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China: Vom Kaiserreich zur kommunistischen Supermacht Xi Jinpings

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Von: Lukas Rogalla

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China blickt auf eine lange Geschichte zurück. Heute erlebt die kommunistische Volksrepublik eine Zeit des Aufschwungs – auch das Militär erstarkt.

Peking – Mit fast 1,4 Milliarden Menschen ist China das bevölkerungsreichste Land der Erde – und auch flächenmäßig eines der größten. Es grenzt an vierzehn Länder in Asien und spielt geopolitisch eine zunehmend große Rolle. China gehört zu den ältesten Zivilisationen und Hochkulturen der Welt. Aufzeichnungen reichen tausende Jahre zurück.

BezeichnungChina; Offiziell: Volksrepublik China
HauptstadtPeking
StaatsformVolksrepublik mit Einparteiensystem
Fläche9.596.960 km²
Bevölkerung1,41 Milliarden (2021, Weltbank)
PräsidentXi Jinping
RegierungschefLi Keqiang
WährungRenminbi (Yuan)
Vorwahlnummer+86

„Zhongguo“, wie Chines:innen ihr Land nennen, bedeutet so viel wie „Land der Mitte“. Nach tausenden Jahren Kaiserzeit wird China heute von der Kommunistischen Partei aus der Hauptstadt Peking regiert und zur wirtschaftlichen Großmacht aufgebaut.

China: Geografie und Klima des ostasiatischen Landes

Die Volksrepublik ist der flächenmäßig drittgrößte Staat der Welt, wenn man sowohl Land als auch Wasser mit einberechnet. China hat vierzehn direkte Nachbarländer: Nordkorea, Russland und die Mongolei im Norden, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Afghanistan und Pakistan im Westen, Nepal, Indien, Bhutan, Myanmar, Laos und Vietnam im Süden.

Im Osten und Südosten grenzt das Staatsgebiet von China an das Gelbe Meer, das Ostchinesische Meer sowie das Südchinesische Meer. Der Westen wird von Gebirgen dominiert. Die höchsten sind der Himalaya, Tian Shan, Pamir und Altai. Der 8844 Meter hohe Mount Everest liegt auf der Grenze zu Nepal. Im äußersten Süden ist das Klima tropisch. Der Jangtsekiang, oder Jangtse, ist mit 6300 Kilometern der drittlängste Fluss der Welt und fließt aus dem Hochland mit Schnee und Gletschern im Westen nach Osten, in die Ebenen an den Küsten. Auch das Klima in China ist vielfältig. Im Westen liegt beispielsweise die trockene Taklamakan-Wüste, im äußersten Süden ist es tropisch.

Die bevölkerungsreichsten Städte der Volksrepublik China

Kein Land auf der Welt hat so viele Millionenstädte wie China. Kein Wunder, denn hier leben einer Schätzung der Weltbank zufolge knapp 1,4 Milliarden Menschen. Die größten Städte sind Shanghai sowie die Hauptstadt Peking. Beide liegen im Osten des Landes.

StadtBevölkerung (geschätzt)
Shanghai26,9 Millionen
Peking20,4 Millionen
Chongqing15,8 Millionen
Tianjin13,6 Millionen
Guangzhou13,2 Millionen
Shenzhen12,3 Millionen
Nanjing9,3 Millionen
Chengdu9,1 Millionen
Wuhan8,3 Millionen
Xi'an7,9 Millionen

Im Vielvölkerstaat China werden 56 Ethnien offiziell anerkannt. Die Han-Chines:innen stellen mit 1,2 Milliarden Menschen, das entspricht etwa 92 Prozent, die deutliche Mehrheit der Bevölkerung dar. Eine der größten Minderheiten sind die Uigur:innen mit etwa zehn Millionen, die vor allem in Xinjiang in den westlichen Grenzregionen leben.

Das Riesenreich blickt auf eine lange Geschichte zurück

Die heute bekannte Geschichte Chinas beginnt mit den Xia-, Shang- und Zhou-Dynastien. Sie sind als die drei Dynastien des chinesischen Altertums bekannt. Die Xia-Dynastie (ca. 2200 bis 1600 v. Chr.) soll auf einen Kaiser namens Yu zurückgehen. Alte Schriften bezeichnen sie als älteste Dynastie, allerdings ist ihre Existenz nicht archäologisch belegt – es könnte sich um mythische Überlieferungen handeln. Die Shang-Dynastie (ca. 1570 bis 1066 v. Chr.) ist die älteste Herrschaftsdynastie, die archäologisch bewiesen ist. Ihr Zentrum lag im heute nördlichen Henan und Shandong im Westen.

