Dem enormen Druck der Regierung in Peking ausgesetzt: Uiguren in Xinjiang.  
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Dem enormen Druck der Regierung in Peking ausgesetzt: Uiguren in Xinjiang.

China

Verbotener Kinderwunsch bei Uiguren in China: „Demografischer Genozid“

  • vonFabian Kretschmer
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Mit Zwangsabtreibungen reduziert die Regierung in Peking die Geburtenraten der muslimischen Minderheit der Uiguren.

  • Die muslimische Minderheit der Uiguren wird in China systematisch unterdrückt
  • Eine Recherche belegt nun, dass die Regierung versucht, die Geburtenrate zu drosseln
  • Eine Beobachterin spricht von einem „langsamen, schmerzvollen Genozid“

Peking – Der Vorwurf lautet auf „demografischer Genozid“: Eine Recherche der Nachrichtenagentur AP belegt, mit welch drakonischen Maßnahmen die chinesische Regierung die Geburtenrate der muslimischen Minderheit in Xinjiang drosselt. Hunderttausende vorwiegend uigurische Frauen der sollen demnach zu Zwangssterilisationen und -abtreibungen gezwungen worden sein.

AP hat Dutzende Interviews geführt, darunter auch mit der mittlerweile nach Kasachstan geflüchteten Gulnar Omirzakh: Nachdem die Frau ihr drittes Kind zur Welt brachte, wurde sie von der Regierung dazu aufgefordert, sich eine Verhütungsspirale einsetzen zu lassen. Zwei Jahre später verlangten vier Militäroffiziere in Uniform zudem, dass die Familie eine Strafe von umgerechnet rund 2500 Euro zahlen müsse. Andernfalls würden sie in einem Internierungslager landen.

Uiguren: Anteil ethnischer Minderheiten in China insgesamt gestiegen

Dass es sich bei Gulnar Omirzakh nicht um ein Einzelschicksal handelt, belegen die Statistiken: Die Geburtenrate in den Regionen Hotan und Kashgar, die hauptsächlich von Uiguren bevölkert sind, brachen zwischen 2015 und 2018 um mehr als 60 Prozent ein. Gleichzeitig stieg die Zahl der Abtreibungen in Xinjiang um das Siebenfache auf 60 000 Eingriffe, während sie im restlichen Land deutlich sank.

Die Volksrepublik China ist ein kulturell vielfältiges Land, das seit seiner Volkszählung 1982 insgesamt 55 ethnische Minderheiten staatlich anerkennt. Noch während der Kulturrevolution (1966-77) war die Regierung diesen gegenüber stark misstrauisch eingestellt, viele Mitglieder der Gruppen waren beispielsweise willkürlicher Strafverfolgung und einer systematischen Assimilierungspolitik ausgesetzt. Gleichzeitig stieg jedoch der Anteil der Minderheiten an der Gesamtbevölkerung kontinuierlich. 1982 machten sie nur 6,7 Prozent aus, 1990 waren es bereits 8,0 Prozent.

China: Spannungen zwischen Uiguren und Kommunistischer Partei

Vor allem zwischen den Uiguren und der Kommunistischen Partei herrschten seit jeher krasse Spannungen. Teile der Bevölkerung nehmen die kommunistische Regierung als imperialistische Besetzer wahr, die die rohstoffreiche Region ausbeuten und die Bevölkerung unterjochen. Eine radikale Separatistenbewegung zeichnet zudem für einige der brutalsten Terroranschläge der letzten zwei Dekaden verantwortlich.

Peking hat darauf unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung mit einer systematischen Internierungskampagne reagiert, die in ihrem Ausmaß wohl ihresgleichen sucht. Rund eine Million Uiguren aus der abgelegenen Region hatte die chinesische Regierung laut Menschenrechtsorganisationen in Lagern eingesperrt. Insassen, die mittlerweile außer Landes leben, berichteten von Folter und politischer Indoktrination. Peking wertet die laut eigenen Angaben „Ausbildungszentren“ zur Entradikalisierung als Erfolg auf ganzer Linie. In den letzten drei Jahren sei es zu keinen Terroranschlägen von Uiguren mehr bekommen, heißt es in einer jüngst vom staatlichen Propagandasender CGTN ausgestrahlten Dokumentation.

China: „Langsamer, schmerzvoller Genozid“ an Uiguren 

Dass es bei den Lagern nicht nur um Terrorbekämpfung geht, haben bereits zuvor interne Datenleaks nahegelegt. Der Großteil der Internierten sitzt nämlich dort einzig aus dem Grund ein, zu viele Kinder gezeugt zu haben. Die nun von AP interviewten Frauen berichten, dass sie in den Lagern von Wächtern regelmäßige Injektionen verabreicht bekommen haben, die offenbar zur Verhinderung von Schwangerschaften eingesetzt wurden. Die Sinologin Jo Smith Finley von der Universität Newcastle bezeichnet das Vorgehen der chinesischen Regierung als „langsamen, schmerzvollen Genozid“. (Von Fabian Kretschmer)

Vor wenigen Monaten noch behauptete die Regierung in China, die Uiguren führten ein „glückliches Leben“. In Wirklichkeit reicht die Bedrohung der uigurischen Minderheit wahrscheinlich sogar bis nach Deutschland

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