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Carles Puigdemont kämpft für Katalonien länger, als er Politik macht.
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Carles Puigdemont kämpft für Katalonien länger, als er Politik macht.

Katalonien

Carles Puigdemont, cleverer Radikaler

  • Martin Dahms
    VonMartin Dahms
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Der 54-jährige katalanische Ministerpräsident Carles Puigdemont ist nicht erst seit gestern Separatist. Ein Porträt.

Ein paar Sätze seiner Ansprache vor dem katalanischen Parlament am Dienstagabend sagte Carles Puigdemont auf Spanisch. Das ganze Land sollte ihn verstehen. Einer davon: „Wir sind nicht verrückt.“ Genau das aber glauben viele Spanier, Katalanen eingeschlossen. Die Unabhängigkeitsgegner halten den ganzen Separatismus für eine „locura“, einen Wahnsinn; sie können sich nicht erklären, was in Puigdemont und Co. gefahren sein mag.

Carles Puigdemont will die Unabhängigkeit Kataloniens

Wenn es Wahnsinn wäre, dann hätte er doch Methode. Der 54-jährige katalanische Ministerpräsident ist nicht erst seit gestern Separatist; erst schrieb er als Journalist für die Unabhängigkeit, dann ging er in die Politik. 2006 kandidierte er erstmals für das bürgerliche Parteienbündnis CiU, das damals noch nicht auf separatistischem Kurs war, weswegen er sich eigentlich die falsche Partei gesucht hatte. Aber vielleicht wusste er da schon mehr: dass sich bald die Parteilinie ändern sollte. Puigdemont gehörte zu denen, die dazu ihren Beitrag leisteten.

Vom Regionalparlament wechselte er 2011 ins Rathaus Gironas, der Hauptstadt seiner Heimatprovinz. Als Bürgermeister begann er sich langsam in Katalonien einen Namen zu machen; vor allem ab Juli 2015, als er die Präsidentschaft der „Kommunen für die Unabhängigkeit“ übernahm. Da war es kein Geheimnis mehr, wohin die Reise gehen sollte. Die einzige Überraschung kam ein gutes halbes Jahr später: dass ausgerechnet Puigdemont diese Reise anführen würde.

Im September 2015 hatten die Katalanen ein neues Regionalparlament gewählt. Den Sieg trug ein separatistisches Wahlbündnis unter Amtsinhaber Artur Mas davon, der deswegen davon ausging, dass er weiterregieren werde. Aber zur absoluten Mehrheit fehlten ihm noch ein paar Stimmen. Die linksradikale CUP wollte Mas’ Bündnis unterstützen – aber nur ohne Mas, wegen dessen Sparpolitik und seiner Nähe zu Protagonisten von zig Korruptionsaffären. Dann lieber Puigdemont: einer aus der zweiten Reihe, von tadellos separatistischer Herkunft. Im Januar 2016 wurde er Ministerpräsident.

Puigdemont hat seitdem die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt, beinahe. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ihm nach Dienstagabend ausgerechnet die CUP Verrat vorwirft: weil er sich im letzten Moment nicht getraut hat, tatsächlich die Unabhängigkeit Kataloniens auszurufen. Ganz so verrückt ist er offenbar doch nicht.

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