Pandemie

Chancen für den Frieden nach Corona

Gutachten zur Weltlage.

Die Corona-Pandemie hat laut führenden Friedensforschern alarmierende Auswirkungen auf Krisenherde in der Welt. Die Bundesregierung müsse sich deshalb intensiv für die friedliche Überwindung von Konflikten einsetzen, sagte der Bonner Friedensforscher Conrad Schetter vom International Center for Conversion (Bicc) am Dienstag bei der Vorstellung des Friedensgutachtens 2020.

Das Friedensgutachten erscheint jährlich seit 1987. Beteiligt sind neben dem Bicc und Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg sowie das Institut für Entwicklung und Frieden der Universität Duisburg-Essen.

Die vier Institute rufen die Bundesregierung dazu auf, die Corona-Krise auch als Chance zu nutzen. Mit Blick auf den Isolationismus der USA müsse über eine Sicherheits- und Friedenspolitik „jenseits der Nato“ diskutiert werden, sagte Schetter. Besonders wichtig sei eine Debatte über die nukleare Teilhabe Deutschlands, hob Nicole Deitelhoff von der HSFK hervor. Den von Donald Trump angekündigten Teilabzug von US-Truppen aus Deutschland wertete sie „vor allem als Wahlkampfgetöse“. Deitelhoff riet zu Ruhe und Gelassenheit.

Die Bewältigung der Corona-Krise sollte auch weitere Schritte zu einer nachhaltigen Klimapolitik möglich machen. Denn der Klimawandel könne in vielen Regionen zu Konflikten führen oder diese verschärfen, etwa in Ost- und Westafrika, sagte Schetter. Die Friedensforscher plädieren für eine globale Strategie der Bundesregierung, die multilaterale Institutionen stärkt und zivile Krisenprävention zum Leitbild erhebt. „Corona endet nicht an den europäischen Außengrenzen“, betonte Schetter. Die Folge der andauernden oder zunehmenden Gewalt in Afghanistan, Mali und am Tschadsee seien neue dramatische Fluchtbewegungen. Gleichzeitig seien internationale Friedensmissionen erschwert. „Die weltweite Krisendiplomatie kocht auf Sparflamme“, sagte Schetter. Trotz des Aufrufs von UN-Generalsekretär António Guterres zu einem globalen Waffenstillstand gingen die Kämpfe in Libyen, Syrien oder Jemen unvermindert weiter. Friedensverhandlungen wie in Afghanistan kommen wegen der Corona-Krise zum Erliegen.

Zugleich führe die Pandemie zu neuen sozialen Verwerfungen wie einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. So befürchte das Welternährungsprogramm eine Verdopplung der Zahl der Hungernden weltweit. Die Hauptlast tragen die Länder des Südens, sagte Schetter. Globale Hilfspakete seien notwendig. (epd)

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