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Steuersenkungen: Lindner will Topverdiener am meisten entlasten

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Von: Moritz Serif

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Wer ein Brutto-Jahresgehalt von 600.000 Euro hat, darf sich über Lindners Erleichterungen freuen.
Wer ein Brutto-Jahresgehalt von 600.000 Euro hat, darf sich über Lindners Erleichterungen freuen. © Britta Pedersen/dpa/picture alliance

Neue Berechnungen zeigen, welche Menschen Finanzminister Lindner am meisten entlasten möchte. Geringverdiener haben schlechte Karten.

Berlin - Die von Finanzminister Christian Lindner (FDP) gewünschten Steuersenkungen könnten einer Modellrechnung zufolge Topverdienern besonders viel einbringen, wie Berechnungen der Arbeitnehmerkammer Bremen zeigen. Darüber hatte zunächst die Süddeutsche Zeitung berichtet. Ein Single mit 600.000 Euro Bruttojahreseinkommen würde gut 1100 Euro weniger Steuern zahlen.

Dagegen würde eine vierköpfige Familie mit 40.000 Euro Jahresbrutto nur um gut 300 Euro entlastet werden. Lindner hat für 2023 den Abbau der kalten Steuerprogression angekündigt.

Neue Berechnungen zeigen: Das sind Lindners Steuerpläne

Kalte Steuerprogression meint, dass jemand durch eine Lohnerhöhung, die lediglich die Inflation ausgleicht, in einen höheren Steuertarif rutscht und weniger Geld in der Tasche hat. Die Arbeitnehmerkammer ging von einer Erhöhung der Tarifeckwerte um sechs Prozent aus.

Damit würde der Grundfreibetrag ebenso um sechs Prozent ansteigen wie der Grenzwert, ab dem der höchste Steuersatz greift. Bei der Verschiebung um sechs Prozent würde ein Single mit 100.000 Euro Bruttoeinkommen gut 600 Euro weniger zahlen. Einem kinderlosen Ehepaar mit 600.000 Euro brutto winkten sogar gut 1700 Euro Entlastung.

Lindners Steuererleichterungen: „Vor allem Gutverdienende“ profitieren

Dagegen würde eine Alleinerziehende mit 20.000 Euro Jahresgehalt lediglich von einer Entlastung um knapp 100 Euro profitieren. Steuererleichterungen entlasteten „vor allem Gutverdienende“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer, Peer Rosenthal.

Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, Katja Hessel (FDP), sagte hingegen der Nachrichtenagentur AFP, der Ausgleich der kalten Progression sei „ein Gebot der Fairness gegenüber der hart arbeitenden Mitte in unserem Land“. Es gehe nicht um „irgendwelche Steuergeschenke“, sondern um „die Verhinderung einer massiven Steuererhöhung“, sagte Hessel.

Direktzahlungen sinnvoller als Steuersenkungen bei Geringverdienern

Die Arbeitnehmerkammer Bremen hält hingegen Direktzahlungen für sinnvoller. So hätten rund zwölf Millionen Steuerpflichtige ein so geringes Einkommen, dass sie von einem Abbau der kalten Progression gar nicht profitieren würden, erklärte die Organisation.

Von Direktzahlungen hätte diese Gruppe hingegen durchaus etwas. „Wer über wenig Einkommen verfügt, braucht direkte finanzielle Unterstützung“, erklärte Rosenthal. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi sagte der Süddeutschen Zeitung, dass weitere Entlastungen nötig seien.

Linken-Politiker: „Spitzenverdiener können und sollten einen höheren Beitrag leisten“

Der Linken-Finanzpolitiker Christian Görke forderte den Grundfreibetrag in der Einkommensteuer „deutlich“ anzuheben. Sinnvoll sei außerdem eine Anhebung der sogenannten Reichensteuer, die auf Einkommen oberhalb von gut 250.000 Euro bei Singles und gut 500.000 Euro bei Ehepaaren fällig wird.

„Wenn Lindner wirklich zur Schuldenbremse zurückkehren und sein Entlastungsversprechen wahr machen möchte, muss irgendwo Geld herkommen“, erklärte Görke in Berlin. „Spitzenverdiener können und sollten einen höheren Beitrag leisten, gerade in Krisenzeiten.“ Die Debatte um die Schuldenbremse beschäftigt aktuell die Ampelkoalition. (mse/afp)

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