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Ein US-Soldat bewacht einen Haufen irakischer Dinar. Doch die alte Währung ist nichts mehr wert. Was derzeit zählt, sind harte Dollar.
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Ein US-Soldat bewacht einen Haufen irakischer Dinar. Doch die alte Währung ist nichts mehr wert. Was derzeit zählt, sind harte Dollar.

Bush-Dollar statt Saddam-Dinar

  • VonHermannus Pfeiffer
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Im Nachkriegs-Irak ist die US-Währung bereits zur festen Größe geworden / Wissenschaftler warnen: "Keine Dauerlösung"

Mit dem Sturz Saddam Husseins fiel auch der irakische Dinar ins Bodenlose. "Da kein staatlicher Annahmezwang mehr besteht, ist die alte Währung praktisch wertlos", erklärt Hans-Eckart Scharrer gelassen. Diese Lücke fülle nun der Dollar. "Eine gute Idee", meint Scharrer, der Vizepräsident des Forschungsinstituts HWWA (Hamburger Weltwirtschaftsarchiv) ist. So wurden nach US-Angaben bereits Hafenarbeiter in Umm Kasr und Helfer in Basra mit Dollar bezahlt.

Mit dem frischen Geld aus Washington sollen dem Vernehmen nach in den kommenden Wochen vor allem irakische Beamte entlohnt werden, um das öffentliche Leben wieder in Gang zu bringen. "Kurzfristig ist die Dollarisierung eine gute Idee", bestätigt auch Axel Lindner, Währungsexperte des Instituts für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle. "Die Leute haben sofort eine Währung, der sie vertrauen und werden mit Dollar ihre Geschäfte abwickeln."

Offiziell wehrt sich Washington gegen den Verdacht einer Zwangswährung. "Das bedeutet nicht, dass wir eine Dollarisierung vollziehen", zitiert der Nachrichtenkanal Phoenix den US-Finanzstaatssekretär John Taylor. Die Einführung des Greenback sei keine Entscheidung über die künftige Währung - die müsse das irakische Volk treffen. Kritiker befürchten jedoch, dass mit dem "Bush-Dollar" das irakische Geldregime auf Jahre festgeschrieben wird. Deutsche Währungsexperten warnen allerdings, die Dollarisierung sei "keine Dauerlösung", vor allem nicht aus politischen und psychologischen Gründen. Schließlich, sagt Scharrer, "will jedes Land eine eigene Währung besitzen".

Deshalb sollte dem US-Geld rasch eine Währungsreform mit einem harten neuen Dinar folgen. Scharrer schlägt eine "unabhängige Zentralbank" vor und schränkt gleich ein, dass dies wohl zu westlich gedacht sei. Notfalls genüge eine "stabilitätsorientierte" Zentralbank, die das Vertrauen der Bevölkerung genieße. In Bosnien und Russland habe eben dieses Vertrauen in den 90er Jahren gefehlt, weshalb dort die heimischen Währungen durch Dollar und Euro schnell in die Ecke gedrängt worden seien.

Aziz Alkazaz ist optimistisch. "Die Pläne für eine Währungsreform liegen seit sechs Jahren in den Schubladen der Zentralbank in Bagdad", sagt der Irak-Fachmann des Deutschen Orientinstituts. Eine Währungsreform würde zu den ersten Aufgaben einer legitimierten und - wie Alkazaz betont - "frei gewählten" Regierung gehören. Bereits nach dem Dinar-Verfall infolge des ersten Irak-Kriegs, als Saddam die Banker zwang, die Notenpresse anzuwerfen, um den Wiederaufbau zu finanzieren, habe die Zentralbank den Dinar seit 2001 "relativ stabilisiert". Trotzdem sei der Dollar-Kurs vor dem jüngsten Krieg mit rund 2000 Dinar noch zehn Mal so hoch wie 1991 gewesen. Kompetenz und Enthusiasmus für eine Reform seien in der Zentralbank genügend vorhanden, glaubt der Wirtschaftswissenschaftler, und als "Öl-Schlüsselland" sei der Irak reif für eine stabile, unabhängige Währung.

Überraschend kam die Dollar-Einführung in Irak nicht. "Schon vor dem Krieg", so Scharrer, "hatte die USA eine Dollarisierung angekündigt". Ein Weg mit Tradition: So erhob die US-Militärregierung im Nachkriegsdeutschland ihr Geld faktisch zur Leitwährung. Jahrzehnte später band Argentinien - freilich auf Beschluss der eigenen Regierung - seinen Peso fest an den Dollar an.

Auch in Europa ist die Aufgabe der Selbstständigkeit der eigenen, schwachen Währung keineswegs unbekannt. Beispielsweise hatte Bulgarien seinen Lew zu einem festen Kurs zunächst an die Mark und später an den Euro gebunden.

Die Wirkung solcher mehr oder weniger starren Währungsregime ist umstritten. Zunächst sorgen sie zumeist für Stabilität und einen funktionierenden Geldkreislauf, ohne den ein wirtschaftlicher Aufschwung nicht möglich ist.

Argentinien bescherte die Dollar-Koppelung allerdings mittelfristig einen wirtschaftlichen Niedergang, weil der starke Peso-Dollar die eigenen Produkte international zu teuer machte. Zudem wuchs die Kluft zwischen Stadt und Land, zwischen Reich und Arm, eben zwischen Dollar-Besitzern und -Nichtbesitzern.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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