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An Jeb Bush führt kein Weg vorbei

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Von: Daniel Haufler

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Jeb Bush stellt sein neues Buch vor, das den Hardlinern in der Republikanischen Partei gefallen dürfte.
Jeb Bush stellt sein neues Buch vor, das den Hardlinern in der Republikanischen Partei gefallen dürfte. © AFP

Jeb Bush, der jüngere Bruder von George W., läuft sich für die nächsten Präsidentschaftswahlen warm. Galt er früher als moderat und progressiv, ist davon kaum noch etwas zu spüren.

„The full Monty“ - diese Redewendung kennen einige von uns dank des tragikomischen Films aus dem Jahr 1997. In ihm versuchen entlassene Stahlarbeiter, „auf Ganze zu gehen“ und als Stripper im Stil der Chippendales Geld zu verdienen.

„The full Ginsburg“ ist bei uns nicht so bekannt, aber in den USA gerade in aller Munde. Der Ausdruck geht auf William Ginsburg zurück, der Monica Lewinsky als Anwalt vertreten hat. Er stellte am 1. Februar 1998 einen beachtlichen Rekord auf, als er in den fünf wichtigen politischen Talkshows der großen Fernsehsender (ABC, CBS, NBC, CNN, Fox) an einem einzigen Sonntag auftrat.

„Ich werde zu angemessener Zeit entscheiden“

Diesen Rekord hat nun Jeb Bush gebrochen. Denn er hat nicht nur „the full Ginsburg“ geschafft, sondern zusätzlich auch noch einen Auftritt im spanisch-sprachigen Kanal Univision auf Spanisch dazu. Also: The full Jeb. Nimmt man die TV-Auftritte der letzten Woche noch hinzu, ist das eine sensationelle Medienpräsenz – und das, um angeblich nur sein Buch „Immigration Wars: Forging an American Solution“ vorzustellen.

Mit einer möglichen Präsidentschaftskandidatur hat diese Medienkampagne überhaupt nichts zu tun, behauptet verschmitzt lächelnd der ehemalige Gouverneur von Florida: „Es sind ja gerade erst Wahlen gewesen. Ich werde zu angemessener Zeit entscheiden“, sagt er auf ABC. Und keiner glaubt ihm das so recht.

Der jüngere Bruder von George W. Bush hat sich diese Option nicht nur früher schon offen gehalten - für die Zeit nach Obama und damit lange genug nach Georges W.s Präsidentschaft, so dass die Wähler nicht mehr so genau die katastrophale Amtszeit seines Bruders in Erinnerung haben. Jeb hat mit seinem neuen Buch zudem einen anderen Ton angeschlagen. Galt er früher als moderat und gerade in Einwanderungsfragen als progressiv, ist davon nun kaum mehr etwas zu spüren.

Ein Bush bleibt ein Bush

Wie zuvor Mitt Romney, der einst liberale Gouverneur von Massachusetts, erweist Jeb Bush den rechten Hardlinern in der Republikanischen Partei Reverenz und lehnt anders als früher eine schnelle Einbürgerung für Einwanderer brüsk ab. Sozusagen: The full Romney. Wenn das nicht ein Hinweis auf eine Kandidatur 2016 ist...

Strategen der Republikaner verstehen es jedenfalls so, zumal sich Jeb Bush in den letzten Jahren außerordentlich zurück gehalten hat mit öffentlichen Stellungnahmen. Sie sehen ihn als einen der wenigen in der Partei, der sowohl an der Basis wie in der Führung Rückhalt hat. Und selbst wenn er nicht „aufs Ganze gehen“ und selbst antreten sollte, kann er zweifellos die Richtung der Republikaner mitbestimmen und bei der Auswahl eines künftigen aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten entscheidenden Einfluss nehmen. Ein Bush ist eben ein Bush.

An Jeb führt künftig definitiv kein Weg vorbei. Der lange Wahlkampf für die Entscheidung 2016 hat also schon begonnen. Bleibt nur die Frage: Was macht eigentlich Hillary Clinton?

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