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China und Japan: Einseitige Abhängigkeit

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Von: Felix Lill

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Schon Tage vor dem Beginn des Treffens patrouillieren in der Hauptstadt Sicherheitskräfte.
Schon Tage vor dem Beginn des Treffens patrouillieren in der Hauptstadt Sicherheitskräfte. © afp

Inmitten von politischen Differenzen hofft Japan auf Tauwetter mit China – aus ökonomischen Gründen. Denn wirtschaftlich angeschlagen sind aktuell beide Länder.

Peking/Tokio - Das Verhältnis zwischen Peking und Tokio, wo immerhin die zweit- und drittgrößten Volkswirtschaften der Welt ihre Hauptstädte haben, ist mal wieder kompliziert. Geplante persönliche Austausche wurden zuletzt abgesagt, wofür Covid-19 nur ein Grund unter mehreren war. Mindestens genauso schwer wiegen politische Differenzen: China und Japan stehen auf unterschiedlichen Seiten der zwei globalen Machtblöcke, die sich über die vergangenen Jahre und Monate deutlich herausgebildet haben. Auf indirektem Wege wurden auch schon Drohungen zu einem militärischen Konflikt ausgetauscht.

Dieser Tage aber ist die Hoffnung groß, dass sich bald zumindest einige Wogen glätten lassen. Wenn nämlich im chinesischen Ein-Parteien-Staat an diesem Wochenende der lang erwartete Parteikongress beginnt, dürften mehrere wichtige Beschlüsse gefasst werden; allen voran ein weiterer fünfjähriger Auftrag für Xi Jinping zur Regierungsführung. Und auch wenn mit Xi ein nationalistischer Hardliner in Peking regiert: Zumindest weiß die Welt dann, mit wem sie es perspektivisch zu tun haben wird.

China und Japan: Immobilienkrise und Corona-Lockdown bedrohen chinesische Wirtschaft

Kaum irgendwo ist dies so wichtig wie in Japan. Mit öffentlichen Äußerungen zum Gebaren in Peking hält man sich bewusst zurück. Aber in Tokio wird genau verfolgt, ob Xi vor allem loyale Kader in die Spitzenämter hebt oder womöglich mehr pragmatische Technokraten an Einfluss gewinnen. Letztes wäre der japanischen Regierung lieber: Für diesen Fall wird ein Aufblühen der sino-japanischen Beziehungen zumindest für möglich gehalten.

Die Wirtschaft hinkt derzeit nicht nur in China, wo sich eine Immobilienkrise aufbaut und das Wachstum insgesamt stockt, unter anderem wegen noch immer strenger Corona-Lockdowns. Japan hat seine Grenzen zwar vor einigen Tagen wieder geöffnet, leidet aber unter einem schwachen Yen, hohen Rohstoffpreisen und den seit Jahren bekannten Herausforderungen einer alternden und schrumpfenden Bevölkerung. Verstärkter Austausch mit China – wie von Japans größtem Industrieverband immer wieder gefordert – könnte helfen.

Trotz wirtschaftlicher Abhängigkeiten: China führt Territorialstreitigkeiten gegenüber Japan

Für Japan, das im Jahr 2010 von China als zweite Volkswirtschaft überholt wurde, ist kein anderer Wirtschaftsraum so bedeutend wie der chinesische. China ist sowohl der wichtigste Handelspartner für Importe nach Japan als auch für japanische Exporte nach China. So haben sich Politik und Industrie in Japan über die vergangenen Jahre immer wieder am chinesischen Markt orientiert, wenn es um Möglichkeiten weiteren Wachstums ging, die daheim begrenzt sind.

Allerdings ist das Verhältnis über die Jahre aus der Balance geraten. Nicht nur ist die chinesische Volkswirtschaft heutzutage deutlich größer, sie ist auch viel weniger abhängig von der japanischen als umgekehrt. Diese Entwicklung zu Gunsten Chinas wurde in Peking auch dazu genutzt, deutlicher auf die eigenen Standpunkte zu beharren. Wie mit diversen Staaten in Südostasien führt China auch gegenüber Japan Territorialstreitigkeiten. Solche Gebietsansprüche werden immer wieder mit patrouillierenden chinesischen Schiffen flankiert. (Felix Lill)

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