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Angela Merkel ist CDU-Politikerin und seit 16 Jahren Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland.
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Angela Merkel ist CDU-Politikerin und seit 16 Jahren Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland.

Bundestagswahl 2021

CDU hat einige Wandel hinter sich – und steht vor dem nächsten

  • Sophie Vorgrimler
    VonSophie Vorgrimler
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Mit Angela Merkel stellt die CDU seit 16 Jahren die Bundeskanzlerin, die ihr Amt 2021 abgibt. Die Partei hat die Bundesrepublik Deutschland maßgeblich geprägt.

  • Die CDU hat eine mehr als 70-jährige Geschichte und gehört damit zu den ältesten Parteien Deutschlands.
  • Sie hat ein christlich-soziales, konservatives und wirtschaftsorientiertes Profil.
  • Die aktuelle Bundeskanzlerin Angela Merkel wird nach der Bundestagswahl 2021 ihr Amt abgeben.

Frankfurt – Die Christlich Demokratische Union (CDU) gehört zu den einflussreichsten Parteien der Bundesrepublik Deutschland. Weil sie von allen Parteien die längste Zeit an Bundes- und Landesregierungen beteiligt war, hat sie innen- und außenpolitische Entscheidungen - und somit das Profil der Bundesrepublik Deutschland - entscheidend geprägt.

Die CDU gilt als bürgerlich und ist im politischen Spektrum mittig-rechts einzuordnen. Die Partei fühlt sich dem christlichen Menschenbild verpflichtet, ist aber überkonfessionell geprägt. Die politische Ausrichtung ist konservativ und ordoliberal – letzteres bedeutet, dass durch eine Wirtschaftsstruktur Wachstum und Freiheit der Bürger:innen erlangt werden sollen.

Berlin und Bayern: Deutsche Unionsparteien CDU und CSU vertreten verschiedene Positionen

Durch politische Entscheidungen, Modernisierungen und Positionen einzelner Parteimitglieder wandelte sich die Identität der Partei. Den letzten merkbar großen Wandel hat die sogenannte Flüchtlingskrise herbeigeführt, in der Bundeskanzlerin Angela Merkel zunächst - anders als viele Parteikolleg:innen es forderten - einen humanistischen Ansatz verfolgte. Dieses Vorgehen stieß teilweise auf Gegenwind innerhalb der Partei - besonders seitens der Schwesterpartei CSU - und sorgte für eine leichte Bewegung nach Links im politischen Spektrum.

Mit 400.000 Parteimitgliedern ist die CDU eigentlich zweitgrößte Partei in Deutschland. Da sie sich mit ihrer Schwesterpartei, der bayerischen Christlich-Sozialen Union (CSU), zu einer gemeinsamen Unionspartei zusammengeschlossen hat (CSU hat 137.000 Mitglieder), haben sie als Unionsparteien die meisten Parteimitglieder in Deutschland. Sie bilden im Bundestag eine gemeinsame CDU/CSU-Fraktion. Das ist ein Sonderfall in der politischen Landschaft in Deutschland. Generell gilt die bayerische CSU als konservativer und traditionsbewusster als die CDU, die ihren Sitz im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin hat.

Mit Sitz im Berliner Schloss Bellevue: CDU stellte bereits sechs Bundespräsidenten

In ihrer mehr als 70-jährigen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gehörten bereits sechs Bundespräsidenten der CDU an.

  • Heinrich Lübke (1959 – 1959)
  • Karl Carstens (1979 - 1984)
  • Richard von Weizsäcker (1984 - 1994)
  • Roman Herzog (1994 - 1999)
  • Horst Köhler (2004 - 2010)
  • Christian Wulff (2010 - 2012)

Bundesregierung in Berlin: Die meisten deutschen Bundeskanzler:innen gehörten der CDU an

Keine Partei hat seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland so lange regiert wie die Unionsparteien CDU/CSU. Lediglich zwischen 1969 und 1982 sowie in den Jahren 1998 und 2005, als Deutschland von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) regiert wurde, befanden sich die Parteien der Union in der Opposition.

Die CDU stellte bisher fünf Kanzler:innen für die Bundesrepublik Deutschland. Ein Zeitstrahl mit allen Kanzlerinnen und Kanzlern der Bundesrepublik Deutschland hat das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung auf einer Webseite zusammengefasst.

