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CDU/CSU-Vize Carsten Linnemann forderte: Kein Deutsch, keine Einschulung.

Nach heftiger Kritik

Grundschul-Debatte: Linnemann bekommt Rückendeckung von Ziemiak

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Kinder, die kein Deutsch sprechen, sollen nicht zur Grundschule zugelassen werden - so Unionsvize Carsten Linnemann. Nach heftiger Kritik bekommt er nun Rückendeckung aus der CDU.

Update vom 7. August 2019: CDU-Mann Carsten Linnemann löste mit seinen Äußerungen zur Einschulung und fehlenden Deutsch-Kenntnissen eine heftige Debatte aus. Nun bekommt er Rückendeckung von einem namhaften Partei-Kollegen: CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sprang Linnemann zur Seite. Via Twitter bat er um Sachlichkeit und schrieb, Linnemann habe ein wichtiges Thema angesprochen.

Weiter heißt es: „Aus eigener Erfahrung: Ohne deutsche Sprache keine Chance auf gute Bildung. Grundschullehrer lassen wir aber häufig alleine mit dieser Arbeit. Das ist schlecht für alle Kinder - mit oder ohne Sprachdefiziten. Deshalb gut, dass wir über dieses wichtige Thema diskutieren.“ 

Ziemiak fordert deshalb  „gezielte Sprachförderung im Kindergarten“, sowie „verbindliche Sprachtests vor der Einschulung“, damit alle Kinder in der Schule gleichberechtigt seien. Bei sprachlichen Defiziten stellt sich Ziemiak dann „verpflichtende Förderung und schulbegleitende Sprachprogramme“ vor. Zudem solle auch das Elternhaus „intensiv“ mit einbezogen werden.

CDU-Mann Linnemann fordert radikales Schulverbot - Politiker attackieren wütend: „Bankrotterklärung“

Update 6. August, 14.59 Uhr:  Die Äußerungen von Carsten Linnemann stoßen auf viel Kritik. Nun versuchte der Unions-Vize seine Aussagen noch einmal einzuordnen. Den Begriff „Grundschulverbot“ für seinen Vorstoß wies der CDU-Politiker zurück. Die dpa hatte in der Überschrift einer Meldung zu dem Thema den Begriff verwendet und dies nachträglich korrigiert. Ihm gehe es darum, dass es Konsequenzen haben müsse, wenn Kinder vor der Schule die sogenannten Sprachstandstests nicht bestünden, sagte Linnemann der dpa. Wenn dann trotzdem eingeschult würde, hätten weder die Kinder aus deutschsprachigen noch die aus nicht-deutschsprachigen Haushalten etwas davon.

Linnemann: Kein Deutsch, keine Einschulung - Äußerung stößt auf Kritik

Berlin - Die Aussagen des CDU-Politikers Carsten Linnemann, dass Kinder, die kein Deutsch könnten, nicht eingeschult werden dürften, stoßen auf heftige Kritik von allen Seiten. Neben SPD-, Linken- und auch CDU-Politikern lehnt auch der Verband Bildung und Erziehung die Idee des stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vehement ab.

Gegenüber der Zeit erklärte der Vorsitzende der größten Fachgewerkschaft des deutschen Beamtenbundes, Udo Beckmann, die Forderung Linnemanns sei eine „Bankrotterklärung der Politik“. Würde man Linnemann folgen, würden vor allem Kinder mit „Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung“ zurückgestellt. Beckmann forderte stattdessen mehr Unterstützung bei Sprachförderprogrammen vor der Einschulung, etwa im Kita-Bereich.

Linnemann-Forderung: Deutscher Lehrerverband stimmt CDU-Politiker teilweise zu

In ähnliche Richtung argumentiert der deutsche Lehrerverband gegenüber der Welt. Dessen Präsidenten Heinz-Peter Meidinger stimmt Linnemann in seiner Problembeschreibung zu und meint: „Wir müssen uns endlich ideologiefrei dem Problem widmen, dass inzwischen ein Fünftel bis ein Viertel der Erstklässler nur schlecht oder gar kein Deutsch kann.“ Diese Kinder müssten sprachlich gefördert werden, allerdings passiere das kaum, so Meidinger weiter. 

