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CHRONIK DEUTSCHER HERBST

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MITTWOCH, 21.9.1977

MITTWOCH, 21.9.1977

Die Deutsche Bischofskonferenz gibt auf ihrer Herbst-Vollversammlung eine Erklärung zum Terrorismus ab. Darin fordern die katholischen Bischöfe, im Kampf gegen den Terrorismus alle in der Verfassung gegebenen Möglichkeiten auszuschöpfen, "bevor überhaupt Verfassungsänderungen in Betracht gezogen werden". Eindringlich wenden sich die Kirchenmänner an die RAF-Sympathisanten und Unterstützer: "Begreifen Sie Ihre Mitverantwortung an dem furchtbaren Leid einzelner Menschen und Familien. Erkennen Sie endlich, dass gesellschaftliche Verhältnisse durch Hass, Brutalität und Mord nicht verbessert werden können. Kehren Sie um und verhindern Sie, dass Ihre Schuld noch größer wird."

Die SPD trage eine Mitschuld am RAF-Terror, heißt es in einem Leitartikel des CSU-Parteiorgans Bayernkurier. Die Anfänge des politisch motivierten revolutionären Terrors reichten in die Zeit zurück, als die SPD die Außerparlamentarische Opposition mit offenen Armen aufgenommen habe, heißt es da. Und weiter: "Wer die Gewalt mitgesät hat, ist unfähig, die blutige Ernte zu verhindern."

In der Tageszeitung Die Welt steht die Schlagzeile: "Mini-Kamera in Baaders Zelle geschmuggelt - War es ein Anwalt?" Die Zeitung berichtet, in Baaders Zelle in Stammheim sei eine neue Minox-Kamera samt Filmkassette gefunden worden, versteckt in einem Kaffeefilter-Behälter. Der Verdacht liege nahe, dass einer der Verteidiger das Gerät unerlaubt ins Gefängnis gebracht habe.

Die Berliner Jungdemokraten, die Jugendorganisation der FDP, wollen den mit "Mescalero" unterzeichneten Buback-Nachruf eines Göttinger Studentenblatts nachdrucken. Sie wollen dem Originaltext, in dem "klammheimliche Freude" über den RAF-Mord an Siegfried Buback zum Ausdruck gebracht wird, zwar einen Kommentar zur Seite stellen, in dem sie den Weg der Terroristen als "antihumanistische Strategie des Wahnsinns" bezeichnen. Der FDP-Landesvorstand ist dennoch entsetzt und erklärt, für ein "derartiges politisches Fehlverhalten" kein Verständnis zu haben. Die Mutterpartei kündigt die politische Zusammenarbeit mit den Jungdemokraten auf, bis sich diese von der Veröffentlichung distanzieren.

Das Karlsruher Oberschulamt entlässt einen Gymnasialreferendar wegen "Glorifizierung des Buback-Mordes". Der Mann habe während der Trauerfeier für den ermordeten Generalbundesanwalt im April des Jahres ein Extrablatt der Kommunistischen Volkszeitung verteilt, in dem die Tat verherrlicht werde.

Was sonst geschah:

Die Bundesregierung lehnt eine Auslieferung des aus italienischer Haft geflohenen NS-Kriegsverbrechers Herbert Kappler an Italien ab. erb

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