Tor des Himmlischen Friedens in Peking, China
Tor des Himmlischen Friedens in Peking: Hier proklamierte Mao Zedong am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China. © Jan Huebner/Imago

Im fünften Jahrhundert vor Christus verbreitete Konfuzius seine Lehren. Die Welt werde von einer Ordnung regiert, die moralischer Natur entspricht. Bis heute prägen die Lehren des Konfuzius neben dem buddhistischen und taostischen Glauben den ostasiatischen Raum. Die Zeitrechnung des chinesischen Kaiserreichs beginnt mit der Qin-Dynastie (221 bis 207 v. Chr.) und endet im Jahr 1912. Nach Kriegen verschiedener, kleiner Reiche vereinte Qin Shihuang das Reich und ließ und zum ersten Kaiser krönen. Während seiner Zeit wurde die Schrift vereinheitlicht und der Bau der Chinesischen Mauer zum Schutz vor Feinden im Norden begonnen.

Auf Qin folgte die Han-Dynastie, die erstmals Handelsbeziehungen zum Römischen Reich in Europa herstellte. Nach dem Tod des letzten Han-Kaisers zerfiel das Reich in drei Teile. Bis zum Beginn der Herrschaft der Kommunisten 1949 wechselten sich Einheit und Zerfall ab. Schon lange vor Europa wurden in China Papier, Porzellan, Buchdruck und Schwarzpulver erfunden. Das Reich war gegenüber Europa in vielen Bereichen deutlich weiter entwickelt.

Im Mittelalter fielen die Mongolen in China ein

Im Mittelalter eroberten die Mongolen unter Dschingis Khan weite Teile Chinas. Das mongolische Reich erstreckte sich vom Mittelmeer bis an den Pazifik. Dschingis Kahns Enkel Kublai Khan ernannte sich im Jahr 1271 zum Kaiser und begründete somit die Yuan-Dynastie. Marco Polo war einer seiner bekanntesten Gäste. Der Venezianer bereiste als einer der ersten Europäer die Seidenstraße und brachte chinesische Güter erstmals nach Europa. Mit dem Sturz der Yuan-Dynastie kam die Ming-Dynastie, in der China einen Aufschwung sah und sich vorübergehend als Seefahrer-Nation etablierte.

Mit dem Einfall der Mandschuren 1644 aus dem Norden begann die Qing-Dynastie – die letzte in der chinesischen Kaiserzeit. Kaiser Pu Yi dankte 1912 ab, China wurde zur Republik. Doch der Niedergang hatte bereits zuvor begonnen. Gegen den Willen der chinesischen Herrscher drängten die europäischen Nationen auf mehr Einfluss. Die britische East India Company verstärkte die Einfuhr von Opium nach China aufgrund eines Handelsdefizits systematisch – trotz eines Verbots. Großbritannien setze die Einfuhr in zwei Opiumkriegen (1839 bis 1842, 1856 bis 1860) mit militärischer Gewalt durch.

Kaiserzeit endet mit der Qing-Dynastie

Mit dem Ende der Qing-Dynastie wurde die Republik China ausgerufen. Immer wieder kam es zu Aufständen. 1927 begann der chinesische Bürgerkrieg um die politische Führung im Land, der bis 1949 andauerte und etwas eine Million Menschenleben forderte. 1937 begann Japan mit der Invasion Chinas. Der Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke unweit von Peking gilt als Auslöser des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs. Japan besetzte China und beging bis zu seiner Kapitulation im September 1945 schwere Kriegsverbrechen. Beim Massaker in Nanking wurden Schätzungen zufolge in sechs bis sieben Wochen mehr als 300.000 Zivilist:innen sowie Kriegsgefangene ermordet, zehntausende Frauen und Mädchen vergewaltigt.

Die Kuomintang, die seit 1927 in China herrschende Partei, wollte infolge des Krieges das ganze Land unter Kontrolle bekommen. Die Parlamentswahlen 1947 konnten noch gewonnen werden, allerdings erstarkte die Volksbefreiungsarmee in dieser Zeit deutlich und fand immer mehr Unterstützer:innen. Aus einem Guerillakrieg wurden reguläre Militäroperationen. Im Jahr 1948 wurde die Mandschurei erobert, im April 1949 Nanjing, einen Monat später Shanghai. Die Kuomintang flohen 1945 auf die besetzte Insel Taiwan, errichteten dort eine Diktatur und riefen die Republik China aus.

