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Der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge.
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Der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge.

Porträt

Mit Chili-Tee und Konsequenz

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, versteht es, durch geschickte Dosierung von Chili Wirkungen zu erzielen.

Er liebt es scharf. Wenn Andreas Troge (59) unterwegs zu Öko-Tagungen ist, hat er immer Chilipulver und getrocknete Chilischoten dabei. Das Essen dort, befindet er, "braucht häufig etwas Würze". Doch der Chef des Umweltbundesamtes (UBA) versteht es, durch geschickte Dosierung auch andere gewünschte Wirkungen zu erzielen. Der Chili- Tee, den er seinen Besuchern serviert, hat Tasse um Tasse ansteigend eine "leicht narkotisierende Wirkung". Auch harten Streit, etwa über Etat-Kürzungen, unwirksame Diesel-Partikelfilter und Sinn oder Unsinn neuer Kohlekraftwerke, konnte er so in beruhigter Atmosphäre absolvieren.

Troge, der sein Amt als oberster Öko-Berater der Bundesregierung Ende Juli aufgibt, weil die Gesundheit nicht mehr mitspielt, galt schon früh als "harter, aber kooperativer Arbeiter". Ohne eine solche Persönlichkeitsstruktur hätte der Berliner Unternehmersohn seine 14 Jahre an der Spitze des Amts auch gar nicht durchgehalten. Die politische Umwelt, in der er agierte, änderte sich in den Jahren nämlich extrem. Zuerst war die damalige CDU-Umweltministerin Angela Merkel seine Dienstherrin, dann kam der Grüne Jürgen Trittin, zuletzt der Sozialdemokrat Sigmar Gabriel. Troge, selbst CDU-Mitglied, konnte mit allen. Der Grund: Die Ökologie geht bei ihm strikt vor Parteiraison.

Theoretisch war das nicht schwierig. Umwelt- und Klimaschutz fanden alle irgendwie gut seit Anfang der 1990er Jahre, als der Volkswirt zum UBA kam. Doch beim "wie" flogen die Fetzen. Der konservative Troge, als Umweltreferent beim Bundesverband der Deutschen Industrie ins Berufsleben gestartet, setzte sich für die von der Union mit "Benzinwut"-Wallungen bekämpfte Ökosteuer ein, die später Rot-Grün einführte. Er hielt Kurs, auch wenn die Lobbys dagegen trommelten. Einen Ausstieg aus dem Atomausstieg lehnt er ab und hat keine Furcht vor einer "Stromlücke", wie sie Energiekonzerne an die Wand malen, um Kohle-Kraftwerke durchzudrücken. Auch Kohle-Befürworter Gabriel musste erfahren, dass Troge, der verbindlichen Art des bekennenden evangelischen Christen zum Trotz, keineswegs stromlinienförmig ist.

Der UBA-Chef hielt sein Amt als Motor der Umweltdebatte am Laufen und erweiterte es um Ressourcen- und Gesundheitsschutz. Dies allen Widrigkeiten zum Trotz: erst Mittelkürzungen, dann 2005 der Umzug von Berlin, nahe an der Macht, in die Provinz nach Dessau. Manch alter UBA-Kämpe schied da aus. Den Generationenwechsel hat er noch begleitet, nun hört Troge auf. Doch einmischen will er sich weiter: "Die Folgen des Klimawandels sind wie Diabetes. Wenn sie sich schädlich auswirken, ist es zu spät."

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