Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ein Bundeswehrsoldat auf Patrouille in Talokan (Archivfoto von 2008).
+
Ein Bundeswehrsoldat auf Patrouille in Talokan (Archivfoto von 2008).

Nach Koranverbrennung in Afgahnistan

Bundeswehr zieht sich aus Talokan zurück

  • Markus Decker
    VonMarkus Decker
    schließen

Infolge der Unruhen durch die Koran-Verbrennung ziehen 50 Bundeswehrsoldaten im nordafghanischen Talokan ab. Der Außenposten ist von etwa 300 Demonstranten attackiert worden und lässt sich nur schwer schützen.

Die Bundesregierung verbreitete am Freitag den Eindruck von business as usual. Nein, es gebe „keinen Anlass für eine grundsätzlich andere Lageeinschätzung“, sagte ein Sprecher von Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Es bleibe natürlich beim Abzug bis 2014.

Ein Sprecher von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) suchte ebenfalls jeglichen Eindruck von Sorge zu zerstreuen. Seine Botschaft: Was da am Hindukusch geschehe, sei so doch gar nicht so ungewöhnlich. Insbesondere wies er den Verdacht zurück, die Bundeswehr schlage sich in die Büsche, wenn es ernst wird. Aber nicht alle Beobachter teilen diese von der Administration so demonstrativ zur Schau getragene Gelassenheit.

Tatsache ist nämlich, dass es infolge der landesweiten Proteste gegen die Koran-Verbrennung durch US-Soldaten am Stützpunkt Bagram auch in Nordafghanistan größere Unruhen gibt – mit Ausnahme von Kundus und Mazar-i-Sharif, wo die deutschen Soldaten überwiegend ihren Dienst nach Vorschrift und unbeeinträchtigt weiter verrichten. De Maizières Sprecher verwandte für die Proteste den Terminus „demonstrative Akte“, die teilweise gewaltsam gewesen seien. Inoffiziell aber heißt es, die Truppe befinde sich in Alarmbereitschaft. Einsätze außerhalb der Camps sind reduziert oder eingestellt.

Nicht der erste Angriff

Tatsache ist überdies, dass die Lage am Außenposten Talokan besonders gefährlich war. Das Lager wurde von etwa 300 Demonstranten attackiert und ließ sich schlecht schützen. Da es aber Ende März ohnehin aufgelöst werden sollte, zog die Bundeswehr das nun um wenige Wochen vor. 50 Soldaten machten sich bereits am Donnerstag auf den Weg ins 70 Kilometer entfernte Kundus und nahmen, so weit möglich, alles mit: Fahrzeuge, Waffen und Munition. Der Provinz-Gouverneur kritisierte den Schritt als übereilt. Unklar ist, welche Schlüsse aus dem wenig heroischen Abgang zu ziehen sind.

Westerwelles Haus lenkte vom Militär ab und ließ wissen, der Minister bedauere zutiefst, dass religiöse Gefühle verletzt worden seien. Man respektiere den Islam selbstverständlich. Zudem habe sich US-Präsident Barack Obama schon entschuldigt.

Auch erinnert man sich im Regierungsviertel an den Mai 2011. Seinerzeit hatten Afghanen das Camp Talokan schon einmal mit Handgranaten und Molotow-Cocktails angegriffen, nachdem der internationalen Schutztruppe Isaf vorgeworfen worden war, vier Zivilisten getötet zu haben. Der bedeutende Unterschied zu heute: Die Bundeswehrsoldaten blieben. Und schossen. Dabei kamen bis zu zwölf Zivilisten um. Woraufhin verständlicherweise Kritik laut wurde.

Für den Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, zeigt der Fall Talokan nicht zuletzt, „dass die afghanischen Sicherheitskräfte ungeachtet aller Bemühungen der internationalen Gemeinschaft nicht in der Lage waren, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen“. Bei den anstehendenTruppenreduzierungen müsse „darauf geachtet werden, dass genügend Kräfte im Einsatz verbleiben, um sowohl ihre eigene Sicherheit als auch den Bestand des Erreichten zu gewährleisten“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare