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CDU - Gremiensitzungen
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Armin Laschet will für die Union das Kanzleramt erobern. Doch was macht der CDU-Chef wenn das nicht klappt?

CDU im Wahlkampf

Operation Rückfahrkarte: Armin Laschet hält sich alles offen

  • Tobias Möllers
    VonTobias Möllers
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Der Wahlkampf zur Bundestagswahl im September läuft für die Union bisher bescheiden. CDU-Chef Armin Laschet will sich wohl auch deshalb nicht auf einen Karriereplan festlegen.

Berlin - CDU-Chef Armin Laschet will die Nachfolge von Angela Merkel antreten und Kanzler werden. Seine Partei jedoch, die Union aus CDU und CSU, folgt ihm bisher eher widerwillig und das Wahlvolk lässt auch deutlich Zuspruch vermissen. In den meisten Umfragen liegt die Grüne Annalena Baerbock vorn, so dass es bei der Bundestagswahl im September zu einem historischen Ergebnis, einem grünen Kanzleramt und den harten Oppositionsbänken für Laschet und Co. kommen könnte.

Für Laschet, amtierender Ministerpräsident und CDU-Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen und seit Januar auch Parteichef der Bundes-CDU dürfte es verlockendere Aussichten geben. Zeit also, sich über eine Rückfalloption Gedanken zu machen. Sollte das mit der Wahl im September schiefgehen, könnte Laschet doch auch einfach Ministerpräsident in NRW bleiben, statt in Berlin auf den Bänken der Opposition Platz zu nehmen.

Laschet zwischen NRW und Berlin: Was will der CDU-Chef?

Ursprünglich wollte Laschet seinen Landesvorsitz im bevölkerungsreichsten Bundesland möglichst bald abgeben. Dafür prädestiniert schien der Landesparteitag der NRW-CDU, der im Frühsommer stattfinden soll bzw. sollte. Denn nach Informationen von Spiegel und Süddeutscher Zeitung möchte Laschet den Landesparteitag gerne auf Oktober verlegen, also auf einen Termin nach der Bundestagswahl. Das bestätigten mehrere Mitglieder des Landesvorstands in Nordrhein-Westfalen den Blättern.

Sollet Laschet bei der Bundestagswahl im September Baerbock oder gar SPD-Kandidat Olaf Scholz unterliegen, könnte er einfach in NRW Landeschef bleiben und dort 2022 bei der Landtagswahl erneut als Spitzenkandidat der CDU antreten. Dafür führt der CDU-Chef nach Spiegel-Informationen seit einigen Tagen Gespräche, um die Verschiebung des Landesparteitags vorzubereiten. Am Montagabend kommt der Landesvorstand der NRW-CDU das nächste Mal zusammen, dabei könnte dann über den endgültigen Termin des Parteitags entschieden werden.

Offiziell würde eine Verschiebung des Parteitags in den Oktober damit begründet, dass der Parteitag mit rund 700 Personen in Präsenz stattfinden soll, was im Frühsommer aufgrund der aktuellen Corona-Lage noch nicht möglich sei. Zudem wolle man sich nun ganz auf die Bundestagswahl konzentrieren und den Wahlkampf nicht durch neue Personalia belasten.

Berlin oder NRW? CDU-Chef Laschet begibt sich auf gefährliche Gratwanderung

Das Manöver ist für Laschet allerdings eine gefährliche Gratwanderung. Zum einen stände er fortan immer unter Beschuss von Opposition und Medien, den Schritt nach Berlin nur halbherzig zu machen und somit gar nicht richtig an die Eroberung des Kanzleramts zu glauben, weil er sich ja seine Rückfalloption in Nordrhein-Westfalen offenhält. Zum anderen laufen sich im bevölkerungsreichsten Bundesland längst mögliche Nachfolger für den Landesvorsitz und auch das Ministerpräsidentenamt warm, die Laschet damit vor den Kopf stoßen würde.

Die besten Chancen auf die beiden Ämter dürfte momentan NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst haben. Doch auch Innenminister Herbert Reul und die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, Ina Scharrenbach, sollen Ambitionen auf die Laschet-Nachfolge im Land haben. Sie alle würden vorerst in der Warteschleife landen, wenn sich Laschet mit einer Verschiebung durchsetzen kann.

CDU-Kandidatur: Röttgen als warnendes Beispiel für Laschet

Eigentlich müsste Laschet sein ehemaliger Mitbewerber um den Parteivorsitz, Norbert Röttgen, ein warnendes Beispiel sein. Röttgen hatte 2012 als Spitzenkandidat der CDU für das Ministerpräsidentenamt in NRW kandidiert. Der damalige Bundesumweltminister vermied aber bis zum Schluss eine Festlegung, ob er auch im Fall einer Wahlniederlage nach NRW wechseln würde. Das Ende ist bekannt: Röttgen verlor sowohl die Wahl in NRW wie auch sein Ministeramt in Berlin.

Macht Laschet jetzt den gleichen Fehler? Als Politiker kein Risiko einzugehen und an Posten festzuhalten, kommt bei der Wählerschaft selten gut an. Vor allem fällt es schwer, Wähler von einem Wahlsieg zu überzeugen, wenn man es offensichtlich selbst nicht ist. Um die Gefahr weiß Laschet wohl. In einem Exklusiv-Interview mit der FAZ äußerte er sich am Freitag das erste Mal vermeintlich eindeutig. Auf die Frage, ob er im Fall einer Niederlage bei der Bundestagswahl Ende September für sich „ein Rückfahrticket nach Düsseldorf“ beanspruche, um weiter als NRW-Ministerpräsident regieren zu können, sagte er: „Klares Nein. Für mich ist klar: Mein Platz ist nach der Bundestagswahl in Berlin. Ich will Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden und werde mit aller Kraft dafür kämpfen, dass die Union die Wahl gewinnt.“

Alles klar also? Von wegen! Ob er im Fall einer Nichtwahl Oppositionsführer im Bundestag werden will, ließ Laschet auch hier offen: „Ich trete an, um die Wahl zu gewinnen. Wer was wann wie wird, entscheiden Partei und Fraktion nach dem Votum der Wählerinnen und Wähler.“ Im Bund – und wenn der Parteitag auf den Oktober verschoben wird auch in NRW. (Tobias Möllers)

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