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Corona: 180 Millionen Menschen in China von Lockdowns betroffen

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Von: Sandra Kathe

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Mit Massentests, Quarantänezentren und harten Lockdowns setzt China seine Null-Covid-Strategie weiter fort. Doch erste Proteste werden laut.

Peking – Trotz rigoroser Corona-Maßnahmen verzeichnet China aktuell so viele Corona-Fälle, wie noch nie seit Ausbruch der Pandemie und reagiert mit verpflichtenden Massentests, harten Strafen bei Missachtung von Lockdowns und der Einrichtung von Quarantänezentren, in denen Menschen teils wochenlang festgehalten werden. Auch die Weltwirtschaft bekommt die Folgen der chinesischen Corona-Politik schon zu spüren, und in China regt sich erster Widerstand.

So berichtet etwa das Nachrichtenportal University World News von Protesten unter Studierenden der Universität Fudan in Shanghai, auf die Sicherheitsbehörden vergangenen Mittwoch (20. April) mit dem Einsatz von auf Aufstände spezialisierter Teams geantwortet haben sollen. Auch die Internetverbindung auf dem Campus sei laut Angaben von Eltern der Studierenden zeitweise gekappt worden. Wie viele Studierende festgenommen wurden oder ob sie inzwischen wieder auf freiem Fuß seien, dazu gäbe es laut des Berichts keine Informationen. Der Universitäts-Campus sei bereits seit dem 13. März im Lockdown.

Corona-Lockdowns in China: Peking mit 50 Fällen pro Tag – Massentests für 22 Millionen Menschen

Laut Informationen des US-Nachrichtensenders CNN sollen landesweit inzwischen 180 Millionen Menschen von Lockdowns betroffen sein. Auch in der Hauptstadt Peking wurden unlängst rund 150 Gebäude abgeriegelt, nachdem rund hundert Corona-Infektionen binnen einer Woche nachgewiesen worden waren. Fast alle 22 Millionen Einwohner müssen sich auf das Virus testen lassen. Am Donnerstag wurden 50 Corona-Neuinfektionen aus der chinesischen Hauptstadt gemeldet, landesweit waren es laut Gesundheitsministerium mehr als 11.000 Fälle.

Nach einem Corona-Verdachtsfall am Flughafen der Handelsmetropole Guangzhou mussten sich am Donnerstag 5,6 Millionen Einwohner auf das Coronavirus testen lassen.
Nach einem Corona-Verdachtsfall am Flughafen der Handelsmetropole Guangzhou mussten sich am Donnerstag 5,6 Millionen Einwohner auf das Coronavirus testen lassen. © STR/AFP

Wie streng Chinas Null-Covid-Strategie umgesetzt wird, zeigt jüngst auch das Beispiel der Handelsmetropole Guangzhou, an deren Flughafen ein „abnormales“ Testergebnis aufgetreten sei. Daraufhin wurde rund ein Drittel der 19 Millionen Einwohner:innen zu Massentests einberufen, hunderte Flüge wurden ersatzlos gestrichen.

Corona-Politik in China: Quarantäne-Zentren mit schockierenden Zuständen

In einigen Städten Chinas wurden in den vergangenen Wochen vermehrt Quarantäne-Zentren eingerichtet, in denen chinesische Bürger:innen teils wochenlang festgehalten werden. In einem Videointerview erzählte eine in China lebende US-Amerikanerin nach einer dreiwöchigen Quarantäne von schockierenden Erfahrungen.

Die riesige Halle des Quarantänezentrums, in dem sie untergebracht gewesen sei, hätte Platz für 4000 Menschen in Quarantäne geboten und sei nicht nur laut, sondern auch rund um die Uhr beleuchtet gewesen. Möglichkeiten zum Duschen habe es nicht gegeben, auch keine Rückzugsorte oder Privatsphäre für die festgehaltenen Bürger:innen.

Folgen der Corona-Maßnahmen in China: Lockdown kostet Apple Milliarden

Im Rest der Welt wächst unterdessen die Sorge, dass die Corona-Lage in China massive Auswirkungen auf weltweite Lieferketten haben könnte. Die ständigen Lockdowns haben der Wirtschaft geschadet und unter anderem zu Rückstau im weltweit verkehrsreichsten Containerhafen in Shanghai geführt.

Ein konkretes Beispiel für die Folgen der Lockdowns in China hat kürzlich US-Technologiekonzern Apple geliefert. Das Unternehmen erklärte am Donnerstag, dass sein Umsatz zwischen April und Juni wegen Fabrikschließungen und geringerer Nachfrage um vier bis acht Milliarden Dollar (3,8 bis 7,6 Milliarden Euro) geringer ausfallen könnte als bislang prognostiziert. (ska/AFP)

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