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Sonst eher ruhig: Carsten Linnemann.

Porträt

Carsten Linnemann, der laute Leisetreter

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Als Haudrauf war CDU-Mann Carsten Linnemann bislang eher nicht bekannt.

Es ist eher selten, dass Carsten Linnemann mal richtig laut wird. Auf dem Parteitag im letzten Dezember zum Beispiel, als Friedrich Merz nicht Parteichef geworden war. „Lieber Friedrich, bleib’ bei uns“, flehte er Merz an. Und der Partei rief der 42-Jährige fast verzweifelt zu: „Wir müssen den Laden hier zusammenhalten, verdammt noch mal.“ Es war ein Ausbruch, der deutlich machte, wie labil die Lage der Partei nach der knappen Abstimmung war. Wenn schon Linnemann panisch wird, dann ist in der CDU schon etwas los.

Er ist in den vergangenen Jahren nicht so der Haudrauf gewesen, sondern gab sich eher leise und überlegt. Andere polterten und fanden scharfe Worte. Linnemann blieb freundlich und verbindlich, wog ab, hielt sich zurück, versuchte es mit Sachlichkeit und ließ die Polemik lieber mal weg. Leidenschaft brach bei dem promovierten Volkswirt durch, wenn es um Themen ging wie Fristen für den Verlustvortrag im Steuerrecht. Eine breite Öffentlichkeit begeistert man damit nicht so sehr. Linnemann fand, er könne so mehr durchsetzen. Mit Ruhe, nicht auf Konfrontation gebürstet, mit Gesprächen im Hintergrund statt durch öffentliche Forderungen.

Der Christdemokrat, der für einen Chefökonomen der Deutschen Bank gearbeitet und im Bundestag gegen die Griechenland-Kredite gestimmt hatte, verließ den bisherigen Weg des Wirtschaftsflügels, ewig Kritik an Kanzlerin Angela Merkel zu üben, und bemühte sich um kleine Abstimmungserfolge auf Parteitagen.

So setzte er zum Beispiel auf Jens Spahn. Wirtschaftsflügel und Junge Union drängten Merkel nach der letzten Bundestagswahl, ihren Widersacher zum Minister zu machen. Die unklare Haltung der neuen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer in der Klimapolitik lag auch daran, dass sie versuchte, Linnemann für sich zu gewinnen – den Mann, der auf dem Parteitag so gefleht hatte.

Der ist seit der Wahl Vize-Fraktionschef, mit der Zuständigkeit für Wirtschaft und Finanzen. Sein Themenfeld hat er seit einer Weile erweitert, um einen Bereich, der mehr Aufmerksamkeit verspricht als der Verlustvortrag: Zu Anfang des Jahres erschien sein Buch „Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland“, eine Sammlung von Aufsätzen von Islamkritikern. Nun hat sein Vorstoß zu Deutschkenntnissen von Grundschülern für Aufregung gesorgt. Linnemann versichert, er habe nicht von einem „Grundschulverbot“ gesprochen. Möglicherweise ist er vor der eigenen Lautstärke erschrocken.

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