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CDU-Parteitag: Kristina Schröder erklärt den Unterschied zwischen Mann und Frau

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Von: Karolin Schäfer

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Kristina Schröder betreibt auf dem CDU-Parteitag Aufklärung.
Kristina Schröder betreibt auf dem CDU-Parteitag Aufklärung. © imago

Der Begriff „Gleichstellung“ sorgt auf dem CDU-Parteitag für Diskussionen. Auch Ex-Familienministerin Kristina Schröder gehört zu den kritischen Stimmen.

Hannover – Nach dem historisch schlechtesten Unionsergebnis bei der Bundestagswahl 2021 wurde die Partei auf die Ersatzbank der Opposition geschickt. Das nahm die CDU zum Anlass, an sich zu arbeiten und innerparteilich zu klären, wofür sie eigentlich steht. Auch auf dem 35. CDU-Parteitag am 09. und 10. September sollten große Fragen geklärt werden. „Die Bürgerinnen und Bürger, aber auch die Mitglieder unserer Partei, wollen endlich wieder wissen, wofür die CDU steht“, sagte Carsten Linnemann, stellvertretender CDU-Vorsitzender, zum neuen Grundsatzprogramm.

Dabei stand vor allem ein Thema auf der Agenda: Frauen. Die Partei stimmte am Freitagabend nach jahrzehntelanger Diskussion für eine zeitlich begrenzte Frauenquote. 559 Delegierte waren dafür, 409 stimmten nach der knapp zweistündigen Debatte gegen die Neuregelung, elf Personen enthielten sich. Die Gegner:innen der Debatte hatten auch über die Forderung nach Gleichstellung von Frauen und Männern eine Niederlage erlitten.

CDU-Parteitag: Schröder über den Unterschied zwischen Männern und Frauen

Nach einer längeren und kontroversen Diskussion stimmte der Parteitag am Samstag auch dafür, das Ziel der Gleichberechtigung genauso wie das der Gleichstellung ins neue Grundsatzprogramm aufzunehmen. Das dürfte der ehemaligen Familienministerin Kristina Schröder nicht gefallen haben.

Zuvor forderte die CDU-Politikerin, den Begriff „Gleichstellung“ aus der Grundwertecharta zu streichen. Dieser stehe schließlich für „Identitätspolitik“. Dabei ließ es sich Schröder nicht nehmen, allen den Unterschied zwischen Männern und Frauen zu erklären. Man könne empirisch sehen, dass Männer und Frauen unterschiedliche Prioritäten und Präferenzen hätten. Deshalb dürfte man sie auch nicht „pauschal gleichstellen“, sagte Schröder in ihrer Ansprache. „Und genau das will Gleichstellung.“

CDU-Parteitag: Begriff der Gleichstellung gilt als „linker Kampfbegriff“

Der Unterschied zwischen Gleichstellung und Gleichberechtigung sei nach Auffassung der Ex-Ministerin „genauso groß wie der zwischen Markt- und Planwirtschaft.“ Nämlich „riesig“, betonte Schröder. Demnach müsse man „alles“ mit einer Quote versehen. Für manche in der CDU gilt Gleichstellung als „linker Kampfbegriff“. Auch die Jungen Union und Mittelstandsvereinigung MIT gehören zu den Kritiker:innen des Begriffs.

Für die Gegner:innen hagelte es ordentlich Kritik aus den eigenen Reihen. Annette Widmann-Mauz, Chefin der Frauen-Union, sagte, dass Grundwerte mit dem Wandel der Zeit angepasst werden müssten. Gleichstellung habe nichts mit Gleichmacherei zu tun. Schon seit 2007 sei Gleichstellung Grundsatzposition der Partei, so CDU-Vize Karin Prien. Hinter solche Begrifflichkeiten zurückzufallen, wäre befremdlich. Zudem entferne sich die CDU von der Gesellschaft, wenn sie das Wort Gleichstellung nicht in das Programm nehme, warnte die nordrhein-westfälische Ministerin Ina Scharrenbach.

Auch bei Twitter gab es Kritik für Kristina Schröder. „Deutsches Organ der US-Republikaner“, schrieb ein User. Ob am Wochenende geklärt wurde, wofür die CDU nun steht, bleibt vorerst unklar. Die große Spaltung bei solchen Grundsatzdiskussionen innerhalb der Partei lässt es zumindest nicht vermuten.

Diskussion über Gleichstellung: Das bedeutet der Begriff

„Das Konzept der Gleichstellung geht von einem emanzipatorischen Ansatz aus“, definierte Historiker Andreas Rödder in seinem Standpunkt für die Wissenschaftszeitschrift Forschung und Lehre. „Es möchte durch politische Maßnahmen und staatliche Vorgaben Benachteiligungen von sozialen Gruppen korrigieren, die nicht durch gesellschaftliche Selbstregulierung verschwinden.“

Rödder arbeitet gemeinsam mit CDU-Stellvertreter Linnemann an der neuen Grundsatzkommission. In einer „Grundwertecharta“ will die CDU inhaltliche Leitplanken zu einem neuen Grundsatzprogramm definieren. Dieses soll auf dem Parteitag 2024 vor der Europawahl beschlossen werden. (kas/dpa)

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