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Care-Arbeit wird noch immer zum großen Teil von Frauen geleistet. Der Equal Care Day will auf die mangende Wertschätzung und ungerechte Verteilung dieser Arbeit aufmerksam machen.

Equal Care Day

Das Unsichtbare sichtbar machen: Der Equal Care Day rückt die Sorgearbeit ins Zentrum

Von Wäsche waschen bis Windeln wechseln: Die Care-Arbeit wird noch immer hauptsächlich von Frauen geleistet. Ein bundesweiter Aktionstag lenkt die Aufmerksamkeit auf diese Ungerechtigkeit. 

  • Care-Arbeit ist in Deutschland noch immer nicht geschlechtergerecht aufgeteilt
  • Darauf möchte der Equal Care Day aufmerksam machen
  • Seit 2016 findet er am 29.02. oder am 01.03. statt

Kindererziehung, Haushalt, Pflege - Frauen leisten in Deutschland durchschnittlich 52,8 Prozent mehr unbezahlte Care-Arbeit im privaten Bereich als Männer. Betrachtet man die Aufteilung in der beruflichen Care-Arbeit, ist der Unterschied sogar noch größer. Dieser Unterschied wird analog zur bekannten Gender-Pay-Gap als Gender-Care-Gap bezeichnet. Ein bundesweiter Aktionstag soll auf die ungleiche Verteilung und geringe Anerkennung der Care-Arbeit aufmerksam machen und die sonst oftmals unsichtbare Arbeit ins öffentliche Bewusstsein bringen. Für den Equal Care Day wurde der 29. Februar ausgewählt. Da das Datum nur alle vier Jahre im Kalender erscheint, macht es die Unsichtbarkeit, die mit der Care-Arbeit einhergeht, besonders gut deutlich.

Equal Care Day: Was ist Care-Arbeit?

Der Begriff der Care-Arbeit entstammt amerikanischen feministischen Debatten und beschreibt all jene Tätigkeiten, die im weitesten Sinne mit Kinderaufzucht, Familie, Haushalt und Pflege zusammenhängen. Im deutschsprachigen Raum wurden in feministischen Debatten lange Zeit die Begriffe Hausarbeit oder Reproduktionsarbeit genutzt - letztere vor allem in marxistischen feministischen Kreisen. Das besondere am Care-Begriff ist, dass er insbesondere die zwischenmenschlichen Aspekte der Arbeit betont - all die Formen des Sorgens und Kümmerns, die mit der Arbeit einhergehen und sich gegen gängige Begriffe von Arbeit sperren. Mit dem Begriff wird zudem nicht nur die Fürsorge - also das Kümmern um Andere - sondern ebenso die Selbstsorge bezeichnet.

Wenngleich außer Frage steht, dass das gesellschaftliche Zusammenleben ohne die Care-Arbeit nicht funktionieren würde, erfährt sie in unserer Gesellschaft wenig Anerkennung. Nicht zuletzt die nicht vorhandene oder geringe Entlohnung macht das deutlich.

Dazu trägt auch der Aspekt der Unsichtbarkeit bei, der für Care-Arbeit charakteristisch ist. Eben weil die Arbeit so viele Tätigkeiten enthält, die sich nicht in das klassische Schema von Arbeit einordnen lassen, geht unter, welch emotionaler, organisatorischer und körperlicher Aufwand die Care-Arbeit ist. Hinzu kommt, dass Care-Arbeit zu großen Teilen im privaten Raum stattfindet. In der kapitalistischen Logik ist dieser frei von Arbeit, er dient vielmehr der Regeneration. Dabei wird ausgeblendet, dass insbesondere Frauen einen erheblichen Teil an Arbeit leisten, um die Regeneration der Arbeitskraft anderer zu ermöglichen.

Equal Care Day: Care-Arbeit als weibliche Arbeit

Obwohl Frauen heute in großer Zahl auf dem Arbeitsmarkt tätig sind und das nicht selten in Vollzeit, fällt ihnen noch immer ein Großteil der Care-Arbeit zu. Das liegt unter anderem daran, dass es sich in weiten Teilen um Tätigkeiten handelt, die als angeborene Fähigkeiten von Frauen betrachtet werden. Diese Sichtweise blendet aus, dass Frauen in ihrer Sozialisation darauf trainiert werden, besonders fürsorglich, achtsam und ordentlich zu sein. 

