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CHRONIK DEUTSCHER HERBST

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MITTWOCH, 28.9. 1977

MITTWOCH, 28.9. 1977

Die Schleyer-Entführer schicken eine neue Erklärung an verschiedene Zeitungen und Nachrichtenagenturen, auch an die FR. Darin heißt es: "Weitere Lebenszeichen von Schleyer wird es nur noch im Zusammenhang mit konkreten Hinweisen auf den Austausch geben." Sie, die Entführer, wüssten sicher, dass es Länder gebe, die zur Aufnahme der elf RAF-Gefangenen bereit seien - auch wenn die Botschaft von Staatsminister Wischnewski anders lautete. Das "Kommando Siegfried Hausner" fordert die Regierung außerdem auf, die RAF-Fahndung einzustellen und die Telefongespräche mit dem Schweizer Vermittler Payot nicht länger abzuhören, sollte ihr am Leben Schleyers etwas liegen. Dem Schreiben liegt ein Foto Schleyers bei. Die Szene ist die übliche: Der Entführte sitzt vor dem RAF-Symbol Stern und Kalaschnikow, in der Hand hält er ein Schild mit der Aufschrift: "Seit 20 Tagen Gefangener der R.A.F.".

14 Rechtsanwälte, die seit der Schleyer-Entführung von jeglichem Kontakt zu ihren Mandanten abgeschnitten sind, erheben in Bonn schwere Vorwürfe gegen den Staat. Sie bezeichnen das geplante Gesetz über Besuchsverbote als "Unrecht", das in seiner Systematik an die Notverordnung der Weimarer Republik erinnere. Am selben Abend berät der Bundestag über den Gesetzesentwurf, der für die ausgerufene Kontaktsperre die rechtliche Grundlage liefern soll. Der Offenbacher SPD-Abgeordnete Manfred Coppik bringt die Bedenken in seiner Partei und in der FDP zum Ausdruck: "Man kann sehr daran zweifeln, ob die Isolation von Gefangenen tatsächlich hilft, das Leben einer Geisel zu retten. (...) Der Kampf gegen den Terrorismus wird nicht durch Sondergesetze gewonnen."

Was sonst geschah:

Die argentinische Militärjunta setzt einen Verfassungsartikel in Kraft, wonach politische Gefangene der Haft dadurch entgehen können, dass sie ins Exil gehen. erb

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