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Militärputsch in Burkina Faso: Neue Machthaber pflegen Kontakt zu russischen Söldnern

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Von: Daniel Dillmann

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Eine Gruppe Militärs übernimmt die Macht in Burkina Faso. Die Tür für die berüchtigte Söldnertruppe namens Wagner-Gruppe steht nun offen.

+++ Update, 26.01.2022: Einen Tag nach dem erfolgreichen Militärputsch in Burkina Faso werden Details über die Machthaber in Ouagadougou bekannt - und ihre Verbindungen zu der berüchtigten russischen Söldnertruppe namens Wagner-Gruppe. Einer der Führer des Militärputschs, Leutnant Paul-Henri Sandaogo Damiba, soll den Präsidenten Roch Kabore vor dem Umsturz mehrfach aufgefordert haben, die Sölder-Einheit offiziell zu engagieren, damit diese die reguläre Armee im Kampf gegen Islamisten unterstützen könne.

Doch Kabore lehnte den Einsatz der russischen Söldner in Burkina Faso ab. Das berichtet das Nachrichtenportal Daily Beast und beruft sich dabei auf Informationen aus dem direkten Umfeld des gestürzten Präsidenten. Demnach hatte Kabore Bedenken, weil ein Einsatz der Wagner Gruppe im benachbarten Mali auf breite Ablehnung aus dem Westen gestoßen war. In einem gemeinsamen Statement hatten insgesamt 16 Staaten, darunter Frankreich, Großbritannien, Italien und Deutschland, den Einsatz der russischen Söldner in Mali verurteilt und Wladimir Putin aufgefordert, „zu einem verantwortungsvollen und konstruktiven Verhalten in der Region“ zurückzukehren.

Ein Laster der russischen Söldner-Einheit „Wagner-Gruppe“ im Einsatz in Zentralafrika.
Ein Laster der russischen Söldner-Einheit „Wagner-Gruppe“ im Einsatz in Zentralafrika. (Archivbild) © Alexis Hug/afp

Burkina Faso: Einsatz russischer Söldner wird nun möglich

Die Wagner-Gruppe ist eine gefürchtete Einheit ehemaliger russischer Elite-Soldaten. Sie wird vom Kreml unterstützt und kämpfte bereits an der Seite prorussischer Separatisten in der Ukraine sowie im Bürgerkrieg in Syrien. Ihren Mitgliedern werden zahlreiche Kriegsverbrechen, darunter Folter, vorgeworfen.

Roch Kabore ist seit 2015 als Präsident von Burkina Faso im Amt. Das Land befindet sich seit Jahren in einem de facto Bürgerkrieg mit islamistischen Dschihadisten im Norden und Osten, die Verbindungen zu Al Kaida und dem Islamischen Staat (IS) haben. In den vergangenen sechs Jahren sollen in den Kämpfen 1500 Menschen getötet worden sein. Nach dessen Sturz dürfte die Tür für die russischen Söldner offen stehen.

NameBurkina Faso
Name (übersetzt)Land des aufrichtigen Menschen
HaupstadtOuagadougou
Bevölkerung20,9 Millionen (Stand: 2020)
WährungCFA-Franc

Putsch in Burkina Faso: Militär kündigt Machtübernahme im TV an

Erstmeldung vom 25.01.2022: Ouagadougou – In Burkina Faso hat das Militär nach eigenen Angaben die Regierung gestürzt. Präsident Roch Kabore befinde sich nicht mehr im Amt, meldet unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters. Ein Sprecher des Militärs bestätigte die Meldung. Kabore sei unfähig gewesen, das Land angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen zu vereinen. Der Sprecher bestätigte auch, dass das Militär zahlreiche Gefangene gemacht habe, die sich nun an einem sicheren Ort befänden. Unterschrieben wurden die Erklärung von einem Offizier namens Paul-Henri Sandaogo Damiba.

Bereits am Sonntag war es in in der Nähe von Kabores Anwesen in der Hauptstadt Ouagadougou in Burkina Faso zu heftigen Feuergefechten gekommen. Schießereien soll es außerdem in mehreren Kasernen des westafrikanischen Landes gegeben haben. Bei ihrem Putsch sollen die Aufständischen auch von Mitgliedern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterstützt worden sein. Seit der Machtübernahme durch die Militärs sind die Grenzen des Landes geschlossen und die Verfassung außer Kraft gesetzt.

Eine Gruppe Soldaten verkündet die erfolgreiche Machtübernahme in Burkina Faso.
Eine Gruppe Soldaten verkündet die erfolgreiche Machtübernahme in Burkina Faso. © Reuters

Militärputsch in Burkina Faso: Aufenthaltsort von Präsident Kabore unklar

Wo sich Präsident Kabore aufhält, ist nach wie vor unklar. Am Montag wurde über den Twitter-Account des Präsidenten an die Soldaten des Landes appelliert, zum Schutz der Demokratie und im Interesse des Landes die Waffen niederzulegen. Ob die Kurznachricht aber wirklich vom Präsidenten stammt, oder ob sich die Aufständischen Zugang zu seinem Twitter Account verschafft haben, konnte nicht geklärt werden. Kabore selbst wurde seit Sonntag nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen.

Die regierende Partei in Burkina Faso hatte mitgeteilt, Kabore habe einen Mordanschlag überlebt. Die Meuterei der Soldaten sei in einen Putschversuch umgeschlagen. Diese Sichtweise übernahm auch die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas, die einen „versuchten Staatsstreich“ verurteilte und das Militär für die Sicherheit des Präsidenten verantwortlich machte.

Militär verkündet Machtübernahme in Burkina Faso via Fernsehen

In einer Fernsehansprache wandten sich schließlich Vertreter des Militärs am Montagabend an die Öffentlichkeit. Die Übernahme der Macht sei gewaltfrei erfolgt. Die Verantwortung für den Putsch übernahm laut Al Jazeera ein bislang unbekannte Gruppe namens „Patriotische Bewegung für Sicherheit und Restauration“ oder, aus dem französischen, MPSR. Die Gruppierung besteht nach eigenen Angaben aus allen Bereichen des Militärs in Burkina Faso.

Die MPSR würde die verfassungsmäßige Ordnung in kurzer Zeit wiederherstellen. So lange würde landesweit eine Ausgangssperre bestehen. Die Vereinten Nationen verurteilten in Person von Antion Guterres den Militärputsch in Burkina Faso. (dil/rtr)

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