Ein weiteres Problem: Nicht in allen Bundesländern gibt es verpflichtende Tests vor der Grundschule. Und selbst wenn es diese gibt, haben die Ergebnisse oft keine Folgen, heißt es weiter.

Meidingers Vorschlag sind dem Bericht nach verpflichtende Sprachtests und verpflichtende Kita-Besuche bei Kindern, die nicht gut genug Deutsch sprechen.

Grünen-Politikerin Aras: „Ich sprach kein Deutsch, als ich in die Hauptschule kam“

Heftige Kritik an Linnemanns Aussagen gibt es aus der Politik. Die Präsidentin des baden-württembergischen Landtags, Muhterem Aras (Grüne) sagte: „Ich sprach kein Deutsch, als ich als 12-Jährige in die Hauptschule kam“, kommentierte die Grünen-Politikerin mit türkischen Wurzeln Linnemanns Vorschlag auf Twitter. „Als meine Nebensitzerin in der 1. Stunde sah, dass ich die Matheaufgabe gelöst hatte, durfte ich sie an der Tafel vorrechnen. Später habe ich ein Steuerbüro aufgebaut und wurde Präsidentin.“

Kipping wirft Linnemann „Stimmenfang im rechten Sumpf“ vor

Linke-Chefin Katja Kipping sagte der Deutschen Presse-Agentur: Mit seinen Äußerungen zu Grundschulkindern gehe Linnemann auf „Stimmenfang im rechten Sumpf“.

Kipping warf dem CDU-Politiker vor, das Thema mit Meldungen über Gewalttaten von Erwachsenen zu vermengen. „Ist ihm nicht bekannt, dass der Täter von Frankfurt, der offensichtlich eine psychotische Störung hatte, fließend deutsch spricht und als Schweizer praktisch den gleichen Migrationshintergrund hat wie Alice Weidel?“

Kein Deutsch, keine Einschulung? Ein Vorstoß aus der Politik sorgt für Diskussionen.

SPD-Frau Völlers kontert Linnemann: „Zum Fremdschämen“

Die SPD-Bildungspolitikerin Marja-Liisa Völlers sagte der dpa, die Aussagen Linnemanns seien „wirklich zum Fremdschämen und populistisches Getöse wie in Wahlkampfzeiten“. Man könne Kinder nicht von der Grundschule ausschließen, nur weil sie schlecht Deutsch sprächen. Das schaffe Parallelgesellschaften und langfristige Integrationsprobleme, anstatt sie zu lösen. „Die Kinder sind genau richtig da, wo sie sind. Ein besseres Lernumfeld für alle Kinder als Schulunterricht mit Gleichaltrigen gibt es doch gar nicht.“

Auch die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hatten den Vorstoß von Linnemann vehement zurückgewiesen. Prien sprach in der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstag) von „populistischer Unfug“ und „der völlig falsche Weg“. Diese Kinder gehörten vielmehr „im Rahmen der Regelbeschulung“ in Deutsch-als-Zweitsprache-Klassen.

CDU-Mann Linnemann spricht von „neuen Parallelgesellschaften“

Linnemann hatte in der „Rheinischen Post“ (Dienstag) mit Verweis auf „neue Parallelgesellschaften“ gesagt: „Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen“. Für betroffene Kinder schlug er eine Vorschulpflicht vor. Notfalls müsse eine Einschulung auch zurückgestellt werden. Erwähnt hatte er auch die Vorfälle in Freibädern, die Tat auf dem Frankfurter Bahnsteig und die Schwertattacke in Stuttgart. Das alles wühle die Menschen auf und befeuere die Sorge, dass neue Parallelgesellschaften entstehen könnten.

rjs/dpa

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