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Spanische Exklave Ceuta

Geflüchtete in Ceuta: Taucher rettet Kleinkind vor dem Kältetod

  • vonJan Lucas Frenger
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  • Mirko Schmid
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Im Zuge der Flucht tausender Menschen von Marokko in Richtung der spanischen Exklave Cueta kommt es zu dramatischen Szenen. Ein Taucher wird zum Nationalhelden.

Update vom Donnerstag, 20.05.2021, 15:20 Uhr: Mehr als 8.000 Menschen haben die nordafrikanische Spanien-Exklave Cueta schwimmend erreicht. Unter ihnen auch mindestens ein nur wenige Wochen altes Kleinkind, welches auf dem Rücken seiner Mutter auf die gefährliche Reise mitgenommen worden war. Als der erfahrene Rettungstaucher Juan Francisco Valle das Baby auf dem Rücken seiner im Meer treibenden Mutter erblickte, war er sich nach eigener Aussage nicht sicher, ob es noch lebte.

Valle eilte zur Hilfe und sicherte das Kind mit einem Rettungsring. Zu diesem Zeitpunkt war das Kind bereits völlig blass und unterkühlt, überlebte die Reise von Marokko nach Cueta allerdings – wohl nur, weil Valle eingriff. Dieser wird seither in Spanien als Nationalheld gefeiert. Spanischen Medien gegenüber gab der Rettungstaucher an, dass ihn die Situation „schon ein bisschen“ traumatisiert habe.

Kritik von Rechten Parteien an Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez

Unterdessen hat Spanien bereits 5.600 der Migrant:innen per Eilverfahren zurück nach Marokko abgeschoben. Ein Umstand, den verschiedene Menschenrechtsgruppen laut Medienberichten für rechtswidrig halten. Doch nicht nur aus dieser Richtung muss sich Ministerpräsident Pedro Sánchez Kritik anhören. Die rechtspopulistische Partei „Vox“ bezichtigt Sánchez der „Schwäche“, er habe es nicht geschafft, eine „Invasion“ abzuwehren.

Rettungstaucher Juan Francisco Valle rettet ein Kleinkind aus den Fluten vor Cueta.

Pablo Casado, Vorsitzender des Partido Popular, der konservativen Volkspartei Spaniens, sprach Sánchez die Eignung als Ministerpräsident im Rahmen einer Parlamentsrede ab. Auch Casados Parteifreund und Bürgermeister von Cueta, Juan Vivas, spricht von einer „Invasion“, bei der es sich „nicht um eine Migrationskrise“ handele. Die Menschen der nordafrikanischen Küstenstadt hätten sich „aus lauter Angst“ vor den flüchtenden Menschen nicht aus ihren Häusern getraut.

Für die zum Teil gewalttätige Atmosphäre einer Spontan-Demonstration von rund 50 Einwohner:innen Cuetas brachte Bürgermeister Vivas sein Verständnis zum Ausdruck. Die Demonstrierenden hatten Ministerpräsident Pedro Sánchez beleidigt und auf sein Auto eingetreten, nachdem dieser in Cueta eingetroffen war, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Brüssel und Madrid äußern Kritik am Vorgehen Marokkos – Situation bleibt angespannt

Update vom Mittwoch, 19.05.2021, 17.28 Uhr: Die EU-Kommission hat die marokkanische Regierung davor gewarnt, die Fluchtbewegungen in Richtung der spanischen Exklave Ceuta für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Europa lasse sich von niemandem „einschüchtern“ und werde „kein Opfer solcher Taktiken sein“, sagte EU-Kommissions-Vizepräsident Margaritis Schinas laut AFP im spanischen Radio. Auch Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat wenig Verständnis für die Politik Marokkos. Bezug nehmend auf die marokkanische Seite der Grenze zu Ceuta sprach er von mangelnder Kontrolle und warf Marokko „Mangel an Respekt“ vor.

Ceuta: Nach Lockerung der Grenzkontrollen schwimmen Tausende zur spanischen Exklave

Dass Marokko „irreguläre Ausreisen“ weiter unterbinde, ist auch der stellvertretenden Sprecherin der deutschen Bundesregierung, Martina Fietz, wichtig, wie sie in Berlin sagte. Hintergrund der am Montag (17.05.2021) ausgebrochenen Migrationskrise ist der Konflikt in der Westsahara, der auch Spanien und Marokko zu Streitpartnern gemacht hat. Die Regierung in Rabat wirft Spanien vor, politisch auf der Seite der westsaharischen Widerstandsbewegung Frente Polisario zu stehen, nachdem dessen Anführer eine medizinische Behandlung in Spanien ermöglicht worden ist. Marokko beansprucht die entlang der Atlantikküste gelegene Region seit mehreren Jahrzehnten für sich.

19. Mai: Spanische Sicherheitskräfte werfen Tränengas auf marokkanische und subsaharische Migranten, die versuchen, den Zaun der spanischen Enklave Ceuta zu überqueren.

Die Situation an der Grenze zu Ceuta war am Mittwoch (19.05.2021) weiterhin angespannt, berichtet AFP. Nachts hätte es erneut Versuche gegeben, die Grenze nach Ceuta zu überqueren, wobei auch Sicherheitskräfte mit Steinen attackiert wurden. Auch vom marokkanischen Küstenort Fnideq aus hätten hunderte Menschen versucht, schwimmend auf spanisches Festland zu gelangen. Seit Montag sind rund 8000 Migranten in Ceuta angekommen, 4800 von ihnen mussten die Exklave bereits wieder in Richtung Marokko verlassen.

