungsbegrenzung SALT-1 verlängern zu wollen. erb

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