CDU Kanzler:inAmtszeitDauer
Konrad Adenauer1949–196314 Jahre
Ludwig Erhard1963–19663 Jahre
Kurt Georg Kiesinger1966–19693 Jahre
Helmut Kohl 1982–199816 Jahre
Angela Merkel seit 200516 Jahre

Seit 2005 stellt die CDU in der vierten Legislaturperiode in Folge die Bundeskanzlerin mit Angela Merkel. Sie wird nach der Bundestagswahl 2021 am 26. September das Kanzleramt abgeben. Armin Laschet und Markus Söder wurden anfangs als Kanzlerkandidaten für die CDU und CSU gehandelt. Auch der stark polarisierende Friedrich Merz war bereits im Gespräch, ebenso wie Gesundheitsminister Jens Spahn. Letztlich hat sich die Partei für Laschet entschieden.

Seit Januar 2021 ist Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Armin Laschet (CDU) auch Parteivorsitzender.

Nach der Bundestagswahl 2021 – Auch neuer Bundestagspräsident

Ebenso wird nach der Bundestagswahl 2021 der Bundestagspräsident neu gewählt. Derzeit belegt dieses Amt der CDU-Politiker Wolfgang Schäuble. In der aktuellen Bundesregierung, dem Kabinett Merkel IV, führen neun Mitglieder von CDU und CSU ein Ministeramt der Bundesrepublik Deutschland aus:

  • Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU): Verteidigungsministerin
  • Anja Karliczek (CDU): Bildungs- und Forschungsministerin
  • Julia Klöckner (CDU): Ernährungs- und Landwirtschaftsministerin
  • Jens Spahn (CDU): Gesundheitsminister
  • Andreas Scheuer (CSU): Verkehrsminister
  • Peter Altmaier (CDU): Energie- und Wirtschaftsminister
  • Helge Braun (CDU): Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes
  • Horst Seehofer (CSU): Innen-, Bau- und Heimatminister
  • Gerd Müller (CSU): Entwicklungsminister

CDU in Deutschland: Regierungsbeteiligungen und Koalitionen in Bund und Land

Während ihren Regierungsbeteiligungen im Bund ging die CDU in den meisten Fällen mit ihrer Schwesterpartei CSU und mit der wirtschaftsliberalen FDP eine Koalition ein. Den Parteifarben nach bildeten sie so eine schwarz-gelbe Koalition. Seit der Bundestagswahl 2013 regiert die CDU in einer Großen Koalition mit CSU und SPD.

In neun Bundesländern ist die CDU Teil der Landesregierung, in sechs Bundesländern gehören die jeweiligen Ministerpräsident:innen der CDU an. In Bayern führt das Amt des Ministerpräsidenten seit 2018 der CSU-Politiker Markus Söder aus.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) 2021 bei der Trauerfeier des rassistischen Anschlags in Hanau.
  • Hessen: Volker Bouffier, seit 2010
  • Nordrhein-Westfalen: Armin Laschet, seit 2017
  • Saarland: Tobias Hans, seit 2018
  • Schleswig-Holstein: Daniel Günther, seit 2017
  • Sachsen: Michael Kretschmer, seit 2017
  • Sachsen-Anhalt: Reiner Haseloff, seit 2011

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs: Gründung der Christlich Demokratischen Union (CDU)

Gegründet wurde die CDU nach dem Zweiten Weltkrieg als überkonfessionell christliche Partei, die Protestanten und Katholiken vornehmlich durch eine antisozialistische Ausrichtung einen konnte. Der 26. Juni 1945 ist das offizielle Gründungsdatum der CDU. Ihren ersten Parteitag hielt sie allerdings erst im Oktober 1950 ab. Die Partei orientierte sich schon damals an bürgerlich-konservativen Werten, einem christlichen Menschenbild und der Sozialen Marktwirtschaft.

Die CDU stellte mit Konrad Adenauer ab 1949 den ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er übte sein Amt 14 Jahre bis 1963 aus. Bis in die Mitte der 1960er-Jahre konnte die CDU regelmäßig eine große Mehrheit der Wähler:innen überzeugen. Grund dafür war auch die erfolgreiche Etablierung des Projekts Bundesrepublik Deutschland in West-Deutschland und der anhaltende wirtschaftliche Aufschwung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, das sogenannte „Wirtschaftswunder“.

Deutschland: Nach der Ära Adenauer unterzieht sich die CDU einem Wandel

Auf Adenauer folgten Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger als CDU-Mitglieder im Kanzleramt. Nachdem die CDU 1969 als Regierungspartei durch die SPD unter Willy Brandt abgelöst wurde, unterzog sich die CDU – erstmals in der Opposition – einem Wandel hin zu einer Programmpartei. Helmut Kohl, CDU-Vorsitzender ab 1973, trieb diesen mit der Verabschiedung des ersten Grundsatzprogramms 1978 voran.