Volksrepublik China wird 1949 ausgerufen: Kommunistische Partei unter Mao Zedong herrschte

Die Ausrufung der Volksrepublik China am 1. Oktober 1949 war das Ende der Nationalregierung auf dem chinesischen Festland. Die Machtübernahme durch die kommunistische Partei und ihre Volksbefreiungsarmee unter Mao Zedong fand in auch in der Bevölkerung viel Unterstützung. Mit der ersten Bodenreform 1949 bis 1952 wurden Großgrundbesitzer:innen enteignet. Landwirtschaftliche Nutzflächen wurden an 120 Millionen Bauern verteilt.

Der „große Sprung nach vorn“ von 1958 bis 1961 sollte Landwirte von der revolutionären Idee begeistern und ein Wachstum der Wirtschaft entfachen. In dieser Zeit kam es zu einer Hungersnot mit offiziell 15 Millionen Toten. Schätzungen zufolge konnte die Zahl der Toten dreimal so hoch ausgefallen sein. Nach einem Freundschafts- und Beistandsvertrag 1950 kam es im Zuge des „großen Sprungs nach vorn“ und Josef Stalins Tod zum Bruch mit der Sowjetunion. China nahm auch diplomatische Beziehungen zu den USA auf.

Ohne Mao Tse-tung läuft in der Volksrepublik China nach wie vor so gut wie nichts und niemand.
Mao Zedong ist in China nach wie vor allgegenwärtig. (Archivbild) © AFP

Im Jahr 1966 begann mit Mao Zedong die Kulturrevolution, inklusive Säuberungen in der eigenen Partei von „revisionistischen“ Tendenzen. Nach dem Tod Maos kam Deng Xiaoping an die Macht, dessen Name eng mit Reformen und ökonomischen Öffnungen verbunden ist. Die USA wurden zum wichtigen Wirtschaftspartner, China aufgrund niedriger Produktionskosten zur „Werkbank der Welt“ – und dank des Wachstums zur Weltmacht. Hunderten Millionen Menschen gelang der Aufstieg aus der Armut. Das Land wurde in vielen Bereichen modernisiert.

Xi Jinping ist seit 2013 Präsident der Volksrepublik

Seit 2012 ist Xi Jinping Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas und seit 2013 Präsident der Volksrepublik. Auch unter Xi hält China am „Sozialismus chinesischer Prägung“ fest. Die Ein-Kind-Politik, die jedem Paar von 1979 an nur ein Kind erlaubte (einige Minderheiten ausgenommen), wird aufgrund der Überalterung der chinesischen Gesellschaft gelockert. Eltern dürfen wieder zwei Kinder haben.

Mit dem Projekt „One Belt One Road“, auch als neue Seidenstraße bekannt, der alte Handelsweg durch Chinas Nachbarstaaten, Zentralasien nach Europa wiederbelebt werden. Im Rahmen dieser Initiative investiert das Land in den Energie- und Logistiksektor sowie Infrastruktur. Internationale Organisationen werfen China regelmäßig Menschenrechtsverletzungen vor. Vor allem fehlende Pressefreiheit und Zensur des Internets, aber auch Unterdrückung von Minderheiten lauten die Vorwürfe, vor allem vonseiten der westlichen Länder.

Xi Jinping, Präsident von China, bei der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes (CPPCC)
Xi Jinping, Präsident von China, bei der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes (CPPCC). (Archivbild) © Ju Peng/dpa

Die Volksrepublik ist ein sozialistischer Ein-Parteien-Staat, geführt von der Kommunistischen Partei Chinas, die mehr als 95 Millionen Mitglieder zählt (Stand: 2021). Die Aufnahmebedingungen sind streng, der Aufstieg in der Partei schwierig. Der Staatsrat bildet die Regierung von China, der Nationale Volkskongress mit 3000 Mitgliedern die Legislative.

Mit zahlreichen Infrastruktur- und Prestigeprojekten, wie neuen Bahnstrecken oder Olympia 2022, als in Peking und der Region die Olympischen Winterspiele stattfanden, will China imponieren und eine Erstarkung auch nach Außen zeigen. Im Westen, insbesondere beim Verteidigungsbündnis Nato, beobachtet man diese Entwicklung mit Sorge. (Lukas Rogalla)

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