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Chinas Staatsoberhaupt Xi Jinping wagt sich in ein Krankenhaus in Wuhan.

Wuhan

Chinas starker Mann ist wieder da

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Xi Jinping verkündet in Wuhan den Sieg über das Coronavirus.

Ein hochsymbolischer Besuch: Chinas Staatsoberhaupt Xi Jinping wagte sich erstmals seit dem Virus-Ausbruch in dessen Epizentrum Wuhan. Dort inspiziert er eine Wohnsiedlung, tauscht sich mit Ärzten aus. Akribisch wurde das Timing des Besuchs geplant. Schließlich war der Staatschef seit Beginn der Krise praktisch von der medialen Bildfläche verschwunden. Im Hintergrund arbeitete die Kommunistische Partei an einer Strategie gegen sich auf sozialen Medien entladenden Frust der Bevölkerung gegen Behörden und Parteikader.

Solche Sorgen sind nun passé. Nur 19 Neuansteckungen vermeldeten die Behörden. Der „Krieg gegen das Virus“, von Xi Jinping höchstpersönlich ausgerufen, scheint gewonnen. Und auch wenn sich viele Maßnahmen nicht in hiesige Gefilde übertragen lassen, lohnt für Europas Spitzenpolitiker ein genauerer Blick. „China hat die vielleicht ambitioniertesten, agilsten und aggressivsten Bemühungen zur Krankheitseindämmung in der Geschichte eingeführt“, heißt es in einem WHO-Bericht. So hat das Land eine Massenmobilisierung der Bevölkerung umgesetzt: In die unter Quarantäne gesetzte Provinz Hubei wurden mehr als 42 000 Ärzte und Pflegekräfte entsandt. In Wuhan haben mehr als 1800 Teams Personen aufgespürt, die Kontakt zu Corona-Patienten hatten. Öffentliche Veranstaltungen wurden landesweit abgesagt, Kinos geschlossen, Schulferien verlängert. U-Bahnen fahren in Peking mit höherer Frequenz, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Wer einen Supermarkt besucht, muss am Eingang seine Körpertemperatur messen lassen. Die Bevölkerung zeigte Disziplin: Die Menschen tragen Masken, halten sich nach Möglichkeit in den eigenen vier Wänden auf. Nun hat sich selbst in Wuhan die Lage entspannt. Öffentliche Einrichtungen, die zu Krankenhäusern umfunktioniert wurden, sind geschlossen. Entsprechend lässt sich Xi Jinping von den Staatsmedien als treibender Motor hinter der Erfolgsgeschichte inszenieren.

Wenn China nun sein politisches System als überlegen bezeichnet, könnte das demokratische Südkorea bald die Gegenthese liefern: Dort haben Behörden am Dienstag 131 Neuinfektionen vermeldet. Am 29. Februar waren es noch mehr als 900.

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