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WHO-Chef Tedros hatte anfangs viel Lob für Peking. 

WHO

Von China eingelullt?

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War die Weltgesundheitsorganisation Peking gegenüber zu leichtgläubig? Die Kritik an der WHO auf dem Prüfstand.

US-Präsident Donald Trump hat sich die Weltgesundheitsorganisation WHO vorgenommen: Er kündigte an, die Zahlungen an die UN-Organisation zu stoppen. Trump macht die WHO für die vielen Toten in der Coronavirus-Pandemie mitverantwortlich. Will Trump damit von seinem eigenen schlechten Management der Krise ablenken? Oder ist etwas dran an den Vorwürfen, die Organisation habe anfangs die Krise „schlecht gehandhabt“ und eine Rolle bei der angeblichen Vertuschung der Gefahren durch China gespielt? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Warum stellt sich Trump gegen die WHO?

Der US-Präsident ist im eigenen Land schwer unter Druck geraten, weil er die Viruskrise über Wochen hinweg heruntergespielt hat. Derzeit gehören die USA zu den am schwersten vom Coronavirus betroffenen Ländern. Mindestens 30 000 Menschen sind inzwischen gestorben. Die US-Wirtschaft ist im freien Fall, die Zahl der Arbeitslosenzahlen so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Es könnte also sein, dass Trump einen Sündenbock sucht. Denn er muss derzeit fürchten, dass er im November nicht wiedergewählt wird. Die Kritik Trumps an China hat aber auch mit der geopolitischen Rivalität zwischen den USA und China zu tun. Bemerkenswert ist, dass Trump noch Ende Januar voll des Lobes über die chinesische Reaktion auf das Coronavirus war. Auch die WHO war damals für ihn noch kein Thema. Sein Ton gegenüber China verschärfte sich erst im März, und die WHO wurde erst vor wenigen Tagen zur Zielscheibe Trumps.

Wie hat die WHO auf den Virus-Ausbruch in Wuhan reagiert?

Die Weltgesundheitsorganisation gab sich zu Beginn der Pandemie beeindruckt von den Bemühungen Chinas – und das, obwohl zumindest inzwischen klar ist, dass die Behörden in Peking anfänglich versucht haben, das Problem herunterzuspielen. Am 20. Januar etwa sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus, China setze „einen neuen Standard für die Reaktion auf einen Krankheitsausbruch“. Mitte Februar sagte der Chef einer WHO-Delegation nach einem Besuch in Wuhan, China habe den „wahrscheinlich ambitioniertesten und meiner Meinung nach entschlossensten und flexibelsten Versuch einer Krankheitseindämmung in der Geschichte“ unternommen. Am 11. März musste die WHO die globale Coronavirus-Verbreitung zur Pandemie erklären.

Welche Fehler hat die WHO begangen?

Das lässt sich noch nicht sagen. Die 1948 gegründete UN-Organisation ist nach Ansicht von Kennern nicht besonders gut auf den Ausbruch einer weltweiten Viruskrise vorbereitet. So kann sie zwar viele Appelle an ihre Mitgliedstaaten richten. Sie hat aber keinerlei Richtlinienkompetenzen und schon gar keine Möglichkeiten, den nationalen Regierungen etwas vorzuschreiben. Dazu sagt Niels Annen, Staatsminister im Auswärtigen Amt: „Die WHO ist nur so stark, wie ihre Mitgliedsländer sie machen.“ Kritiker wenden allerdings ein, dass sich die WHO von China in der ersten Phase der Viruskrise einlullen ließ. Peking ließ wertvolle Tage verstreichen, bevor es vor dem Virus warnte. Die WHO hätte, sagen Experten, weniger leichtgläubig sein dürfen. Sie hätte stattdessen den Versicherungen Pekings, man habe die Lage im Griff, mit mehr Skepsis begegnen müssen.

Rechtfertigt das den Geldentzug?

Nein, sagen die Unterstützer der WHO wie Deutschland, Frankreich, die EU und zahlreiche andere Staaten. Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) bemerkte etwa, die WHO bleibe „das Rückgrat der internationalen Pandemiebekämpfung“. Die Bedeutung der WHO dürfe gerade in der jetzigen Phase der Pandemie nicht infrage gestellt werden. „Das ist der denkbar schlechteste Zeitpunkt. Sie zu schwächen wäre nichts anderes, als in einem laufenden Flug den Piloten aus dem Flugzeug zu werfen, und das halten wir nicht für verantwortbar.“ Erst müsse, so sagen die Anhänger der WHO, die Pandemie beendet sein. Dann werde man sich auf die Suche nach Fehlern begeben, um deren Wiederholung bei Viruskrisen in der Zukunft möglichst zu vermeiden.

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