+
US-Justizminister Eric Holder versichert: Die USA würden keine Wirtschaftsspionage betreiben.

China attackiert USA

Peking prangert Spionage Washingtons an und kritisiert die Anklage gegen chinesisches Militär.

Von Inna Hartwich

Ein Jahr hat sie gehalten, die Kooperation zwischen Chinesen und Amerikanern, bei Fragen der Cyber-Sicherheit zusammenzuarbeiten. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe, so hatte es bei der Vorstellung geheißen, wollten beide Seiten Fehleinschätzungen verhindern und so Konflikte vermeiden. Die Streitigkeiten aber ließen sich offenbar nicht aus dem Weg räumen. Der Cyber-Krieg ist wieder da. Er dürfte nie weg gewesen sein. Aus der Arbeitsgruppe sind die Chinesen vorerst ausgestiegen – und zeigen ihren Ärger.

Fünf Offizieren der chinesischen Volksbefreiungsarmee wirft die US-Regierung vor, über das Internet vertrauliche Unterlagen von US-Firmen – unter ihnen der Stahlkonzern US Steel, der Ausstatter für Atomkraftwerke Westinghouse Electric, der Aluminiumhersteller Alcoa und ein in Oregon ansässiges Tochterunternehmen des deutschen Solarworld – gestohlen zu haben.

Ein Grund, die Hacker wegen Cyber-Spionage zu verklagen. Die Anklageschrift umfasst 31 Punkte, darunter sind Internetbetrug, Installation von schädlicher Software, schwerer Identitätsdiebstahl, Diebstahl von Handelsgeheimnissen und Wirtschaftsspionage. „Genug ist genug“, hatte das US-Justizministerium am Montag erklärt. Die Einbußen würden auf 24 bis 120 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt, hieß es in der Zeitung „Washington Post“.

Die USA selbst betrieben keine Wirtschaftsspionage, erklärte der US-Justizminister – was den USA im Zusammenhang mit dem NSA-Skandal jedoch mehrfach vorgeworfen worden war.

Am Dienstag schossen die Chinesen zurück. „Absichtlich erfundene Fakten“ seien das. „Sie gefährden das Vertrauen und die Kooperation zwischen China und Amerika“, sagte gestern der Außenamtssprecher Qin Gang. Die Chinesen bestellten den US-Botschafter in Peking, Max Baucus, ins Außenministerium ein, um ihren Protest mitzuteilen. „Niemals“ seien Chinas Regierung und Militär an Cyber-Diebstahl von Handelsgeheimnissen beteiligt gewesen, sagte Qin. Energisch bestritt er die Anschuldigungen der Amerikaner und warf Washington seinerseits weitreichende Abhöraktionen und Überwachung ausländischer Regierungen und Unternehmen vor. „Die USA müssen ihre Fehler sofort korrigieren und die Anklage zurücknehmen.“

China sieht sich – wieder einmal – in der Opferrolle. Der Vorwurf der Amerikaner ist ebenfalls wohlfeil. Seit Langem werfen sich beide Seiten vor, Spionage und Sabotage zu betreiben. Dass beide Staaten in fremden Ländern schnüffeln, legen nicht nur die NSA-Affäre und die Bestätigung Chinas, 30 Elite-Hacker zu beschäftigen.

Beobachter sprechen allerdings von Tausenden chinesischen Cybersoldaten, die unter dem Namen „Einheit 61398“ Regierungen und Unternehmen ausspionierten. Auf diese Einheit hatte im Februar 2013 die US-Sicherheitsfirma Mandiant in einer Untersuchung die Aufmerksamkeit auf eine Sonderheit der chinesischen Streitkräfte gelenkt, die in einem Gebäude in Shanghai untergebracht sei.

Laut Chinas Regierung aber trügen solche Hacker zur Sicherheit der Volksbefreiungsarmee und somit auch zur Sicherheit des Landes bei.

Auch Amerikaner sprechen gern von der Sicherheit ihres Landes, wenn sie Überwachungsmechanismen rechtfertigen. Es ist die vordergründige Erklärung. Was die Kontrahenten – beide besitzen hohes technisches Knowhow – im Hintergrund tun, das werfen sie sich stets gegenseitig vor: „Ihr bestehlt uns.“ „Nein, wir sind die Bestohlenen.“ Sagen die einen wie auch die anderen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion