Recep Tayyip Erdogan und Xi Jinping.
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Die Türkei und China nähern sich wirtschaftlich an.

Investition

Wirtschaftliche Annäherung: China fasst in Europa Fuß durch Investitionen in der Türkei

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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China will groß investieren - die Wirtschaftskrise in der Türkei kommt daher gelegen. Mit Großprojekten wird der Türkei unter die Arme gegriffen. China fasst damit in Europa weiter Fuß.

  • Die türkische Wirtschaft befindet sich unter Präsident Recep Tayyip Erdogan in einer schweren Krise.
  • Mit milliardenschweren Investitionen greift China der Türkei unter die Arme.
  • China investiert weltweit und will sich auch in Europa Einfluss sichern.

Ankara - Die Lira fällt und fällt - die Währung der Türkei hat ein historisches Allzeittief erreicht. Jetzt zählt Ankara auf die Hilfe Chinas, um die Wirtschaftskrise unter Kontrolle zu bekommen. Während unter Präsident Recep Tayyip Erdogan die Krise weiter befeuert wird, bietet China mit milliardenschweren Investitionen eine „Rettungsleine“, wie sie das amerikanische Magazin „Foreign Policy" nennt.

Wirtschaftskrise in der Türkei: Milliardenschwere Investitionen aus China

Mit Zinssenkungen verfolgte Erdogan das Ziel, die Konjunktur kurzfristig anzukurbeln. Doch unter dem Expansionskurs, den der Präsident fährt und dem Traum, erneut zur Großmacht aufzusteigen, brach die Wirtschaft vor allem mit der Corona-Pandemie ein. Diese Krise kommt China gelegen: Seit 2016 haben die Türkei und China zehn bilaterale Abkommen unterzeichnet, darunter auch Beschlüsse für den Gesundheits- und Energiesektor. Mittlerweile ist China das zweitgrößte Importland der Türkei, gleich nach Russland. Drei Milliarden Dollar soll China bereits in die Türkei investiert haben. Bis 2021 sollen bisherige Investitionen auf etwa 6 Milliarden Dollar verdoppelt werden. Rund 1.000 chinesische Unternehmen operieren derzeit in der Türkei. Auch militärische Zusammenarbeit und Entwicklung werden gefördert. Chinas Geld konnte Erdogan in entscheidenden Momenten bislang vor dem Schlimmsten bewahren.

Doch das Verhältnis zwischen den Staaten sah vor wenigen Jahren noch ganz anders aus. Jahrelang kritisierte Erdogan Chinas Umgang mit der muslimischen Minderheit der Uiguren und sprach 2009 sogar von einem „Genozid“. Viele Uiguren sollen in der Türkei Zuflucht gefunden haben. 2016 kam die Wende: Ein uigurischer Aktivist, der seit 2001 in der Türkei lebte, wurde verhaftet. Die Türkei soll ein Verfahren eingeleitet haben, um ihn und Hunderte weitere Uiguren an China auszuliefern. Der Grund für Erdogans Kehrtwende war recht simpel: Die bröckelnde Wirtschaft.

Investitionen in Europa: China kommt der Türkei näher

Für das amerikanische „Foreign Policy“-Magazin ist klar: China will die Türkei in einen „Satellitenstaat“ umfunktionieren. Doch eine verstärkte Beziehung erscheint für Beide sinnvoll, zumindest fürs Erste. Das chinesische Infrastrukturprogramm, das hierzulande als „Neue Seidenstraße“ bezeichnet wird, öffnet der Türkei wieder finanzielle Spielräume und bietet China einen Weg, in Europa Fuß zu fassen - und damit einen vergrößerten geopolitischen Einfluss, sowie finanzielle Kontrolle.

Mit Eisenbahnverbindungen, die Europa über Eurasien mit China vernetzen sollen und ausgebauten Handelswegen werden Peking und Ankara nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch näher zusammenrücken. Das Geld aus Fernost bedeutet, dass die Türkei zum einen nicht auf westliche Hilfe angewiesen sein wird, zum anderen könnten die hochkarätigen Großprojekte Erdogan in seinem Traum bestätigen, die Türkei wieder mächtiger erscheinen zu lassen. Mehr kann sich das Land am Bosporus derzeit nicht leisten. (Lukas Rogalla)

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