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Chance für die Bürgerenergie

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Von: Jörg Staude

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Wenn Windräder den Menschen gehören, steigt die Akzeptanz.
Wenn Windräder den Menschen gehören, steigt die Akzeptanz. © Loic Venance/afp

Der Boom der Erneuerbaren lässt auf sich warten. Um das zu ändern, will die Regierung Windräder für Genossenschaften günstiger machen

Schwer getrübt war Ende 2022 das Verhältnis der Ampel-Regierung zur Ökoenergie-Branche. Für Ärger sorgte nicht nur, dass auch die Erlöse von Erneuerbaren-Betreibern zur Finanzierung der Strompreisbremse abgeschöpft werden. Der Ausbau der Windkraft dümpelte das ganze Jahr vor sich hin. Neun von zehn Wind- und Solar-Ausschreibungen wurden nicht ausgeschöpft.

Der Erneuerbaren-Boom lässt weiter auf sich warten. Allerdings machten die steten Beschwerden der Ökoenergiebranche Eindruck. So sollen nach Branchenangaben letztlich nur rund 200 der 9 500 Biogas-Anlagen in Deutschland von der so sehr kritisierten Erlösabschöpfung betroffen sein.

Auch erhörte die Bundesnetzagentur zum Jahresende die Klagen der Solar- und Windkraftprojektierer über steil ansteigende Kosten und setzte die möglichen Höchstgebote bei den kommenden Ausschreibungen für Strom von Solardächern und für Wind an Land um 25 Prozent herauf. Damit schöpft die Behörde den gesetzlichen Spielraum voll aus.

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Auch die Bürgerenergie kann sich über einen politischen Bonbon freuen. Seit Jahresanfang fördert das Bundeswirtschaftsministerium erstmals Bürgergesellschaften bei Windkraft-Projekten an Land. Planungs- und Genehmigungskosten können bis zu 70 Prozent bezuschusst werden, maximal werden 200 000 Euro pro Projekt übernommen.

Mit dem Programm wolle man wieder mehr Bürgerenergieprojekten zum Erfolg verhelfen, teilte Wirtschaftsstaatssekretär Sven Giegold auf Anfrage mit.

Tatsächlich taucht Windkraft bei der Bürgerenergie seit einiger Zeit kaum noch auf: zu teuer, zu aufwendig, zu langwierig. Entsprechend erfreut über die Förderung zeigt sich das Bündnis Bürgerenergie (BBEN). In Schleswig-Holstein habe man mit einem sehr unbürokratischen Bürgerenergiefonds schon beste Erfahrungen gemacht, sagt Malte Zieher vom BBEN-Vorstand der Frankfurter Rundschau. „Das nun aufgelegte Bundesprogramm ist aber deutlich bürokratischer und muss sich in der Praxis erst noch beweisen“, schränkt er ein. Für im Vergleich besonders vorteilhaft beim schleswig-holsteinischen Fonds hält das Bürgerenergie-Bündnis, dass nicht nur Windanlagen förderfähig sind, sondern alle Schritte, die zur Treibhausgasminderung beitragen, auch erneuerbare Wärme, neue Mobilität, Energieeffizienz und Digitalisierung im Energiesektor.

Bürgerenergie: Kritik an zu geringer Fördersumme

Er hätte sich gewünscht, sagt Zieher, dass auch das Bundesprogramm so breit und niederschwellig aufgelegt wird. Zumindest für große Solarprojekte hätte es geöffnet werden müssen.

In Schleswig-Holstein sind auch bereits die Kosten in der Ideenphase vor der Gründung einer Gesellschaft förderfähig. „Dafür sind auch nur mindestens sieben natürliche Personen nötig. Zudem dürfen sich auch juristische Personen beteiligen“, lobt Zieher das Landesprogramm weiter.

Im Bundesprogramm gilt dagegen eine Bürgerenergiegesellschaft nur dann als förderfähig, wenn sie aus mindestens 50 natürlichen Personen besteht. Auch fördert der Bund nicht schon in der Gründungsphase. Diese Restriktionen sieht auch der Bundesverband Windenergie (BWE) kritisch. Zudem genügten die vom Bundeswirtschaftsministerium angestrebten maximal 200 000 Euro „nicht annähernd“, um wie angestrebt 70 Prozent der Planungs- und Genehmigungskosten abzudecken“, schreibt der BWE auf Anfrage.

Förderung für Bürgerenergie: Mehr als ein Symbol?

Auch das Bürgerenergie-Bündnis bewertet die 200 000 Euro als vergleichsweise niedrig. Nötige Gutachten zum Windertrag, zu Vogel- und Schallschutz, Baugrund und anderem mehr seien deutlich teurer, merkt Malte Zieher an. Der Zuschuss helfe aber, in einer risikoreichen Projektphase Gebiete mit Windpotenzial in bebauungsfähige Flächen umzuwandeln.

Auch die Förder-Obergrenze von 25 Megawatt pro Projekt kritisiert der BBEN-Vorstand als unnötiges Hemmnis. Im Schnitt sei ein Windpark in Deutschland zwar immer noch unter 25 Megawatt groß, die Turbinen aber würden immer leistungsstärker. „Warum ausgerechnet Bürgerenergieprojekte klein gedacht werden sollen, ist für uns nicht ersichtlich“, erklärt Zieher. Entscheidend wird am Ende sein, wie viel Windkraft mithilfe der neuen Förderung tatsächlich hinzukommt. Als Förderziel gibt das Wirtschaftsministerium ein Plus von 150 bis 200 Megawatt Windenergie pro Jahr an.

Auf Nachfrage erklärt eine Sprecherin des Ministeriums, dieser Schätzung liege die sehr grobe Annahme zugrunde, dass bundesweit pro Jahr etwa 15 bis 20 Bürgerenergieprojekte mit jeweils rund zehn Megawatt realisiert werden können. Entsprechende Förderanträge könnten schon dieses Jahr gestellt werden, sagt die Sprecherin. Die Projekte könnten dann, so ihre vorsichtige Prognose, binnen dreier Jahre genehmigt werden und nach weiteren zwei bis drei Jahren in Betrieb gehen.

Energiewende: Ab 2025 jährlicher Zubau von Windenergie von 7500 Megawatt nötig

Das würde also etwa im Jahr 2028 geschehen. Das Bündnis Bürgerenergie selbst rechnet damit, dass die ersten geförderten Windparks frühestens 2027 ans Netz gehen, und wünscht sich eine Verkürzung der Genehmigungsdauer.

Sofern die Genehmigungsverfahren 2023 tatsächlich beschleunigt werden, gibt sich der BWE deutlich optimistischer. Dann könnte der Zubaueffekt über geförderte Bürger-Windkraft schon ab 2025 eintreten. Denn im Schnitt liegen laut einer Erhebung der Fachagentur Wind an Land von der Erteilung eines Zuschlags in der Ausschreibung bis zur Inbetriebnahme des Projekts etwas mehr als zwei Jahre.

Ein geförderter Wind-Ausbau von bis zu 200 Megawatt klingt nicht nach wenig. Damit Deutschland 2030 sein Ziel erreicht, 80 Prozent des Stroms erneuerbar zu erzeugen, halten einschlägige Institute ab 2025 einen jährlichen Zubau bei Wind an Land von 7 500 Megawatt für nötig. Daran würden die geförderten Bürgerprojekte dann einen Anteil von knapp drei Prozent haben. Ob das mehr als ein nur symbolischer Beitrag zur Energiewende ist, muss die Zukunft zeigen.

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