1982 wurde die CDU erneut zur Regierungspartei gewählt. Helmut Kohl war in der Folge vier Legislaturperioden, 16 Jahre lang, Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Mauerfall und Wiedervereinigung der ostdeutschen DDR und der westdeutschen BRD fielen in seine Regierungszeit.

Tiefpunkt der CDU in Deutschland: Helmut Kohls Spendenaffäre, Merkel distanziert sich

Am Ende der Ära Kohl lag eine Parteispenden-Affäre. Sie hat das Vertrauen der Deutschen in die CDU kurzzeitig gemindert. Kurz zuvor wurde die CDU 1998 erneut von der SPD als stärkste Bundespartei abgelöst.

Angela Merkel übernahm 2000 den Parteivorsitz der CDU und wurde 2005 zur Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Auch sie wird ihr Amt vier Legislaturperioden und 16 Jahre ausgeübt haben. Nachdem sie angekündigt hatte, dass sie 2021 nicht erneut als Kanzlerkandidatin antreten und somit definitiv als Bundeskanzlerin ausscheiden wird, fehlte es an einer ebenso starken Führungsfigur. Angela Merkel legte Ende 2018 ihr Amt als Parteivorsitzende nieder, zunächst wurde der Vorsitz von Annegret Kramp-Karrenbauer übernommen. Kramp-Karrenbauer wurde im Januar 2021 von Armin Laschet abgelöst. Dieser geht bei der Bundestagswahl 2021 als Kanzlerkandidat der Union ins Rennen.

Angela Merkel.

CDU: Traditionelle Wählergruppen in Deutschland schwinden

Während die CDU sich aufgrund ihrer langen Regierungsphasen oft als selbstverständliche Regierungspartei versteht, sinkt wie bei vielen etablierten Parteien die breite Zustimmung, insbesondere auf Landesebene und in Großstädten wie Hamburg.

Es lassen sich klare traditionelle CDU-Wähler:innen-Gruppen ausmachen, dazu gehören Landwirte, Selbstständige, Beamte. Auch wenn die CDU nach wie vor den Status einer Volkspartei hat, verliert sie beim traditionellen Klientel Stimmen: Die kirchengebundenen Wähler:innen, die der CDU aufgrund ihrer christlichen Konfession zugeneigt sind, werden weniger. Und unter Seniorinnen und Senioren, ehemals eine typische Wähler:innengruppe, schwindet die Zustimmung.

Skandale in der CDU: Kohls Spendenaffäre erschüttert die Wähler:innen und Politiker

Eine der dunkelsten Phasen in ihrer Geschichte hatte die CDU 1991 mit der Spendenaffäre - verursacht durch den Parteichef Helmut Kohl. Er hatte Spenden von bis zu zwei Millionen Mark in bar erhalten - und auch nach dem öffentlich werden nicht offengelegt, von wem die Spenden kamen. Zahlreiche namhafte CDU-Mitglieder distanzierten sich von Kohl, darunter Wolfgang Schäuble und Angela Merkel - bis dahin enge Vertraute. Kohl musste seinen Ehrenvorsitz niederlegen.

Auch in der jüngeren Geschichte war die CDU in Skandale verwickelt. Ein weiterer Schlag für die Integrität der Partei war die Spenden-Affäre des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, dem Bestechlichkeit vorgeworfen wurde. Zunächst wurde sie als „Kredit-Affäre“, dann als „Medien-Affäre“, später als „Wulff-Affäre“ bezeichnet. Sie mündete im Rücktritt des CDU-Politikers.

Im Zuge der Corona-Pandemie 2020 kam es 2021 zur sogenannten Masken-Affäre. Politiker, darunter Georg Nüßlein (CSU) und Nikolas Löbel (CDU) sollen sich am Ankauf von Schutz-Masken bereichert haben. Sie beide sind aus der Partei ausgetreten.

Innen- und Außenpolitik der CDU: Politische Positionen in Deutschland, Europa und der Welt

Um Familien zu fördern, haben Eltern seit 1996 einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz und seit 2013 auf einen Platz in einer Krippe. Mit etwa einem Drittel der Stimmen von CDU/CSU wurde 2017 die gleichgeschlechtliche Ehe beschlossen, die CDU hat diese Wahl jedoch nicht proaktiv vorangetrieben. Die CDU einigte sich 2020 auf eine Frauenquote für Parteiämter. Sie soll schrittweise eingeführt werden und 2025 bei 50 Prozent liegen. (Sophie Vorgrimmler)

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