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CDU plant in NRW ohne Kinderärzte: „Wir kommen da nicht vor“

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Von: Nadja Austel

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Ein:e Kinderärzt:in leuchtet in einer Praxis einem kleinen Jungen in seinen geöffneten Mund.(Symbolbild)
Kinderärzt:innen werden laut Rechtslage als Hausärzt:innen eingestuft. Bei der Landarztquote werden sie jedoch in zweite Reihe gestellt.(Symbolbild) © Christin Klose/dpa

Die Gesundheitspolitik der CDU gerät gut einen Monat vor der Landtagswahl in NRW in die Kritik. Wo sind die Fehler in der Planungslogik?

Frankfurt – Christiane Thiele, ist vom CDU-Wahlprogramm enttäuscht. Der Sender „Health TV“ lud sie zu einem Gespräch mit Peter Preuß ein, dem gesundheitspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen (NRW). Die Kritik der Vorsitzenden vom Berufsverband Kinder- und Jugendärzte Nordrhein lautet schlicht und einleuchtend: „Wir kommen da nicht vor.“

Kritik äußerte auch der dritte Gast der Sendung, Klinikexperte Florian Nachtwey: „Die Krankenhäuser, die in den 60er Jahren gebaut wurden, bedürfen jetzt umfangreicher Sanierungsmaßnahmen (…) Daher braucht es eine klare Investitionskostenfinanzierung für die Krankenhäuser, um ihre Grundsubstanz wiederherzustellen.“

Preuß nannte die drei wichtigsten Punkte der Gesundheitspolitik, die die CDU in NRW vorsieht: Die qualitativ bestmögliche medizinische Versorgung der Bürger:innen, eine gesicherte Finanzierung der Krankenhäuser durch Förderungen und die Errichtung einer Pflegekammer. Die CDU plane dafür Veränderungen der Krankenhauslandschaft, vor allem in den Ballungsräumen. Von denen wiederum soll gleichzeitig der ländliche Raum profitieren. Als Vorgabe gesetzt habe sich die Koalition in NRW die Erreichbarkeit eines Krankenhauses binnen 20 Minuten. 

NRW-Landtagswahl: CDU mit Planungsfehler in der Finanzierungslogik?

Allerdings gelte dies nicht für planbare Eingriffe, sondern beziehe sich auf die Akutversorgung. Für Operationen, die spezialisierte Fachkenntnisse erfordern, soll es demnach spezialisierte Kliniken geben. „Es kann kann auch nicht jedes Krankenhaus alles machen. Ich kann das mit Zahlen im Einzelnen auch belegen, wo da die Mängel liegen“, so Preuß weiter.

Florian Nachtwey sieht bei dem Förderungskonzept für spezialisierte Kliniken das Problem im Verteilungsschlüssel der finanziellen Mittel: „Fakt ist natürlich, dass ein reiner Notfallstandort in der aktuellen Finanzierungslogik nicht wirtschaftlich betreibbar ist.“ Zuschüsse würden vor allem für spezialisierte Leistungen gelten. Dürfen diese nicht angeboten werden, bedeutet das für das Krankenhaus finanzielle Verluste. Der Gesundheitsökonom ist mit seinen beruflichen Erfahrungen in Sanierung, Neubau und Restrukturierung von Kliniken Experte für die Wirtschaftlichkeit von Krankenhäusern. Bei dieser Art der Verteilung von Fördergeldern sei die „Versorgung binnen 20 Minuten langfristig nicht gewährleistet“.

Landtagswahl in NRW: Mehr Ärzte, aber nicht für Kinder?

In einem Punkt herrschte Einigkeit: Insgesamt brauche es mehr Ärzt:innen, nicht nur, aber eben auch auf dem Land. Deshalb habe die aktuelle Landesregierung das Förderprogramm für Landärzte eingeführt, so Preuß. „Ganz sicher ein Erfolgsmodell“, so sein Urteil über diese sogenannte Landarztquote. Sie erleichtere jungen Menschen den Zugang zum Medizinstudium, wenn diese sich darauf festlegen, sich anschließend im ländlichen Raum niederzulassen. Auch die Hürde eines Numerus Clausus entfalle dabei. Dieses Modell für Medizinstudent:innen gibt es auch in Hessen.

Dieses Modell steht auch angehenden Kinderärzt:innen zur Verfügung. Absolvent:innen des Landarztprogrammes dürfen sich anschließend allerdings nur dann als Kinderärzt:innen niederlassen, wenn die allgemeinmedizinischen Plätze bereits belegt sind. Und das, obwohl es auch im Bereich der Kindermedizin einen erheblichen Nachwuchsmangel gibt. „Das ist natürlich nicht gerecht“, so Kinderärztin Thiele. „Wir zählen im KV-Recht zu den Hausärzten. Wir sind die Hausärztinnen und Hausärzte der Kinder. Wir sehen das als nicht gerecht an, in die zweite Reihe gerückt zu werden.“ Auch im Bereich der Kindermedizin gebe es einen erheblichen Nachwuchsmangel.

Der Talk bildet den Auftakt der Sendereihe „Wir wählen Gesundheit“ auf Health TV. Im Austausch mit Landespolitikern und Experten aus der Praxis werden hier die Wahlprogramme der Parteien hinsichtlich der Gesundheitspolitik beleuchtet. Der Sender ist per Kabel, Satellit und über das Internet frei empfangbar. Die Landtagswahl in NRW findet am 15. Mai 2022 statt. (na)

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