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Gedenken und Mahnung. Straßenszene in Santiago de Chile.
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Gedenken und Mahnung. Straßenszene in Santiago de Chile.

Corona

Chile: Vom Corona-Musterland zum Problemfall

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Trotz vieler Impfungen sind die Zahlen der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Chile sehr hoch – doch liegt es am Impfstoff?

Es gab einen Zeitpunkt, da galt Chile als der Pandemiemusterschüler Südamerikas. Mitte Januar begann die Kurve der Covid-Neuinfektionen zu sinken und fiel bis Ende Februar weiter ab. Doch im März kam die Wende zum Schlechten. Auf einmal ging die Kurve wieder steil nach oben, bis auf mehr als 9000 Neuinfektionen (bei 19 Millionen Einwohner:innen) am 9. April, dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie in Chile. Mittlerweile hat sie sich auf einem relativ hohen Plateau von etwa 7000 Neuinfektionen pro Tag stabilisiert. Auch die Zahl der schweren Verläufe und Toten ist wieder gestiegen. Zum 1. April verschärfte die Regierung deshalb den im Dezember gelockerten nationalen Lockdown erneut.

Das alles, obwohl in Chile mittlerweile mehr als 40 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal und rund 30 Prozent sogar schon zweimal geimpft sind. Wie kann das sein? Eine einfache Antwort erscheint kaum möglich, zu komplex ist die Situation.

Chile: Impfstoff „Sinovac“ schützt laut einer Studie nur zu 56,5 Prozent vor Corona-Infektion

Dass sich trotzdem so viele Menschen infiziert haben, könnte zum einen mit den eingesetzten Vakzinen zu tun haben. So wurde in Chile bisher die überwältigende Mehrheit mit dem chinesischen Impfstoff der Firma Sinovac geimpft und nur ein geringer Teil mit dem mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer. Inzwischen sind in Chile auch die Impfstoffe von Astrazeneca und der chinesischen Firma CanSino zugelassen, beides Vektorimpfstoffe.

Bei dem bisher am meisten gespritzten Präparat von Sinovac handelt es sich um einen Totimpfstoff auf Basis eines inaktivierten Coronavirus. Er soll laut einer Studie der Universität von Chile nach der zweiten Dosis zu 56,5 Prozent vor einer Infektion schützen. Schwere Verläufe soll es zu mehr als 85 Prozent verhindern. Das Hauptproblem könnte allerdings darin bestehen, dass der Schutz vor einer Infektion nach der ersten Dosis sehr gering ausfällt, laut der Universität von Chile soll er nur drei Prozent betragen. Je nach Untersuchung variieren die Angaben zur Wirksamkeit des Sinovac-Vakzins allerdings stark. Klar scheint freilich zu sein: In der Zeit zwischen der ersten und zweiten Impfung ist das Risiko relativ hoch, sich mit Sars-CoV-2 anzustecken.

Chile: Änderung der Impfstrategie gegen Corona

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters will die Regierung in Chile deshalb jetzt die Impfstrategie ändern und fortan nicht mehr möglichst zügig möglichst vielen Menschen die erste Dosis spritzen. Vielmehr will man sich darauf konzentrieren, Geimpften die zweiten Dosen zu verabreichen, um schneller in der Breite einen guten Impfschutz herzustellen.

Eine nicht geringe Rolle beim Infektionsgeschehen könnte auch die brasilianische Virusvariante P1 spielen, die sich in Chile zunehmend verbreitet – vermutlich auch deshalb, weil viele Menschen während des gelockerten Lockdowns in Brasilien Urlaub gemacht haben. Der Impfstoff von Sinovac soll laut einer in Brasilien durchgeführten Studie noch eine Wirksamkeit von 50 Prozent gegen diese Variante habe. Für die anderen Vakzine lässt sich eine Aussage derzeit nur schwer treffen.

NationChile
KontinentSüdamerika
HauptstadtSantiago de Chile
Bevölkerung18,95 Millionen (Stand 2019)
Fläche756.950 km²
StaatspräsidentSebastián Piñera

Gegenüber dem Sender BBC sagte die Immunologin Susan Bueno von der Pontifical Catholic University, sie vermute, dass die neuen Varianten eine „gewaltige Auswirkung“ hätten – ebenso wie die Tatsache, dass während der Sommermonate - unserem Winter – die Menschen Maßnahmen wie Abstandhalten und Maskentragen vernachlässigt hätten. Nicht ausgeschlossen, dass zudem auch saisonale Einflüsse einen Beitrag leisten: In Chile ist gerade Herbst. (Pamela Dörhöfer)

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