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Straffer Scheitel und markige Worte: Qin Gang.
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Straffer Scheitel und markige Worte: Qin Gang.

Qin Gang

Streitlustiger „harter Knochen“ – Wie tickt Chinas neuer Botschafter in den USA?

  • VonFabian Kretschmer
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Er ist bekannt für sehr markige Ansagen: Qin Gang wird Chinas neuer Botschafter in den USA – dabei hat er kaum Kontakte in Washington. Ein Porträt.

Washington D.C. – Der Mann, der die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft durch den entscheidenden Konflikt unserer Zeit navigieren soll, betrat am Mittwoch (28.08.2021, Ortszeit) amerikanischen Boden. Bevor sich Qin Gang, Chinas künftiger Botschafter in Washington, in seine 14-tägige Quarantäne verabschiedete, richtete er noch eine versöhnliche Stellungnahme aus: Beide Länder sollten sich „mit gegenseitigem Respekt“ behandeln und eine „friedliche Ko-Existenz“ anstreben.

Doch schon bald wird es mit der wohlwollenden Rhetorik vorbei sein. Der 55-Jährige mit dem schnieken Seitenscheitel und den stets adrett geschnittenen Anzügen tritt schließlich nicht nur den wichtigsten Botschaftsposten an, sondern auch den herausforderndsten. Qin Gangs Rolle wird es sein, Chinas neu gewonnenes Selbstbewusstsein gegenüber den Vereinigten Staaten zu verkörpern. Dort sitzt mit Joe Biden ein Präsident im Weißen Haus, den Peking mindestens ebenso feindlich gesinnt einschätzt wie seinen Vorgänger Donald Trump.

USA: Neuer Botschafter aus China hat kaum Kontakte in Washington

Dass Qin diese Rolle zuteilwird, ist bereits eine ziemliche Überraschung. Seitdem der Posten in Washington frei wurde, tauchte sein Name in der Gerüchteküche nicht einmal am Rande auf. Das hat vor allem damit zu tun, dass Qin über keine signifikante US-Expertise oder ein gutes Netzwerk in Washington verfügt. Sein Vorgänger Cui Tiankai hingegen war nicht nur der längst gediente Botschafter Chinas in den USA, sondern galt trotz der extrem polarisierten Beziehungen noch immer als ein mäßigender Faktor. Insofern tritt Qin nun in durchaus große Fußstapfen.

Er ist vor allem als klassischer Karrierediplomat zu beschreiben. 1966 in der Ostküstenstadt Tianjin geboren, absolvierte er in Peking die Universität für Internationale Beziehungen. Bereits 1988 heuerte Qin beim Außenministerium an, dessen hierarchische Stufen er rasch erklomm. Seine große Stärke ist der kurze Draht zu Staatschef Xi Jinping, den er bei mehreren Staatsbesuchen begleitete. Wie gut die Chemie zwischen den beiden ist, wird auf etlichen offiziellen Fotodokumenten deutlich.

USA und China: Eine gemeinsame Grundlage wird auch weiterhin fehlen

Die Bestellung von Qin Gang ist in gewisser Hinsicht eine Art Kompromiss: Er ist kein klassischer „Wolfskrieger“, wie die ultranationalistischen Diplomatinnen und Diplomaten aus China genannt werden, die quasi in Trump’scher Manier auch nicht vor verbalen Tiefschlägen und gezielten Desinformationskampagnen zurückschrecken.

Doch ein unbeschriebenes Blatt ist Qin nun auch wieder nicht: Als ehemaliger Sprecher des Außenministeriums hat er sich unter Pekings Korrespondentinnen und Korrespondenten einen Namen als „harter Knochen“ gemacht. Seine Antworten bei den täglichen Pressebriefings waren durchaus direkt und hart in der Sache. Als die USA 2006 ihren alljährlichen Menschenrechtsbericht publizierten, überreichte Qin Gang seinem jetzigen Gastland als symbolisches „Geschenk“ einen konfuzianischen Text in englischer Übersetzung – versehen mit der Stellungnahme: Man solle zuerst sein eigenes Herz aufrecht halten und seine Seele verfeinern, ehe man ein Land gut regieren könne. Eine solche Geste verrät ein gehöriges Maß an Chuzpe gepaart mit Streitlust.

USA: Qin Gangs erste Amtshandlungen sind schwierig

Seine ersten Amtshandlungen nach der Quarantäne werden keine einfachen sein. Denn zunächst muss Qin die ellenlange Beschwerdeliste abarbeiten, die Außenminister Wang Yi einer US-Regierungsdelegation diese Woche Besuch beim in Tianjin mit auf dem Weg gab: Visa-Erleichterungen für chinesische Doktorandinnen und Doktoranden und Journalist:innen zählen da noch zu den unkomplizierteren Angelegenheiten.

Unter anderem bei Themen wie der Situation in Hongkong werden die zwei Seiten wohl trotz größtem diplomatischen Geschick ohnehin keine gemeinsame Grundlage finden. (Fabian Kretschmer)

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