1. Startseite
  2. Politik

Cem Özdemir: Frischer Wind oder laues Lüftchen?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Martin Rücker

Kommentare

Agrarminister Cem Ozdemir.
Agrarminister Cem Ozdemir (Bündnis 90/Die Grünen). © afp

Der Agrarminister: Ärger mit der Industrie.

Cem Özdemir war eine Überraschung im Kabinett – und medial sehr schnell sehr präsent. Für ein paar Wochen erobert der Grüne die Herzen der skeptischen konventionellen Bauern, auch, weil er „Ramschpreisen“ bei Lebensmitteln den Kampf ansagt. Im Streit über ökologische Vorrangflächen verfliegt die Begeisterung schnell. Darüber ist die Trauer wohl begrenzt, denn einen konkreten Plan gibt es nicht. Der fehlt auch für eine eigenmächtige Ergänzung des Koalitionsvertrags: Bis 2030 will Özdemir den Bio-Anteil im Supermarkt auf 30 Prozent hochschrauben. Wie, das verrät er bislang nicht.

Dafür legt er das Tierhaltungssiegel vor, an dem vor ihm zwei Minister:innen scheiterten. Die Ausgestaltung allerdings findet weder bei Bauern noch bei Tierschützern viel Applaus. Große Würfe sollen nun eine „Ernährungsstrategie“ und ein Verbot der an Kinder gerichteten Werbung für ungesunde Lebensmittel werden. Anders als Vorgängerin Julia Klöckner marginalisiert Özdemir die Industrielobbys schon in der Vorbereitung. Zum Ärger des Lebensmittelverbands, der sich angesäuert aus der Ernährungsstrategie zurückzog, und der Fleischindustrie, die sich beklagt, weil der bekennende Vegetarier mit Terminen geizt.

Özdemirs Problem: Auch die Ampelparteien sind oft uneins, wenn es um staatliche Ernährungspolitik und die Zukunft der Landwirtschaft geht. Ob der frische Wind, den der 56-Jährige entfacht hat, sich verstetigt oder als laues Lüftchen entpuppt, muss sich daher noch zeigen.

Auch interessant

Kommentare