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Augusto Pinochet putsche sich 1973 an die Macht - und beugte sich 1989 einer Volksabstimmung, die seine Diktatur beendete.

Von Allende bis Piñera

Chiles wechselvolle Historie

Den Sozialismus fegte ein Militärputsch hinweg - und die brutale Diktatur Pinochets wiederum eine Volksabstimmung: Chile hat eine bewegte politische Vergangenheit.

Der Sozialist Salvador Allende gewann 1970 die Präsidentschaftswahlen in Chile. Er setzte starke Lohnerhöhungen für Arbeiter durch, fror Mieten und die Preise für wichtige Grundlebensmittel ein und erreichte eine kostenlose Schulbildung und Gesundheitsversorgung. Unter seiner Präsidentschaft wurden Bergbauunternehmen verstaatlicht sowie ausländische Großkonzerne und Banken enteignet. Im Zuge einer Agrarreform wurde zudem ein großer Teil der landwirtschaftlich genutzten Fläche Chiles verstaatlicht. Ausbleibende ausländische Investitionen, Versorgungsengpässe und eine extrem hohe Inflation führten zu Streiks und Protesten, die vom amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA mit Millionen US-Dollar angeheizt wurden. Schließlich kippte die Stimmung gegen Salvador Allende. 

Der Putsch General Augusto Pinochets am 11. September 1973 leitete daraufhin eine 17 Jahre dauernde Militärdiktatur in Chile ein. Andersdenkende wurden brutal verfolgt, ermordet oder ins Exil getrieben. Politische Parteien und Gewerkschaften waren verboten, das Parlament aufgelöst, die Pressefreiheit aufgehoben und gewerkschaftliche Aktivitäten unterdrückt. Die Wirtschaft des Landes wurde an neoliberalen Prinzipien ausgerichtet: Ausländische Investitionen wurden gefördert, Zölle abgebaut und das Land dem Weltmarkt geöffnet. Erst spät, Mitte der 1980er Jahre, stellte sich der wirtschaftliche Erfolg ein, und politische Parteien wurden wieder zugelassen. 

1989 beugte sich Pinochet dem Votum einer Volksabstimmung, bei der sich eine Mehrheit der Chilenen gegen eine weitere Amtszeit des Präsidenten ausgesprochen hatte. Pinochet und seine Regierung traten ab und 1990 übernahm Patricio Aylwin das Präsidentenamt, der für das breite Mitte-links-Bündnis CPD aus Christdemokraten, Liberalen, Sozialdemokraten und Sozialisten angetreten war. Aylwin und seine Nachfolger behielten zwar den wirtschaftlichen Kurs Pinochets bei, setzten sich aber für eine soziale Abfederung des neoliberalen Modells und die Armutsbekämpfung ein. Bis zum ersten Amtsantritts Sebastián Piñeras 2010 gehörten alle Präsidentinnen und Präsidenten dem CPD-Bündnis an. 

Präsident Piñera war von 2010 bis 2014 und ist seit 2018 wieder Präsident Chiles. Er gehört der konservativ-rechtsgerichteten Partei RN an. In Folge der aktuellen Massenproteste gegen niedrige Renten, hohe Studiengebühren und soziale Ungleichheit rief Piñera den Notstand aus und weckte mit dem Einsatz von Streitkräften bei Patrouillen bei vielen Menschen im Land Erinnerungen an die Militärdiktatur Pinochets. (prfs)

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