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Neue Laserwaffe für die Bundeswehr? Test mit Drohne klappt – „Was wir sehen, treffen wir“

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Von: Jens Kiffmeier

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Schneller und präziser: Neue Laserwaffen sollen feindliche Drohnen abschießen. Die Bundeswehr testet schon. Der Ukraine-Krieg mahnt zur Eile.

Berlin/Putlos – Im Ukraine-Krieg verbreiten sie viel Leid, Tod und Zerstörung: unbenannte Drohnen. Doch die Bundeswehr könnte die Unheilsbringer künftig mittels neuer Laserwaffen ausschalten. Bei einem umfangreichen Test wurde jetzt erstmals ein Flugobjekt auf diesem Wege vom Himmel geholt.

Dadurch sei man dem Ziel, die Waffensysteme der deutschen Streitkräfte zu erweitern, einen großen Schritt näher gekommen, teilte das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr am Donnerstag (27. Oktober 2022) mit. Die Erprobung lege den „Grundstein“ dafür, hieß es weiter. Tatsächlich scheinen die Vorteile des Lasers bahnbrechend zu sein, wie kreiszeitung.de berichtet.

Bundeswehr: Neue Laserwaffe schneidet bei Test gut ab und zerstört Drohne bei simulierten Angriff

Das Millionenprojekt läuft seit dem Jahr 2020. Entwickelt wird die neue Laserwaffe in Deutschland von den beiden Rüstungskonzernen MBDA und Rheinmetall. Grundsätzlich soll sich das Waffensystem mit dem Hochpräzisionslaser besonders zur Abwehr von Drohnen, Drohnenschwärmen oder angreifenden Schnellbooten im Nah- und Nächstbereich eignen. Einen konkreten Zuschlag der Bundeswehr für das Rüstungsprojekt gibt es noch nicht. Aber ein erster Test mit einem Prototyp verlief aus Sicht der Marine und der Unternehmen offenbar vielversprechend.

So könnte der Prototyp aussehen: Ein Lasersystem von Rheinmetall steht auf dem Gelände der Laserentwicklungsabteilung der Firma in Unterlüß (Niedersachsen).
So könnte der Prototyp aussehen: Ein Lasersystem von Rheinmetall steht auf dem Gelände der Laserentwicklungsabteilung der Firma in Unterlüß (Niedersachsen). © Philipp Schulze/dpa

Marine installiert bei Test den Laser von Rheinmetall und MDBA auf einer Fregatte

Bereits im Juni 2022 hatte die Marine das System auf der Fregatte „Sachsen“ installiert. In einem realitätsnahen Testszenario sei anschließend erstmals der Nachweis erbracht worden, dass „dynamische Ziele unter einsatznahen Bedingungen erfolgreich bekämpft werden können“, so das Bundeswehr-Bundesamt. Sprich: Eine Drohne wurde im Anflug erfolgreich vom Laser abgeschossen. Konkrete Angaben zu Größe oder Anzahl der Drohnen machten die Beteiligten von Rheinmetall und MBDA nicht. Doch die Technologiebasis sei „reif“ und man könne in die Produktentwicklung einsteigen, sagte MBDA-Deutschland-Chef Thomas Gottschild der Welt

Ukraine-Krieg zeigt Gefahr: Russland setzt Drohnen aus dem Iran ein

Die Gefahr durch Drohnen-Angriffe zeigt sich aktuell im Ukraine-Krieg. Nach herben Rückschlägen bei der Offensive greift Russland immer stärker auf diese Waffensysteme zurück. Die Drohnen stammen aus dem Iran und zerstören gezielt die Infrastruktur. Allein in der Nacht zu Donnerstag wehrte die ukrainische Armee 19 Angriffe mit den sogenannten Kamikaze-Drohnen ab und zerstörte diese.

Im Ukraine-Krieg kommen dabei noch konventionelle Raketenabwehrsysteme zum Einsatz. Doch die Laserwaffen sollen in Zukunft effektiver sein. Denn sie kommen ohne Munition aus, müssen nicht nachgeladen werden – und sind dadurch schneller und agiler. Ein weiterer Vorteil angeblich: Beim Ausschalten einer Drohne per Laser gibt es oftmals keine Splitter explodierender Munition. Denn es reicht oftmals, mit dem Laserstrahl die Optik der Drohne auszuschalten. Der Nachteil: Die Laserwaffe braucht Strom und eine enorme Kühlung. Ein erfolgreicher Angriff auf die Energieversorgung kann den Laser außer Gefecht setzen.

Bundeswehr: Bei der Ausrüstung pumpt die Regierung von Scholz 200 Milliarden in die Streitkräfte

Dennoch zeigen sich die Rüstungskonzerne von ihrem Projekt überzeugt. „Was wir sehen, das treffen wir auch“, sagte Markus Jung, Abteilungsleiter bei Rheinmetall Defense in einem auf der Homepage veröffentlichten Interview schon vor Jahren. Doch je nach Leistung des Lasers mit 20 oder 100 kW könne man unterschiedliche bewegliche Ziele ausschalten. Die Technik sei anspruchsvoll, ergänzte jetzt auch Gottschild. So müsse der Laserstrahl beispielsweise auf ein bis zwei Kilometer einen sich bewegenden Zielpunkt von der Größe einer Zwei-Euro-Münze treffen. „Doch diese Technik haben wir jetzt im Griff“, sagte er.

Inwieweit das Zukunftsszenario aber auch tatsächlich Realität wird, bleibt aber noch abzuwarten. Bis ins Jahr 2023 soll weitergetestet werden. In der Bundeswehr zeigt man sich nicht abgeneigt. Insgesamt hat die Bundesregierung von Olaf Scholz (SPD) unter dem Eindruck des Ukraine-Krieges die Modernisierung der Streitkräfte eingeleitet. Nachdem Anfang des Jahres führende Kräfte Alarm geschlagen hatten und gewarnt hatten, dass die Bundeswehr bei der Ausrüstung „blank da stehe“, sollen in den kommenden Jahren über eine Sondervermögen bis zu 200 Milliarden Euro in die Armee gepumpt werden.

Laserwaffe: USA, China und Russland entwickeln ebenfalls neue Systeme

Neben der Laserwaffe steht auch ein neuer Raketenabwehrschirm auf dem Programm. Deutschland ist dabei längst nicht das einzige Land, das bei der Entwicklung der neuen Waffensysteme vorangeht. Allen voran China und die USA erproben bereits umfangreich die Möglichkeiten. Doch auch in Russland gibt es entsprechende Programme. (jk)

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