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Soldatinnen sind klar im Vorteil. Sie dürfen lange Haare tragen.

Bundeswehr

Kurzhaarschnitt bleibt für Soldaten Pflicht

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Soldatinnen haben es da besser, sie dürfen lange Haare tragen. Immerhin soll der Haar- und Barterlass überarbeitet werden.

Es sind Problemwochen bei der Bundeswehr, und jetzt kommen auch noch die Haare dazu: Ein marodes Segelschulschiff, ein Untersuchungsausschuss wegen mindestens schlampiger Beraterverträge, fehlende Soldaten, Materialprobleme, ein Koalitionsstreit über das Wohl oder Wehe eines neuen Kampfjets würden ja schon reichen. Aber dann hat auch sich auch noch das Bundesverwaltungsgericht mit der Bundeswehr beschäftigt und damit ein Thema wieder hervorgeholt, das dazu taugt, dem bisherigen Ärger noch Spott hinzuzufügen.

Ein 51-jähriger Stabsfeldwebel hatte sich beschwert, weil die Bundeswehr ihn zum Haareschneiden schickt. „Die Haare von Soldaten müssen kurz geschnitten sein. Ohren und Augen dürfen nicht bedeckt sein. Das Haar ist so zu tragen, dass bei aufrechter Kopfhaltung Uniform- und Hemdkragen nicht berührt werden.“ So steht es im Haar- und Barterlass der Bundeswehr, der wirklich so heißt und Soldaten außerdem Irokesenschnitte, bunte Haare, wallende Bärte und mehr als zwei Fingerringe verbietet, sowie für Regenschirme die Farbe schwarz vorschreibt.

Soldatinnen dürfen lange Haare haben 

Das Gericht urteilte, dass der Erlass auch gilt, wenn ein 51-jähriger Stabsfeldwebel keine repräsentativen Aufgaben hat, im Ministerium arbeitet und Anhänger der Gothic-Szene ist, und deswegen gerne lange Haare trüge. Und er gilt, obwohl Soldatinnen durchaus lange Haare tragen dürfen, auch wenn sie nichts mit der Gothic-Szene zu tun haben. Sie müssen die Kopfpracht lediglich zusammenstecken und über die Augen wachsen lassen ist auch nicht erlaubt.

Das Gericht hat allerdings das Ministerium aufgefordert, den Erlass mal wieder zu überarbeiten und den unglücklichen Kurzhaarträger getröstet, dies sei zumindest ein Teilerfolg für ihn. Diplomaten dürften durchaus lange Haare tragen, hat dazu nun ein Sprecher des Auswärtigen Amtes bemerkt.

Ein Staatssekretär und früherer Botschafter in Kenia und Südafrika hat dort eine lange, dunkle Lockenpracht. Es werde gerade im Ausland durchaus positiv vermerkt, wenn ein Diplomat nicht dem Prototyp des Deutschen entspreche. „Wir sind bunt und vielfältig“, sagte der Sprecher stolz. Und Runderlasse zu Haaren gebe es in seinem Ministerium auch nicht.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums gab zurück: „Ich wünsche dem diplomatischen Dienst jeden Erfolg.“ Allerdings sei nicht klar, inwieweit der auf Haar- und Barttracht zurückzuführen sei. Es klang ein wenig genervt. Aber den Haar- und Barterlass will man sich im Ministerium trotzdem nochmal anschauen.

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