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Norbert Röttgen.

Norbert Röttgen

Chancenloser Außenseiter

  • Steffen Herrmann
    vonSteffen Herrmann
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Norbert Röttgen, „Muttis Klügster“, galt einst als Mann der Zukunft. Jetzt ist er abgemeldet.

Eigentlich müsste er Favorit sein im Rennen um den CDU-Vorsitz: Norbert Röttgen, 55, inszeniert sich als moderner Konservativer, der mit seiner frühen Unterstützung des Atomausstiegs Sympathiepunkte bei den Grünen sammeln konnte. Er kommt aus Nordrhein-Westfalen – und damit aus jenem Land, das fast ein Drittel der Delegierten beim CDU-Bundesparteitag stellen wird. Dazu spielt der 55-Jährige die Rolle des Intellektuellen, der auch emotional reden kann. Bloß: Helfen wird all das wohl nicht. Röttgen gilt als chancenlos.

Der Außenpolitiker startete als Außenseiter in den parteiinternen Wettbewerb, seitdem haben sich seine Aussichten nicht verbessert. Zwar ist er Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, aber in den Ausnahmezeiten einer Pandemie bietet ein Bundesministerium (Spahn) oder das Amt des Ministerpräsidenten (Laschet) eine bessere Bühne. Röttgen dringt - ähnlich wie Friedrich Merz - mit seinen Botschaften nicht zu den Parteimitgliedern oder der Öffentlichkeit durch.

Dabei weiß Röttgen, wie man einen innerparteilichen Wettkampf gewinnt. Schon einmal trat er gegen Armin Laschet an: 2010 bewarben sich beide um den CDU-Landesvorsitz in Nordrhein-Westfalen. Nach einer Urwahl hieß der Sieger: Norbert Röttgen.

Kraftprobe in der Union: Die weiteren Bewerber für CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur

Doch das ist lange her. Damals stellte sich Röttgen der CDU-Basis an Rhein und Ruhr als Bundesumweltminister vor. Er galt als Kronprinz der Kanzlerin, „Muttis Klügster“, als einer, dem die Zukunft der Christdemokraten gehörte.

Dort angekommen ist Röttgen nicht. Stattdessen brachte er sich selbst zu Fall: Im Wahlkampf 2012 um die Düsseldorfer Staatskanzlei wollte sich Röttgen nicht festlegen, ob er auch bei einer Niederlage aus der Bundes- in die Landtagspolitik wechseln wolle.

Die Folgen des Zögerns: 26,3 Prozent für die CDU, das bislang schlechteste Ergebnis in NRW. Der CDU-Landesvorsitzende Röttgen trat zurück, der Bundesumweltminister Röttgen wurde von der Kanzlerin entlassen – nachdem er einen Rücktritt verweigert hatte.

Knapp acht Jahre später will Röttgen zurück in die erste Reihe der Bundespolitik. Der Stratege betont, dass er nicht nur CDU-Vorsitzender, sondern auch Kanzlerkandidat sein will, lässt die Tür für Markus Söder aber offen: Sollte man nach 16 Jahren Kanzlerschaft erneut den Kanzler stellen, „wäre das ein großer Erfolg für die Union“, sagte Röttgen zuletzt und fügte hinzu: „Unabhängig davon, ob CDU- oder CSU-Kanzler.“

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