Soldaten gehen mit Tränengas gegen Migranten vor – Schwimmende dürfen nicht an Land

+++ 12.45 Uhr: Die Polizei in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta hat am Dienstag Tränengas gegen Flüchtlinge aus Marokko eingesetzt. Rund 6000 Menschen, mehr als je zuvor an einem Tag, waren seit Montag schwimmend in das kleine spanische Gebiet in Nordafrika gelangt. Zuvor hatte Marokko die Grenzkontrollen teilweise eingestellt. Im spanischen Fernsehen war zu sehen, wie Soldaten Migranten einzeln zu einem Tor im Grenzzaun führten, um sie nach Marokko zurückzuschicken. Auf dem Strand vor dem Grenzzaun waren vier Radpanzer aufgefahren.

Ceuta: Soldaten gehen gegen Migranten an der Grenze zu Marokko vor.

Auf der anderen Seite des Zauns wartete eine große Menschenmenge auf eine Chance, doch noch nach Ceuta zu gelangen. Einige warfen Steine Richtung Grenzzaun, durch den die Spanier sie mit Tränengas beschossen. Eine Postenkette von Soldaten mit Schlagstöcken hinderte Schwimmende daran, in Ceuta aus dem Meer an Land zu gehen. Nur völlig Erschöpfte wurden auf Tragen zu Krankenwagen gebracht. Am Vortag war von einem Ertrunkenen berichtet worden.

Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte dem TV-Sender RTVE, bisher seien etwa 1600 Menschen nach Marokko zurückgebracht worden.

Tausende Migranten erreichen spanische Enklave schwimmend – 300 bereits abgeschoben

+++ 08.30 Uhr: Angesichts der Ankunft Tausender Migranten aus Marokko haben die Behörden der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta begonnen, die Erwachsenen in einem Stadion unterzubringen. Sie sollten anschließend nach Marokko zurückgebracht werden, berichtete die in Ceuta erscheinende Zeitung El Faro am Dienstag (18.05.2021). Etwa 300 der Ankömmlinge seien bereits abgeschoben worden, hieß es.

Marokko ließ die Menschen nach Einschätzung spanischer Medien passieren, weil es darüber verärgert war, dass Spanien die medizinische Behandlung des Chefs der Unabhängigkeitsbewegung Polisario für Westsahara, Brahim Ghali, in einem Krankenhaus in Logroño erlaubte. Marokko beansprucht das Gebiet an seiner Südgrenze als Teil seines Staatsgebietes.

Soldaten der spanischen Armee sollen Migranten abhalten, ins spanische Ceuta zu gelangen.

Tausende Migranten erreichen spanische Enklave schwimmend – darunter viele Minderjährige

Ceuta – Mindestens 5000 Migranten haben am Montag (17.05.2021) von Marokko aus die spanische Enklave in Ceuta erreicht. Laut eines Sprechers der spanischen Behörden in Ceuta handelt es sich dabei um einen Rekord – noch nie gelangten binnen eines Tages so viele Migranten auf das spanische Territorium an der nordafrikanischen Küste – unter ihnen sind demnach knapp 1000 Minderjährige. Die in Ceuta erscheinende Zeitung „El Faro” berichtet von mindestens 2700 Menschen, die kilometerweit durch das Mittelmeer geschwommen sind, um zur spanischen Enklave zu gelangen.

Laut Informationen der spanischen Behörden sind einige der Migranten von Stränden südlich von Ceuta in Marokko aus gestartet. Bei ihrer kilometerweiten Überquerung zu Wasser waren die Menschen mit kleinen Schwimmringen und Schlauchbooten unterwegs. An einigen Stellen konnten sie laut Angaben der Behörden jedoch bei Ebbe zu Fuß gehen – viele überquerten dagegen auch die Landgrenze. Alle Migranten wurden offiziellen Angaben zufolge wohlbehalten in ein Auffanglager gebracht.

Migranten schwimmen von der marokkanischen Stadt Fnideq aus die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta.

Laut Angaben der spanischen Tageszeitung „El País” ist die marokkanische Polizei nicht eingeschritten, um die Grenzüberquerung der Migranten zu stoppen. Die Zeitung beruft sich dabei auf Augenzeugenberichte. Der mögliche Grund für die vermeintliche Tatenlosigkeit der Polizei: Beide Zeitungen vermuten, die Regierung in Rabat sei verärgert darüber, dass Spanien die medizinische Behandlung von Barahim Ghali, Anführer der Unabhängigkeitsbewegung, „Polisario für Westsahara”, in einem spanischen Krankenhaus genehmigte. Dort wird Ghali seit April aufgrund einer Corona-Erkrankung behandelt. 

Seit Anfang des Jahres bis Mitte Mai waren nach Angaben des spanischen Innenministeriums bereits 475 Migranten auf dem Land- oder Seeweg nach Ceuta gekommen - mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.Die beiden spanischen Enklave Ceuta und Melilla haben die einzige Landgrenze der Europäischen Union mit Afrika und sind deshalb regelmäßige Anlaufstellen für Migranten, mit dem Ziel nach Europa zu gelangen. (Jan Lucas Frenger mit afp)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Guardia Civil ---

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