Die Kombination aus Voll- oder Teilzeitarbeit und Care Arbeit führt bei vielen Frauen zu Überbelastung. Es entsteht ein dauerhaft erhöhter Mental Load. Als Mental Load werden die Planungs- und Koordinierungsprozesse bezeichnet, die notwendig sind, damit das Paar- und Familienleben funktioniert. Diese Prozesse, alle To-Dos mitzudenken, liegen oftmals in der Verantwortung von Frauen und sind Teil der Care-Arbeit.

Die Tatsache, dass viele Frauen in westlichen Industrienationen heute auf dem Arbeitsmarkt aktiv sind führt dazu, dass Teile der Care-Arbeit ausgelagert werden. Hier wird der Aspekt der Migration relevant: Insbesondere in der (Alten-)Pflege und im Reinigungssektor wird die Arbeit oft an migrantische Frauen weitergegeben. Diese sind oftmals sehr schlecht bezahlt. Hinzu kommt, dass viele migrantische Frauen illegalisiert werden und deswegen besonders prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu befürchten haben.

Equal Care Day am 29. Februar

Aufschlussreich an der letztgenannte Tatsache ist, dass Care-Arbeit nach wie vor von Frauen ausgeübt wird. Eine Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt führt nicht automatisch zu einer geschlechtergerechten Aufteilung der Care-Arbeit. Hinzu kommt, dass weit über 80 Prozent der beruflichen Care-Arbeit von Frauen geleistet wird - und die ist besonders schlecht bezahlt.

Um auf all diese Aspekte aufmerksam zu machen, hat ein Bündnis aus Aktivistinnen den Equal Care Day ins Leben gerufen, der seit 2016 einmal im Jahr stattfindet. Als Tag wurde der 29. Februar ausgewählt, um die Unsichtbarkeit der Care-Arbeit zu verdeutlichen. In den Jahren, in denen der 29. Februar nicht im Kalender steht, wird der Equal Care Day am 01. März begangen. Das Datum symbolisiert außerdem das Verhältnis von 4:1 bei der Verteilung der Care-Arbeit. Es ruft in Erinnerung, dass Männer laut einer Studie vier Jahre bräuchten, um all die unbezahlte Care-Arbeit zu leisten, die Frauen in einem Jahr leisten.

Equal Care Day: Die Initiator*innen

Der Equal Care Day entstand 2016 in Anlehnung an den Equal Pay Day. Er wurde von Almut Schnerring und Sascha Verlan ins Leben gerufen. Die beiden Initiator*innen arbeiten im Team als freiberufliche Journalist*innen und Autor*innen. Genau wie die gemeinsame Arbeit, versuchen sie sich auch die Care-Arbeit in ihrem Haushalt mit drei Kindern fair aufzuteilen. Gemeinsam betreiben sie die Seite „Die Rosa-Hellblau-Falle“ und sind im Rahmen dieser Arbeit auf die Idee gekommen, einen Aktionstag zu initiieren.

Seit 2018 wird der Aktionstag vom Verein klische*esc e.V. veranstaltet und seit 2019 von Bundeszentrale für politische Bildung gefördert. Der Verein klische*esc e.V. setzt sich für die „Förderung von Wahlfreiheit jenseits limitierender Rollenklischees“ ein. Klische*esc e.V. koordiniert die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, sorgt für Vernetzung der Beteiligten und lädt Menschen und Organisationen aus anderen Ländern ein, sich einzubringen und gemeinsam aktiv zu werden. Die Initiative Equal Care Day ist Mitglied im Netzwerk „Care Revolution“. Eine Reihe prominenter Personen unterstützt den Equal Care Day - darunter die Rapperin Sookee, die Kolumnistin Margarete Stokowski und die Politikwissenschaftlerin Antje Schrupp.

Deutschlandweit Veranstaltungen zum Equal Care Day

Rund um den Equal Care Day finden deutschlandweit verschiedenste Veranstaltungen statt. Die Veranstaltungen im Jahr 2020 finden in rund 30 verschiedenen Städten statt und reichen von Info-Ständen über Lesungen bis zu Workshops. In diesem Jahr findet darüber hinaus erstmals eine Hauptveranstaltung in Bonn statt. Hier hat die Initiative eine Gala geplant, am nächsten Tag gibt es eine Konferenz unter dem Titel „Wege in eine fürsorgliche Demokratie“. Auf der Konferenz soll unter anderem ein Forderungskatalog beschlossen werden, der dem nordrhein-westfälischen Landtag und dem Bundestag vorgelegt werden soll. Über alle Veranstaltungen zum Equal Care Day wird auf der Internetseite informiert.

Von Josephine von der Haar

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