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Möglicher Angriff auf Taiwan: USA beobachten China „sehr genau“

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Von: Lukas Zigo

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Der Chef des US-Militärs sagt, die USA beobachten „sehr, sehr genau“, ob es Anzeichen für einen Angriff Chinas auf Taiwan gibt.

Washington D.C. – Mark Alexander Milley ist der Vorsitzende des vereinigten Generalstabs der Streitkräfte der USA. Ihm zufolge beobachten die Vereinigten Staaten aufmerksam, was China in Bezug auf seinen demokratischen Nachbarn plant. „Es gibt derzeit keine Anzeichen oder Warnungen vor einem bevorstehenden Angriff“, sagte General Milley. „Aber wie gesagt, wir beobachten die Lage sehr, sehr genau.“

Eine Entscheidung Pekings für einen Angriff wäre eine politische Entscheidung, die auf Chinas Sicht des „Kosten-Risiko-Nutzen-Verhältnisse zu diesem Zeitpunkt“ basieren würde, so Milley. Er verwies auch auf die wiederholten Drohungen von Präsident Xi Jinping, die Insel notfalls mit Gewalt zurückzuerobern.

China: Liz Truss warnt Xi Jinping vor „strategischer Fehlkalkulation“ wie Putin

Die Erklärung kommt in einer Zeit, in der die Angst vieler Taiwanesen vor einem Einmarsch Chinas in die selbstverwaltete Insel zunimmt. Dies hatte viele Einheimische dazu veranlasst, Waffentraining und Erste-Hilfe-Kruse zu absolvieren. Letzte Woche warnte die britische Außenministerin Liz Truss China auf dem G7-Gipfel in Madrid, dass jeder Versuch einer Invasion Taiwans eine „katastrophale Fehlkalkulation“ wäre.

Die Taiwanesische Marine probt inmitten der hohen Spannungen für den Ernstfall. (07. Januar 2022)
Die Taiwanesische Marine probt inmitten der hohen Spannungen für den Ernstfall. (07. Januar 2022) © Ceng Shou Yi via www.imago-images.de

Die britische Außenministerin sagte, Peking laufe Gefahr, denselben Fehler wie Russlands Präsident Wladimir Putin zu begehen: „Genau das haben wir im Fall der Ukraine gesehen – eine strategische Fehlkalkulation Putins.“

China sieht Gewalt als legitimes Mittel für die Eingliederung Taiwans

Seit 1949 nationalistische Kräfte vor Mao Tsetung auf die „Insel“ Taiwan (eigentlich ein Archipel) flohen, ist Taiwan selbstverwaltet. Maos Kommunisten hatten die Kontrolle über China übernommen. Die neu gebildete Regierung in Peking betrachtet Taiwan seitdem als rebellische Provinz.

China hat geschworen, die Kontrolle über die Insel wiederzuerlangen und sagt, dass Gewalt eine Option sein könnte, um dieses Ziel zu erreichen. Währenddessen verstärkt China seine militärischen Provokationen gegen Taiwan deutlich. Im Juni entsandte Taiwan Kampfflugzeuge, um eine Flotte von 29 chinesischen Kampfjets, darunter auch Bomber zu warnen, die in seine Luftverteidigungszone eindrangen – der drittgrößte Übergriff Chinas seit Jahresbeginn.

China testet unaufhörlich die Reaktionsfähigkeit Taiwans

Nach Angaben des taiwanesischen Verteidigungsministeriums waren 17 Kampfflugzeuge und sechs H-6-Bomber sowie Flugzeuge zur elektronischen Kampfführung, Frühwarnung, U-Boot-Abwehr und Luftbetankung an dem Übergriff beteiligt. Während die Bomber südlich der Insel und in den Pazifik flogen, folgen einige Jets nach offiziellen Angaben nordöstlich der Pratas.

US-Militäranalysten sind jedoch der Meinung, dass China aktuell nicht über die nötige „Sea-Lift-Capacity“ (zu Deutsch: Seelandekapazität) verfügt, um eine erfolgreiche Landung an Taiwans Küste durchzuführen. China arbeitet zuletzt jedoch an einer Strategie der Konversion von zivilen Transportern zu Militärtransportern. Diese könnte so effizient sein, dass sie China nahe an die Seelandekapazitäten des „Military Sealift Command“ der USA herankommt, so die Analysten des ISM (Institute of the Study of War).

China führt Militärübung vor Taiwan durch

Die Frage der Souveränität Taiwans ist nur einer der jüngsten Knackpunkte in den Beziehungen zwischen China und den USA. Diese unterhalten informelle, aber sehr enge Beziehungen und Verteidigungsbündnisse mit Taipeh.

Die chinesische Volksbefreiungsarmee führte im Mai als „feierliche Warnung“ vor „geheimen Absprachen“ mit den USA eine Übung rund um Taiwan durch. Dies geschah, nachdem US-Präsident Joe Biden eine Änderung der Politik der „strategischen Zweideutigkeit“ in Bezug auf Taiwan signalisiert hatte, indem er erklärte, das Land werde sich militärisch einmischen, wenn China die Insel angreife. (lz)

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