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Ein schöner Paartanz.

Tanz

So ?ne Cha-Cha-Cheiße

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Nur eine folgsame Tanzpartnerin ist eine gute Tanzpartnerin ? warum eigentlich?

Es naht das Jahr 2019. Noch nie hatten wir so viele Bundesministerinnen in Deutschland, die #MeToo-Debatte wirbelt erfreulich vieles auf, das Matriarchat ist zum Greifen nah – na gut, außer in der CSU, der Fifa. Und im Paartanz.

Ob Walzer, Salsa oder Tango: „Der Mann führt, die Frau folgt“, gilt im Standardtanz seit den heidnischen Opfertänzen noch immer. Das „Playboy“-Magazin bringt es auf den Punkt: „Ein Mann sollte beim Paartanz führen können. Ansonsten muss das nämlich die Dame übernehmen und das sieht nun wirklich dämlich aus.“ Ja, wirklich, dämlich, zum Piepen! Ähm ... warum eigentlich?

In der CDU-Führung sah das die letzten 18 Jahre auch nicht soo dämlich aus. Der MDR wird auch von einer Frau übers Parkett geleitet, genau wie diese Zeitung. Nur bei der guten alten Tante Standardtanz ist eine variable Rollenverteilung von den meisten Tanzverbänden nicht einmal zugelassen. (Insbesondere in Salsa-Kursen wird übrigens auch gerne gelehrt, dass Männer ruhig Machos sein und dies durch „männliche“ Bewegungen betonen sollen, zum Beispiel durch Betonung des Genitals. Die Frauen hingegen halten besser die Beine „schön eng zusammen“.)

Zahlreiche Fragen drängen sich auf: Hat Simone de Beauvoir sich eigentlich auch von Jean-Paul Sartre beim Tanztee willenlos die Richtung weisen lassen und ihm sanft ins Ohr gehaucht: „Du führst aber gut?“ Stach Merkel die letzten 20 Jahre sämtliche männlichen Konkurrenten aus, um sich beim Bundespresseball devot lächelnd herumwirbeln zu lassen? Und sind die altbackenen Regeln der Grund, warum Andrea Nahles als „Tanzmuffel“ gilt?

Gleiches gilt beim Eiskunstlauf. Dort gibt es Hebefiguren, bei denen „aufgrund der physischen Gegebenheiten“ (Wikipedia) der Mann den Part des „Untermanns“ automatisch übernimmt. Ich bin sicher, dass etwa Andrea Nahles‘ physische Gegebenheiten es durchaus ermöglichen würden, den niedlichen Lindner gleich dreifach durch die Luft zu wirbeln und die Richtung vorzugeben: „Da lang, du Arschnase!“ Frauen in Führungspositionen, das wird doch immer gefordert. Kann es denn auf der Tanzfläche nicht wenigstens eine Doppelspitze geben? Kann nicht der führen, der gerade Bock hat?

Gott sei Dank gibt es im Paartanz hier und da inzwischen ein bisschen Rebellion. „ICH wollte führen. Oder zumindest mitreden. Die Männer, mit denen ich tanzen konnte, kann ich an den Fingern einer Hand abzählen“, schreibt etwa eine Leidgeplagte in ihrem Blog mama-arbeitet.de. Empfehlenswert ist der TEDx-Vortrag namens „Ballroom Dance that breaks gender roles“, im Internet leicht zu googeln. Zum Glück gibt es „Queer Tango“, bei dem die traditionellen Geschlechterrollen beliebig gewechselt werden können und auch gleichgeschlechtliche Tanzpaare möglich sind.

Tango kann ich leider nicht, aber „Queer Walzer“ würde mir gut gefallen. Zum Beispiel mit Friedrich Merz. Dem alten Ganoven die Hand besitzergreifend auf den Rücken zu legen und ihn über die Tanzfläche zu kommandieren – das würde mir gefallen.

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